Doping | "Operation Aderlass" Anwälte von Mark Schmidt legen Revision ein - Staatsanwaltschaft verzichtet

Wie angekündigt hat die Verteidigung des Erfurter Sportmediziners Mark Schmidt Revision gegen das Urteil im Prozess rund um die "Operation Aderlass" eingelegt. Die Staatsanwaltschaft verzichtete hingegen auf eine Revision. SPD-Politikerin Dagmar Freitag, Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag, begrüßte im MDR-Interview das Strafmaß gegen Schmidt.

Mark Schmidt (Mitte) im Gespräch mit seinen zwei Anwälten hinter Plexiglas im Gericht.
Mark Schmidt (Mi.) und seine Anwälte Bildrechte: MDR/Marcus Scheidel

Nach der Verurteilung des Erfurter Sportmediziners Mark Schmidt im Dopingprozess um die "Operation Aderlass" haben dessen Verteidiger Revision eingelegt. Dies bestätigte das Landgericht München II nach dem Ablauf der Frist auf SID-Anfrage. Argumentiert wird mit einem "erheblichen Verstoß" gegen den Grundsatz eines fairen Verfahrens. Doping sei im Leistungssport fest verankert. Sein Anwalt Juri Goldstein hatte in einer E-Mail geschrieben, dass das Landgericht die Chance vertan habe, "einen wertvollen Einblick in die "verborgene" Welt des Sports zu erhalten, indem Sie dem Bestrafungsbedürfnis der Öffentlichkeit und Staatsanwaltschaft nachgegangen ist" und den Blick auf Wesentliches verloren habe, nämlich das "Insiderwissen" des Angeklagten.

Zu vier Jahren Haft verurteilt

Damit geht die juristische Auseinandersetzung vor dem Bundesgerichtshof in Karlsruhe weiter. Schmidt war am 15. Januar wegen Verstößen gegen das Anti-Doping-Gesetz und wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Haftstrafe von vier Jahren und zehn Monaten verurteilt worden. Zudem erhielt er drei Jahre Berufsverbot und eine Geldbuße in Höhe von 158.000 Euro. Auch die vier Mitangeklagten von Schmidt wurden verurteilt, unter anderem zu Bewährungs- und Geldstrafen.

Staatsanwaltschaft verzichtet auf Revision

Die Staatsanwaltschaft verzichtet indes auf eine Revision. Dies erklärte Oberstaatsanwalt Kai Gräber in einem Interview der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Dienstagsausgabe). "Mit ein wenig Abstand dazu kann ich sagen, dass die Staatsanwaltschaft nicht in Revision gehen wird. Das Urteil ist zwar bei allen Angeklagten ein bisschen unter den Anträgen der Staatsanwaltschaft geblieben, aber nicht in einem Umfang, der unangemessen erscheint", sagte Gräber der "FAZ". Die Vorsitzende Richterin habe in ihrer Urteilsverkündung die richtigen Worte gefunden. Es gebe keinen Grund, Revision einzulegen.

Bundesgerichtshof Karlsruhe
Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe Bildrechte: imago images/Gutschalk

Sportausschussvorsitzende Freitag: "Strafe gerechtfertigt"

Dagmar Freitag, die Vorsitzende im Sportausschuss des Bundestags, sagte im "SpiO-Talk" des MDR am Montag (25. Januar): "Hier ist sehr deutlich geworden, mit welch kriminellen Strukturen wir es im Sport zu tun haben. Die Strafe für Herrn Schmidt ist absolut gerechtfertigt." Die SPD-Politikerin findet das 2015 eingeführte Anti-Doping-Gesetz eine richtige Waffe im Kampf gegen Doping: "Jeder Spitzenathlet, der sich entschließt zu dopen, weiß, was er tut. Seitdem es ein Anti-Doping-Gesetz gibt, weiß er aber ebenso, dass er sich vor einem Gericht wiederfinden kann."

Darüber hinaus bekräftigte Freitag ausdrücklich jenes Vorhaben der Regierungskoalition, alsbald eine speziell auf den Dopingbereich "zugeschnittene Kronzeugenregelung" in das Gesetz mit aufzunehmen, um Athletinnen und Athleten, die sich "aktuell selber beschuldigen würden, einen Anreiz zur Aussage zu bieten".

Dagmar Freitag 9 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Mo 25.01.2021 16:12Uhr 09:22 min

https://www.mdr.de/sport/sport-im-osten/video-doping-mark-schmidt-operation-aderlass-dagmar-freitag-100.html

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Razzien im Februar 2019

Am 27. Februar 2019 fanden im Rahmen der "Operation Aderlass" Razzien bei der nordischen Ski-WM in Seefeld und in Deutschland statt. Insgesamt verwickelt waren 23 Sportler aus acht Ländern. Betroffen waren unter anderem prominente Sportveranstaltungen wie die Olympischen Spiele 2014, 2016 und 2018, die Tour de France 2018, der Giro d'Italia 2016 und 2018, die Vuelta 2017, die nordische Ski-WM 2017 sowie weitere diverse Radrundfahrten und Wintersportveranstaltungen.

sid/dpa/cke

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 25. Januar 2021 | 14:00 Uhr

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