Doping | Operation Aderlass Danilo Hondo: Jobverlust nach Doping-Geständnis

Der ehemalige Rad-Profi Danilo Hondo hat gestanden, beim Erfurter Sportmediziner Mark S. Blutdoping betrieben zu haben. Das sagte der 45-Jährige am Sonntag in einem Interview der ARD-Dopingredaktion in der "Sportschau". Passiert sei das 2011, sagte Hondo.

Danilo Hondo
Danilo Hondo, Anfang Mai noch als Schweizer Nationaltrainer Bildrechte: imago images / Geisser

"Ich hatte diesen schwachen Moment", sagte er. "Und es war nach diesen Gesprächen dann auch fast diese Neugier, was passiert da? Was ist Blutdoping? Was bewirkt das?" Dadurch, dass er viele Jahre raus war, kein Geld verdient hatte. Sportarzt Mark S. habe ihn überzeugt, "dass es eigentlich fast alle Athleten praktizieren - das hat mich dann so überzeugt". Hondo war damals beim Team Lampre. Anfang 2012 kündigte er die Zusammenarbeit mit Mark S. Bis dahin zahlte er an den Mediziner nach eigenen Angaben etwa 30 000 Euro. Hondo beendete 2014 seine Karriere nach 18 Jahren. 2016 wurde er zum Schweizer Nationaltrainer für die Straßenmannschaft berufen. Der Schweizer Verband trennte sich am Sonntag von ihm. Der Deutsche sei als Folge seines Doping-Geständnisses per sofort freigestellt worden, teilte Swiss Cycling mit.

Ermittlungen nach Dopingfilm "Die Gier nach Gold"

Der gebürtige Cottbuser lebt seit Jahren in der Schweiz. Er habe den Schweizer Radsportverband Swiss Cycling am Morgen vor dem Interview informiert. "Mir ist klar, dass es natürlich keine berufliche Zukunft, weder bei Swiss Cycling noch in irgendeiner anderen Form, im Radsport für mich geben wird", meinte Hondo. Mark S. soll angeblich Drahtzieher eines mutmaßlichen Doping-Netzwerkes sein. Bekannt war bislang, dass insgesamt mindestens 21 Sportler aus acht Nationen Blutdoping bei ihm praktiziert haben sollen. Auslöser der staatsanwaltlichen Ermittlungen war der Film "Die Gier nach Gold" der ARD. Der ehemalige österreichische Skilangläufer Johannes Dürr hatte in diesem Film Blutdoping zugegeben und dadurch Razzien bei der Ski-WM in Seefeld und in Erfurt ausgelöst. Als Grund für seinen Schritt an die Öffentlichkeit gab Hondo an, dass S. ihn direkt belastet haben soll. "Mir war es einfach wichtig klarzustellen, dass es mein persönlicher Fehler war; meine persönliche Schwäche", sagte er. Es sei für ihn persönlich unglaubwürdig gewesen, wenn er abgestritten hätte, dass er auch Kunde von S. gewesen wäre.

Bereits 2005 Sperre wegen Dopings

Als Mitglied des damaligen Gerolsteiner-Teams war der zweimalige Giro-Etappensieger wegen Dopings 2005 für zwei Jahre gesperrt worden. Nach einem juristischen Marathon hatte sich damals sogar der als kompromissloser Doping-Kritiker bekannte Mikrobiologe Werner Franke für Hondo eingesetzt. Bei Hondo war damals ein verschwindend geringer Carphedon-Fund in seinem Urin festgestellt worden. Hondo galt als Sprintspezialist. Der Brandenburger wurde 1994 Weltmeister im deutschen Bahnvierer, gewann zehn Etappen der Friedensfahrt, 2001 zwei Etappen beim Giro d'Italia, war 2002 deutscher Straßenmeister und 2005 als Zweiter knapp am Sieg beim Klassiker Mailand-San Remo vorbeigefahren.

dpa

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 12. Mai 2019 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. Juni 2019, 15:36 Uhr

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3 Kommentare

13.05.2019 19:09 PaulchenPanther 3

Meiner Meinung als ehemaliger Leistungssportler: ein Mensch mit so einer Vita hat nichts mehr in einer Trainerfunktion verloren.
Leider war man bei den Eidgenossen auf einem Auge blind zur Vergabe seines verantwortungsvollen Posten.
Auch wenn nur kurz gedopt ....
Es zählt als unlauterer Wettbewerb und somit aLS Betrug.

12.05.2019 22:35 na so was 2

Na so was, was jahrelang keiner in Deutschland, besonders die hohen Sportfunktionäre, wahrhaben wollte, wird jetzt zur Gewissheit. Auch im deutschen Spitzensport wurde flächendeckend gedopt. Musste man sicher auch, um in der Weltspitze mitzuhalten. Bei Großereignissen zählten nur 1. Plätze, wer Zweiter wurde, war erster Verlierer. Ich bin ja nun mal gespannt, welche Reaktionen von den einzelnen Sportverbänden kommen. Ich vermute mal, Schuld sind auf jeden Fall die Anderen, niemals die Deutschen.

12.05.2019 19:57 Steffen 1

Respekt für Danilo! Er hat gewusst was ihn erwartet, und hat es trotzdem zugegeben obwohl ihm klar war das er seinen Job verliert. Jeder, ich betone jeder(!) , hat schon Fehler gemacht. Ich hoffe er bekommt bald eine neue Chance. Er hat auch nur ganz kurz gedopt. Andere haben das jahrelang praktiziert.