Wintersport | Doping Doping-Affäre reicht offenbar bis zum Landessportbund Thüringen

Skiläufer im Pulk. 5 min
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Die ARD-Doping-Redaktion beleuchtet das Thüringer Umfeld des im Zuge der Doping-Razzia verhafteten Erfurter Arztes Mark Schmidt.

Mo 04.03.2019 10:24Uhr 05:07 min

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Die Affäre rund um den Doping-Arzt Mark Schmidt weitet sich aus. Auch zum Landessportbund (LSB) Thüringen soll es nach Recherchen der "Sportschau" Verbindungen geben. Ein Bindeglied dabei: Schmidts Vater Ansgard. Dieser wurde während der Nordischen Ski-WM in Seefeld festgenommen.

Prof. Dr. Stefan Hügel, Präsident Landessportbund (LSB) Thüringen.
Stefan Hügel, Präsident des Landessportbundes Thüringen (Archiv). Bildrechte: imago/foto2press

Schmidt Senior war lange in den Vorständen von Thüringer Sporthilfe und Skiverband ehrenamtlich tätig. Nach MDR-Recherchen am Montag (04.03.2019) war Ansgard Schmidt zudem Vorsitzender des Schiedsgerichtes im LSB und erhielt für sein Engagement 2007 den Ehrenbrief des Freistaats Thüringen. Im Hauptberuf arbeitete der Pensionär bis vor kurzem in der Erfurter Anwaltskanzlei Spilker & Collegen. Sein Kollege dort war Heinz-Jochen Spilker, der in den 80-er Jahren in Nordrhein-Westfalen junge Sprinterinnen mit Anabolika gedopt hatte und dafür später verurteilt wurde.

Hügel: Wissen nicht, welche Landeskader betroffen sind

In Thüringen brachte er es nach der Wiedervereinigung bis zum Vize-Präsidenten des Landessportbundes - der Mark Schmidt junge Athleten zuführte. Dessen aktueller Präsident Stefan Hügel sagt dazu: "Wir wissen nicht, welche Landeskader davon betroffen sind. Wir wollen Anfang nächster Woche die Eltern einladen, um ins Gespräch zu kommen."

Rolf Beilschmidt, Hauptgeschäftsführer Landessportbund Thüringen e.V.
LSB-Hauptgeschäftsführer Rolf Beilschmidt (Archiv). Bildrechte: imago/Karina Hessland

Der Hauptgeschäftsführer des LSB Thüringen ist Rolf Beilschmidt. Der frühere Hochspringer stellte in der DDR Rekorde in seiner Sportart auf und musste 2011 einräumen, gedopt zu haben. Zudem arbeitete er als IM für die Stasi und bespitzelte u.a. seine frühere Klubkameradin Ines Geipel, wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtete.

Wilhelm: Härtere Strafen notwendig

Die Thüringer Biathlon-Olympiasiegerin Kati Wilhelm setzt derweil auf härtere Strafen, um das Doping zu bekämpfen. "Vielleicht kannst du die Leute wirklich nur noch mit Haftstrafen abschrecken und bestrafst sie wie Schwerverbrecher. Weil Sperren reichen ja scheinbar nicht mehr. Wir haben schon zu oft gesehen, dass die, die zurückkommen, nach Sperren teilweise wiederdopen", sagte die 42-Jährige aus Steinbach-Hallenberg.

Kati Wilhelm
Kati Wilhelm arbeitet inzwischen als TV-Expertin für die ARD (Archiv). Bildrechte: rbb/Gundula Krause

In der Woche nach den Enthüllungen in Österreich beginnt am Donnerstag im schwedischen Östersund die Biathlon-WM. "Ich hoffe nicht, dass Biathlon betroffen ist. Aber natürlich muss jetzt erstmal das gefundene Material weiter gesichtet werden und wie man sagt, werden noch weitere Beteiligte vermutet", sagte Wilhelm: "Wenn, dann wünsche ich mir eine rasche Bekanntgabe, möglichst noch vor der WM. Jetzt sind tiefgründige Untersuchungen und Handeln notwendig."

An systematisches Doping in Deutschland glaubt die Thüringerin nicht. "Ich glaube, wenn in Deutschland jemand dopt, sind es Einzelfälle. Dann ist das eine Sache, wo der Sportler für sich diesen Schritt geht, weil er keine andere Möglichkeit sieht und um jeden Preis den Erfolg sucht", sagte die fünfmalige Weltmeisterin, die als TV-Expertin für die ARD arbeitet.

cdi/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 04. März 2019 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. März 2019, 09:47 Uhr

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20 Kommentare

05.03.2019 17:13 MaMo 20

Ich finde es zwar traurig aber letztendlich so denke ich betreiben weltweit fast alle irgendwelche Formen des Dopings da das Leistungspenzum für einen normalen Athleten nie und nimmer erreichbar ist. Und Mark ist ein sehr guter Arzt den ich seit vielen Jahren kenne. Jetzt wird natürlich ein Sündenbock gesucht was leider der Arzt ist und die hohen Herren hüllen sich in Schweigen und Ahnungslosigkeit.

05.03.2019 16:52 Kokolores 19

@18:
Ich bin gespannt, ob Frau Geipel irgendwann den Mumm hat, öffentlich zu erklären, dass sie seinerzeit höchstselbst Rolf Beilschmidt um Rat gefragt hat, wie sie vom betreuenden Arzt noch bessere Mittel bekommt, um noch schneller zu werden. Außerdem: Was bitte haben Rolf Beilschmidts Verfehlungen im DDR-Staatsdoping von vor 40 Jahren mit dem aktuellen Fall zu tun? Eine Frage, die ich auch dem Verfasser dieses Artikels gerne stellen würde...

05.03.2019 15:22 Johannes 18

Total unverständlich für uns ist, daß der LSB-Hauptgeschäftsführer Beilschmidt dieses Amt haben darf, obwohl er Stasi-Spitzel war und Frau Geipel verriet. Wenn solche Leute so weit oben sitzen, kein Wunder für Doping, die hatten damals kein Gewissen und heute auch nicht!!!

05.03.2019 14:42 Alle, aber nicht ich 17

Für mich stehen alle unter Generalverdacht die bei großen Sportereignissen auf dem Siegertreppchen stehen. Sollen sie doch machen, aber meinen Respekt haben die wenigsten. Aber ein Michael Edwards (Eddie the eagle) ist für mich ein ganz großer Sportler gewesen.

05.03.2019 14:27 peter 16

Jetzt beginnt die Biathlon WM! Da kommt schon Vorfreude auf.
Aber bitte nicht immer und wieder der böse Russe!!!

05.03.2019 13:18 Ohje 15

Doping bleibt Doping, egal aus welcher Motivation heraus es getan wird. Nur beim bösen russischen Bären ist es etwas anderes. Dort gibt es keine Gegenden wo von September bis April Schnee liegt.

05.03.2019 10:12 Weber Jo 14

Vieleicht hätte man vor x Jahren doch besser auf Harald "Toni" Schuhmacher hören sollen,oder müßen,anstatt ihm aus der Fußball Nat.Mannschaft zu schmeißen,dann wäre es wo möglich nicht soweit gekommen

05.03.2019 08:57 Nordlicht 13

@Merseburger: Solange es in Russland keine unabhängigen Dopingkontrollen gibt gehört Putins Reich aufs Abstellgleis.
@ Zehen: Eine Anmerkung zu Norwegen. Wenn Sie dem Kommentator des 30 km-Laufes zugehört hätten, dann wüssten Sie, dass es in Norwegen tausende von jungen Talenten gibt. In dem kleinen, unbedeutenden, nordnorwegischen Kuhdorf Hatteng beispielsweise, in dem ich 11 Jahre lang gelebt habe, gibt es ca. 300 Jugendliche, die Skilanglauf machen, weil dort von Ende September bis Anfang April Schnee liegt. In Norwegen gibt es tausende solcher Dörfer und tausende Talente. Der Kommentator sagte sinngemäß: "Woher sollen die jungen deutschen Talente kommen, wenn kein Schnee liegt?" Ich halte es mit Jochen Behle, der gesagt hat: "Die Norweger haben es gar nicht nötig zu dopen!" - Außerdem gibt es in Norwegen unabhängige Dopingkontrollen.
Ansonsten stimme ich Ihnen zu, was den Spitzensport angeht. Helfen wird wohl nur ein Fernsehboykott.

05.03.2019 07:29 Bombassei 12

Hallo,
Und wieder einmal ist es passiert. Bin mal gespannt wann ARD und ZDF den Weissen Sport aus dem Fernsehprogram verbannen,siehe Radsport.Ich finde es schade wie Naiv auch heute noch Menschen sein können die denken es werde nicht gedopt, egal ob Leichtathletik,Fussball oder sonstige Sportarten.Leider ist es selbst im Privatbereich nicht mehr wegzudenken.Also lasst sie doch machen,ist ihre Gesundheit. Und die verlogene Politprominenz sollte besser auch Schweigen, denn die fördern das ganze auch noch.

05.03.2019 00:39 Zehen 11

Entschuldigt bitte aber ich finde uns Deutsche einfach nur heuchlerisch. Wir zeigen mit dem Finger nach Russland wegen dem Staatsdoping. Aber mal kurz nachgedacht. Norwegen gewinnt fasst jede Disziplin bei der Weltmeisterschaft im Langlauf. Obwohl die bösen Russen alle Dopen. Jeder der den 30 Kilometer Langlauf der Damen gesehen hat der denke ich weiss wovon ich Rede. Dann sollen sie es doch für alle frei wählbar machen ob sie dopen wollen oder nicht. Jeder der den Spitzensport im TV verfolgt und der ehrlich zu sich selber ist der weiss das man immer auch gedopte Sportler sehen wird. In allen Ausdauerdisziplinen des Sports (Radfahren, Skilanglauf, Biathlon und ja auch in unserem geliebten Fussball) werden wir dies immer wieder sehen. Der Mensch ist nun mal so