Marcel Kittel feiert seinen Sieg auf der 11. Etappe der Tour de France, 2017.
Radprofi Marcel Kittel reagierte entsetzt über die Doping-Enthüllungen. Bildrechte: imago/Belga

Doping Kittel über Dopingskandal: "Schlag ins Gesicht"

Der Erfurter Radprofi Marcel Kittel hat mit Bestürzung auf die Enthüllungen im Doping-Skandal um den Arzt Mark Schmidt reagiert. Für seinen Manager ist die Praxis allerdings keine Unbekannte.

Marcel Kittel feiert seinen Sieg auf der 11. Etappe der Tour de France, 2017.
Radprofi Marcel Kittel reagierte entsetzt über die Doping-Enthüllungen. Bildrechte: imago/Belga

Marcel Kittel ist fassungslos. Die Doping-Enthüllungen um den Erfurter Arzt Mark Schmidt haben bei dem 30-Jährigen vom Radsport-Team Katusha-Alpecin Bestürzung ausgelöst.

Kittel entsetzt und verärgert

"Das ist ein Schlag ins Gesicht aller sauberen Sportler wie mich", schrieb der gebürtige Arnstädter auf seiner Webseite. Besonders das Geständnis seines langjährigen Teamkollegen Georg Preidler (Österreich) sowie die Verbindung zu seiner thüringischen Heimat haben Kittel getroffen. "Ich bin persönlich mit meinem Latein am Ende", betonte Kittel und ergänzte: "Nicht nur, weil Georg drei Jahre mein Teamkollege gewesen ist, sondern vor allem auch, weil das ganze Dopingnetzwerk mit einem Arzt aus meiner Heimatstadt Erfurt seinen Ursprung in Thüringen hat."

Marcel Kittel
Marcel Kittel Bildrechte: imago/Belga

Das ist ein Schlag ins Gesicht aller sauberen Sportler wie mich. Ich bin persönlich mit meinem Latein am Ende.

Marcel Kittel

Die immer neuen Enthüllungen der vergangenen Tage habe er mit "Fassungslosigkeit" verfolgt. Er sei froh, dass das Treiben des verhafteten Mediziners jetzt ein Ende habe. "Ich finde es tragisch, wie eine Handvoll Personen das Image des deutschen Sports und meiner Heimatstadt so beschädigen konnten", sagte Kittel.

Kittel fordert Härte des Gesetzes

Dass Kittel als Radprofi immer wieder mit dem Dopingthema konfrontiert wird, ist für den Thüringer durchaus verständlich. “Ich kann es auch keinem verübeln, wenn man mal in die Geschichte des Radsports und anderer Ausdauersportarten schaut. Trotzdem habe ich immer versucht mit gutem Beispiel voranzugehen und transparent zu sein.  Ich bin stolz darauf, dass der aktuelle Fall um Mark Schmidt auch aufgrund des Anti-Doping-Gesetzes ins Rollen gekommen ist, dass ich mit unterstützt und gefordert habe", erklärte Kittel, der bei der Doping-Aufklärung die volle Härte des Gesetzes fordert, um "die ehrlichen Menschen zu schützen".

Kittel: "Mehr Ignoranz und Dreistigkeit gehen nicht"

Besonders entsetzt äußerte sich der Radprofi über das skrupellose Vorgehen von Schmidt: "Er hat scheinbar vor zehn Jahren bereits Sportlern bei Manipulationen geholfen, ist mit einem blauen Auge davongekommen und hat direkt danach sein Blutdopingsystem weiter ausgebaut und dabei sogar altes Equipment vom gerade erwischten und verurteilten Stefan Matschiner übernommen. Mehr Ignoranz und Dreistigkeit gehen nicht."

Kittel-Manager Werner als Patient bei Mark Schmidt

Kittel selbst war laut seinem Manager Jörg Werner kein Patient in der Gemeinschaftspraxis des Erfurter Sportarztes gewesen. Werner selbst war dort allerdings in hausärztlicher Betreuung. "Deswegen war ich öfter in der Praxis", sagte er im "Neuen Deutschland“.

Skiläufer im Pulk. 5 min
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Die ARD-Doping-Redaktion beleuchtet das Thüringer Umfeld des im Zuge der Doping-Razzia verhafteten Erfurter Arztes Mark Schmidt.

Mo 04.03.2019 10:24Uhr 05:07 min

https://www.mdr.de/sport/sport-im-osten/video-279730.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

sst/dpa/sid

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 05. März 2019 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. März 2019, 17:49 Uhr

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12 Kommentare

07.03.2019 12:23 Verwundert! 12

Warum sich jetzt nur alle aufregen? Hätten sie mal vorher nicht weggeschaut, darüber geredet wurde ja genug, aber niemand hat es weiter verfolgt - bis die Bombe geplatzt ist. Das hätte verhindert werden können, wenn sich mal früher jemand zu Wort gemeldet hätte.

05.03.2019 21:54 @P. 11

Ein Jan Ulrich war auch mal ein deutscher Vorzeigeathlet der sich ganz klar gegen Doping positioniert hat. Bis zu seinem Geständnis. Ich habe diese Profis bei der Tour trotzdem bewundert für diese Quälerei. Das die dopen war doch klar, da vorne gewinnt keiner ohne Doping. Allerdings die ewigen Beteuerungen, das Abstreiten wenn es ihnen an den Kragen geht, sind das Widerlichste an der Sache. UND Wer sich diesen vorbelasteten Arzt zur hausärztlichen Betreuung nimmt muss schon sehr dumm sein, oder glaubt uns nun für dumm verkaufen zu können.

05.03.2019 21:45 Paule 10

Warten wir mal in Ruhe ab.

05.03.2019 21:36 Diego 9

Ups....es wurde im Radsport gedopt? Wem interessiert das noch? Weil es fast jeder macht? Spielt dieses Thema nicht so hoch. Anderswo leiden Menschen und kein Aas interessiert es. Also Herr Kittel Mund abwischen und Job wechseln.

05.03.2019 21:20 martin 8

@saubär: Nee, Kittel war nicht in der Praxis. Sein Manager.

05.03.2019 19:09 Tamico 7

Die verwendeten Blutbeutel kommen sicher aus Russland!

05.03.2019 19:09 Saubär 6

"Mehr Ignoranz und Dreistigkeit gehen nicht"

05.03.2019 19:05 Saubär 5

Herr Kittel war also durch Zufall bei genau diesem Arzt in hausärztlicher Betreuung. Ohne Worte.

05.03.2019 17:25 P. 4

Schön, dass sich so ein erfolgreicher Sportler so offen positioniert . Das würde man sich von Top Sportlern anderer Sportarten auch erhoffen . Stattdessen stellen diese die anderen als Nestbeschmutzer etc. dar. Kittel ist wirklich in vielerlei Hinsicht eine Vorzeigeathlet des deutsche Sports

05.03.2019 17:08 Maxmoritz 3

Immer noch kein Sportler aus Russland erwischt. Herrn Seppelt geht wohl die Luft aus?