Breitensport | Coronavirus-Pandemie "Zahlen schmerzen" – rund 46.500 Vereinsaustritte in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt

Kamen die Sportvereine zunächst glimpflich und mit nur wenigen Austritten durch die Pandemie, hat sich das Bild bis Jahresende 2020 gewandelt. Das zeigen Zahlen aus Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Besonders besorgniserregend: Vor allem Kinder und Jugendliche kehren dem Vereinssport den Rücken.

Sportschuhe, Basketball und eine Mund-Nasenmaske.
Bildrechte: imago images/HMB-Media

Thüringen: 16.500 Mitglieder weniger

Der organisierte Thüringer Sport hat im Jahr 2020 rund 16.500 Mitglieder verloren. Diese vorläufige Zahl nannte der Landessportbund (LSB) am Dienstag nach der jährlichen Mitgliederbestandsaufnahme.

LSB Thüringen: Hauptgeschäftsführer Thomas Zirkel
Thomas Zirkel (Hauptgeschäftsführer LSB Thüringen) Bildrechte: IMAGO / Gerhard König

Eine erste Auswertung habe ergeben, dass noch etwa 349.000 Thüringer in einem Sportverein organisiert sind. Im Februar 2020 lag die Zahl noch bei 365.398 Mitgliedern. Dieser Rückgang entspricht einem Minus von 4,5 Prozent. Die Corona-Pandemie, durch die der Sport seit Monaten nahezu vollständig zum Erliegen gekommen ist, gilt als ein wesentlicher Grund für den Rückgang. Eine genaue Analyse folgt im März, wenn die noch ausstehenden Meldungen von 50 Vereinen ausgewertet sind.

LSB-Hauptgeschäftsführer Thomas Zirkel hatte im Vorfeld sogar mit einem noch deutlicheren Rückgang von rund zehn Prozent gerechnet. "Diese Zahlen schmerzen den Sport sehr, zeigen sie doch, dass sich 16.500 Thüringer vom Vereinssport abgewandt haben, die Kompensation durch Neueintritte bzw. die Rückkehr wird einige Zeit in Anspruch nehmen", sagte Zirkel in der Mitteilung.

Die meisten Vereinsaustritte gab es im Bereich von 0 bis 18 Jahren sowie im Altersbereich von 27 bis 50 Jahren mit jeweils rund 5.500. Diese Zahlen seien vor allem vor dem Hintergrund alarmierend, dass gerade bei Kindern und Jugendlichen die gesundheitlichen Konsequenzen der wochenlangen Inaktivität derzeit noch nicht absehbar seien und diese anscheinend für einen längeren Zeitraum dem Sportverein verloren gehen bzw. ihnen so die Perspektive zur Entwicklung eines gesunden Lebensstils fehle, teilte der LSB mit. Als positiv wertete der LSB die Tatsache, dass es nicht zu einem befürchteten Vereinssterben gekommen ist. Nur 35 Vereine haben sich nach LSB-Angaben abgemeldet.

Facebook Zitatgrafik Vereine
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Sachsen: 20.000 Mitglieder ausgetreten

Die Zahl der Austritte aus sächsischen Sportvereinen im Jahr 2020 beläuft sich auf 20.000. Das gab der Landessportbund Sachsen (LSB) am Mittwoch (17. Februar) nach der Befragung aller Vereine für die jährliche Mitgliederbestandserhebung bekannt. Damit sind im Freistaat 2,9 Prozent weniger Menschen in Sportvereinen organisiert als 2019. Auch die Zahl der Vereine ist leicht rückläufig. Elf Vereine meldeten sich ab, sodass zum 1. Januar 2021 noch 656.189 Mitglieder in 4.436 Vereinen registriert waren.

"Das vergangene Jahr war sowohl für unsere Mitgliedsvereine als auch für alle sportbegeisterten Menschen in Sachsen eine noch nie da gewesene Herausforderung. Angesichts der immer noch andauernden Zwangspause für den organisierten Sport können wir allen Beteiligten nur unseren ausdrücklichen Dank aussprechen: Den Vereinen für ihre Disziplin bei der Umsetzung der Corona-Schutzmaßnahmen und Hygienebestimmungen sowie allen Ehrenamtlichen, die mit großer Kreativität und viel Herzblut kontaktlose sportliche Alternativangebote erdacht und umgesetzt haben", sagte LSB-Präsident Ulrich Franzen in einer Mitteilung.

Besorgt zeigen sich die LSB-Verantwortlichen mit Blick in die Zukunft. Vor allem Kinder und Jugendliche kehren dem Vereinssport den Rücken. So entfallen bei dem Mitgliederverlust von knapp 20.000 Personen rund 13 000 auf die Altersgruppe bis 14 Jahre. "Das ist ein deutliches Zeichen an die Politik, vor allem den Kinder- und Jugendsport so schnell wie möglich wieder zu öffnen", sagte Franzen.

Facebook Zitatgrafik Vereine
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Sachsen-Anhalt: Minus von fast 10.000 Mitgliedern

In Sachsen-Anhalt geht man nach Zahlen aus den Vereinen zum Stichtag 01. Januar 2021 von einem Minus von fast 10.000 Menschen, das wären knapp unter drei Prozent, aus. Diese Zahl muss noch einer Tiefenprüfung unterzogen werden, es handelt es sich also noch nicht um eine endgültige Zahl. Auch hier fehlt praktisch ein kompletter Jahrgang an Kindern und Jugendlichen.

Vorstandsvorsitzender LSB Sachsen-Anhalt: Tobias Knoch
Tobias Knoch, der Vorstandsvorsitzende des LSB von Sachsen-Anhalt Bildrechte: LSB Sachen-Anhalt

Der Vorstandsvorsitzende Tobias Knoch sagte "Sport im Osten": "Die aktuelle statistische Erfassung der Mitgliederzahlen des LSB Sachsen-Anhalt ist noch nicht komplett abgeschlossen. Es gibt aber eine Tendenz. Diese besagt, dass der Mitgliederschwund geringer ausfällt, als wir befürchten mussten. Er liegt knapp unter drei Prozent. Hier gibt es aber regional und sportartspezifisch große Unterschiede. Positiv gesehen kann man resümieren: Die Sportlerinnen und Sportler in Sachsen-Anhalt halten ihren Vereinen in dieser schweren Zeit zum großen Teil die Treue. Aber unseren Sportvereinen sind im Corona-Jahr 2020 in der Summe nahezu 10.000 Mitglieder verlorengegangen. Dazu kommt, dass fast ein kompletter Jahrgang Mädchen und Jungen aufgrund der Schließungen bisher keinen Zugang zu den Angeboten der Sportvereine hatte. Im Wissen darum, dass die Mitgliedsbeiträge eine wichtige Säule der Finanzierung des gemeinnützigen Vereinssports bildet, sind das besorgniserregende Zahlen."

Ein Stufenplan für die Wiederaufnahme des Sportbetriebs wurde mit Hilfe der Politik erabeitet, so Knoch weiter: "Seit nahezu einen Jahr ist bis auf wenige Ausnahmen kein regulärer Trainings- und Wettkampfbetrieb in unseren Vereinen möglich. Deshalb ist es jetzt ganz besonders wichtig, dass wir unseren Mitgliedern eine Perspektive aufzeigen. Gemeinsam mit dem Ministerium für Inneres und Sport haben wir einen Stufenplan für die schrittweise Wiederaufnahme des Sportbetriebs für den Sachsen-Anhalt-Plan 2021 erarbeitet, mit dem unsere Landesregierung die schrittweise Rückkehr zur Normalität für alle gesellschaftlichen Bereiche des Landes beschreiben will."

Facebook Zitatgrafik Vereine
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Facebook Zitatgrafik Vereine
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

---
dpa/cke

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR AKTUELL | 17. Februar 2021 | 17:45 Uhr

19 Kommentare

BSG der Echte vor 48 Wochen

Profifussball zu verbieten ist genauso sinnlos, als würde man sagen, VW soll seine Werke schliessen. Es geht hier nämlich um Wirtschaftsunternehmen, und nicht um sportliche Ertüchtigung im Amateurbereich. Kapiert ??

BSG der Echte vor 48 Wochen

Desaströs ist noch untertrieben. Planlos, wie alles und immer hier, Beamte halt. Corona ist keine Katastrophe. Es wurde zu einer solchen hochstilisiert. Und kommt mir keiner mit Zahlen von vielen Toten.Kein einziger davon wurde obduziert. Und alle, ausnahmslos alle, sind infolge schwerer Vorerkrankungen gestorben. Das ist die Wahrheit. Und deshalb macht man alles kaputt ? Die wahren Gründe werden eines Tages hoffentlich aufgedeckt. Und Profifussball zu verbieten ist genauso sinnlos, als würde man sagen, VW soll seine Werke schliessen. Es geht hier nämlich um Wirtschaftsunternehmen, und nicht um sportliche Ertüchtigung.

wolle010 vor 48 Wochen

Darum geht es gar nicht. Sie haben das Thema nicht verstanden!
Es geht darum Profisport wird zugelassen. Trotz Virus. Und Amateursport wird verboten. Wegen Virus.
Jetzt kapiert