Turnen Deutscher Turner-Bund fordert Trennung von Trainerin Gabriele Frehse

Gabriele Frehse soll ihren Job beim Olympiastützpunkt in Chemnitz verlieren. Der Deutsche Turner-Bund sieht es als erwiesen an, dass die Trainerin "psychische Gewalt" an Turnerinnen, wie Pauline Schäfer, ausgeübt hat. Das ist das Ergebnis einer unabhängigen Untersuchung. Selbst entlassen kann der DTB die 60-Jährige nicht, weil sie direkt beim OSP angestellt ist. Der OSP will nun über die Zukunft von Frehse beraten.

Gabriele Frehse 1 min
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Gabriele Frehse soll keine Zukunft beim Bundesstützpunkt Chemnitz haben. In einer Stellungnahme des Präsidiums des Deutschen Turner-Bundes wird der Olympiastützpunkt Sachsen aufgefordert, das Arbeitsverhältnis mit der Trainerin zu beenden.

"Aufgrund der Ergebnisse der unabhängigen Untersuchung sieht der DTB keine Grundlage für die weitere Betreuung von Athletinnen am Bundesstützpunkt Chemnitz durch Frau Frehse und fordert daher die vollständige Beendigung des Arbeitsverhältnisses von Frau Frehse durch den Olympiastützpunkt Sachsen, bei dem sie angestellt ist“, heißt es in der 13-seitigen Mitteilung des DTB. Eine schwerwiegende Pflichtverletzung im Bundesstützpunkt in Chemnitz sei damit bestätigt. Zudem fordert der Bund den TuS Chemnitz-Altendorf "nachdrücklich auf", den Vertrag mit dem niederländischen Trainer Gerrit Beltman zu beenden. Zusammenfassend heißt es: "Der DTB lehnt eine zukünftige Tätigkeit von Frau Frehse und Herrn Beltman im deutschen Turnen ab."

Präsident des Deutschen Turner-Bundes: Dr. Alfons Hölzl 4 min
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Fr 22.01.2021 13:29Uhr 03:54 min

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Der DTB lehnt eine zukünftige Tätigkeit von Frau Frehse und Herrn Beltman im deutschen Turnen ab.

Erklärung des Präsidiums des Deutschen Turner-Bundes

"Spiegel"-Berichte waren Ausgangspunkt

Im Magazin "Der Spiegel" hatten in November und Dezember 2020  ehemalige Turnerinnen, Trainerinnen und Eltern schwere Vorwürfe gegen Gabriele Frehse erhoben. Prominenteste Sportlerin war die frühere Weltmeisterin Pauline Schäfer. Dabei geht es um psychische Gewalt, Verabreichung von Schmerzmitteln und unangemessene Trainingsmethoden. Der Deutsche Turner-Bund hat nach dem Bekanntwerden von Vorwürfen gegen Frehse mit Hilfe einer unabhängigen Anwaltskanzlei alle Vorwürfe aufgearbeitet.

Turnen Gabriele Frehse 7 min
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Sport im Osten So 06.12.2020 15:35Uhr 06:40 min

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"Vorwürfe haben sich bestätigt"

In den Gesprächen mit Athletinnen und Athleten, Eltern, sowie Trainerinnen und Trainern über das Verhalten der Chemnitzer Trainerin hätten sich die Vorwürfe bestätigt. Insgesamt hätten in 17 Fällen hinreichende Anhaltspunkte für die Anwendung psychischer Gewalt durch Frehse vorgelegen. Zudem sei es in mehreren Fällen zur Abgabe von Schmerzmitteln durch die Trainerin an Turnerinnen gekommen, u.a. wurde in einem Fall das Opiod Tilidin an eine Turnerin bei einem internationalen Wettkampf verabreicht. In diesem Fall wurde bereits Strafanzeige wegen des Verdachts der Misshandlung von Schutzbefohlenen und Körperverletzung gestellt. Schmerzen seien zudem von der Trainerin häufig nicht ernstgenommen worden. Essstörungen und selbstverletzendes Verhalten konnte nach den Untersuchungen nicht auf das Verhalten der Trainerin zurückgeführt werden.

Zudem besteht laut Anwaltskanzlei der Verdacht, dass eine nicht wettkampftaugliche Sportlerin in der Bundesliga eingesetzt wurde. Auch Frehse sei im Rahmen der Untersuchung zu den Verdachtsmomenten befragt worden, bestritt diese größtenteils.

Turntrainerin Gabriele Frehse im Interview 1 min
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MDR aktuell 17:45 Uhr Do 03.12.2020 17:45Uhr 01:11 min

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Keine Rückschlüsse auf strafrechtliche Verantwortung

Die Kanzlei erklärte ausdrücklich, dass für die Trainerin und den niederländischen Trainer "uneingeschränkt die Unschuldsvermutung" gelte. "Weder mit der Erstattung einer Strafanzeige noch mit der Einleitung entsprechender Verfahren sind belastbare Rückschlüsse auf eine etwaig bestehende (strafrechtliche) Verantwortlichkeit verbunden."

DTB für weitere Reformen

Auch der Deutsche Turner-Bund will Konsequenzen aus den Vorwürfen ziehen. Man werde im Gesamtverband Änderungen herbeiführen, "um künftig derartige Vorfälle und Entwicklungen so weit wie möglich auszuschließen". Die Fehler und Unzulänglichkeiten der Vergangenheit dürften sich nicht wiederholen. Um zudem arbeitsrechtlich bessere Durchgriffmöglichkeiten zu erhalten, will der DTB bei künftigen Anstellungsverhältnissen mehr Mitspracherecht haben.

Weiterhin schlägt der Deutsche Turner-Bund einige sportpolitischen Maßnahmen vor, wie die Anhebung des Startalters bei internationalen Wettkämpfen von 16 auf 18 Jahre. Auch wird über eine Änderung des Stützpunktkonzeptes nachgedacht, um für junge Athletinnen und Athleten die räumliche Entfernung zum Elternhaus zu begrenzen. Sportlerinnen und Sportler sollen zudem künftig längere Genesungszeiten erhalten, ohne den Kaderstatus zu verlieren.

Olympiastützpunkt Sachsen berät über Frehse-Zukunft

Nach der Bestätigung der Vorwürfe gegen die Chemnitzer Trainerin Gabriele Frehse durch eine unabhängige Untersuchungskommission will der Olympiastützpunkt Sachsen über das weitere Vorgehen beraten. In Kürze wolle man das weitere Vorgehen beschließen. "Wir stehen beim OSP Sachsen für einen sauberen, gewaltfreien Sport. Wir verurteilen jegliches Fehlverhalten und entschuldigen uns bei Betroffenen für entstandenes Leid", heißt es in einer Stellungnahme. Man hinterfrage sich auch kritisch, so der OSP. Ziel müsse es sein, Versäumnisse von unserer Seite aufzuarbeiten.

rei/pm

15 Kommentare

cherry1966 vor 44 Wochen

"Vor diesem Hintergrund begrüßen wir ausdrücklich die vom DOSB in Auftrag gegebene weiterführende Untersuchung am Olympiastützpunkt in Chemnitz."
Da wäre es nur konsequent, die mit den unlauteren Mitteln des Olympiastützpunktes Chemnitz gewonnenen internationalen Titel unverzüglich zurückzugeben.

cherry1966 vor 44 Wochen

"Auf der Grundlage der nunmehr vorliegenden Erkenntnisse erachtet die Kanzlei Rettenmaier die im Jahr 2018 unternommene Aufklärung damals bekannter Sachverhalte durch den DTB als nicht ausreichend. Insbesondere die vom DTB unter Hinzuziehung eines externen Beraters vor Ort vorgenommene Überprüfung des Trainings auf psychische Gewalt ist aus Sicht der Kanzlei Rettenmaier sowohl aufgrund des Inhalts als auch des Umfangs der Überprüfung nicht geeignet gewesen, ein valides Bild von den Trainingsbedingungen zu erhalten."
Aufgrund der Ergebnisse der unabhängigen Untersuchung sehe ich keine Grundlage für die weitere Betreuung von Athletinnen in der BRD durch den DTB und fordert daher die vollständige Beendigung der Arbeitsverhältnisses der Verantwortlichen des DTB. Eine schwerwiegende Pflichtverletzung im DTB ist damit bestätigt.
Eine Kanzlei wird nie gegen ihren Auftraggeber arbeiten!
Sport frei und schönes Restwochenende.

MeyerZwo vor 44 Wochen

Ich möchte nochmals in Erinnerung rufen, dass der DTB ein nicht rechtsverbindliches Gutachten, dass die beauftragte Kanzlei aus guten Gründen relativiert, als Grundlage für eine arbeitsrechtliche Entscheidung nutzt und darüberhinaus rechtlich selbstständige Einheiten auffordert, Arbeitsverhältnisse zu beenden. Es gleicht meiner Rechtsauffassung einem Offenbarungseid, dass man auf der Grundlage des Gutachtens Entscheidungen dieser Tragweite trifft.