Beutel mit Eigenblut
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Doping | Operation Aderlass Erfurter Ex-Eisschnellläufer Robert L. soll Kunde von Mark Schmidt gewesen sein

Im Erfurter Doping-Skandal ist nun der erste deutsche Sportler namentlich bekannt. Es handelt sich um den früheren Eisschnellläufer des ESC Erfurt, dreimaligen Olympiateilnehmer und jetzigen Stützpunkttrainer Robert L.

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Der erste in die "Blutdoping-Affäre" verwickelte deutsche Olympiastarter ist nach den Dopingrazzien von Seefeld und Erfurt Ende Februar nun namentlich bekannt geworden. Es soll sich nach Recherchen der MDR-Sendung "Sport im Osten" und des "RBB Sport" um den heutigen Olympiastützpunkttrainer in Berlin, Robert L., handeln. Der 35 Jahre alte ehemalige Eisschnellläufer soll in seiner aktiven Zeit bei Mark Schmidt in Behandlung gewesen sein. Er gehörte auch zur deutschen Olympiamannschaft 2006, 2010 und 2014 sowie zur Trainingsgruppe von Olympiasiegerin Claudia Pechstein.

Drehgenehmigung in Kienbaum entzogen

Die Identität des Betroffenen wurde am Dienstag am Rande einer Trainertagung der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft in Kienbaum bei Berlin bekannt. Der MDR hatte als redaktioneller ARD-Federführer Eisschnelllauf interne Informationen aus dem Verband über die des Eigenblutdopings verdächtigte Person erhalten und versuchte, den Verband mit den Recherchen zu konfrontieren. Eine allgemeine Drehgenehmigung in Kienbaum wurde erteilt, wenig später aber wieder entzogen und darauf hingewiesen, dass die DESG darum bittet, "von einer Berichterstattung Abstand zu nehmen". Ob der Verband Kenntnis über die Personalie Robert L. hatte, ist nicht bekannt.

Der Berliner Rechtsanwalt Christopher Sell wollte Ermittlungen gegen seinen Mandanten nicht bestätigen. Die Nationale Anti-Doping Agentur Deutschland (NADA) gab auf MDR-Anfrage folgende Reaktion: "Die NADA kann derzeit zu dem Sachverhalt inhaltlich nichts sagen. Es bleibt dabei:  Wir prüfen mögliche Verstöße gegen Anti-Doping-Bestimmungen aufgrund der Erkenntnisse der 'Operation Aderlass'. Sollten sich daraus Erkenntnisse ergeben, die Verstöße gegen Anti-Doping-Bestimmungen deutscher Athletinnen und Athleten nicht ausschließen, werden wir entsprechende Disziplinarverfahren vor dem Deutschen Sportschiedsgericht einleiten", erklärte NADA-Kommunikationsleiterin Eva Bunthoff.

Erfurter Arzt weiter in U-Haft

Der Erfurter Arzt Mark Schmidt sitzt weiterhin in Untersuchungshaft in München und hat angeblich unter anderem Robert L. belastet. Schmidt und Robert L. sollen sich aus gemeinsamen Erfurter Zeiten kennen. Bekannt ist, dass insgesamt mindestens 21 Sportler aus 8 Nationen bei Sportmediziner Schmidt Blutdoping praktiziert haben sollen. Auslöser der staatsanwaltlichen Ermittlungen war der Film "Die Gier nach Gold" der ARD-Dopingredaktion um Hajo Seppelt im Januar. Der ehemalige österreichische Langläufer Johannes Dürr hatte in diesem Film Blutdoping zugegeben und dadurch die Razzien bei der Ski-WM in Seefeld/Österreich und in Erfurt ausgelöst. Dabei waren Schmidt und seine Komplizen sowie aktive Sportler festgenommen worden.

red

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 09. April 2019 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. April 2019, 21:21 Uhr

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15 Kommentare

11.04.2019 09:12 martin 15

@12 rudimeter: Die Verbandsfunktionäre hatten doch mit Sicherheit noch nicht einmal die Idee eines Verdachts ...

11.04.2019 08:50 @8 14

Schön, dass sie jetzt endlich wissen, wer der doper ist. Vor drei Wochen haben sie Dank der von ihnen gewählten sekundärliteratur den Sportler geisreiter als mutmaßliche dopingsünder beschuldigt. Haben sie dich dafür schon entschuldigt?
Es spricht für sich, dass sie ein olympiabüchlein besitzen, welches von der nach wie vor nicht geständigen, aber längst nachgewiesen doping-olympiasiegerin Otto mitverfasst wurde.
Klingt ja irgendwie scheinheilig.

10.04.2019 15:53 insider 13

Schon erstaunlich was manche so auf sich nehmen.
@12: So sieht Framing ala mdr aus. Die Headline soll genau Ihren letzten Satz suggerieren, obwohl der Mann seit Jahren in Berlin ist.

10.04.2019 14:45 Rudimeter 12

Mir fällt da nur eins ein : vom Dopingsünder ? zum Stützpunkttrainer . Was da im deutschen Sportverbänden so alles möglich ist . Aber es waren ja ostdeutsche Sportler ?

10.04.2019 10:48 DDay 11

Platz 27 in Sotchi auf 1.500 Meter. Klasse! Dafür einem Blutpanscher für viel Geld in die Arme geworfen.

10.04.2019 10:47 DDay 10

Der Kollege L. ist auch noch in Sotchi 1.500 Meter gelaufen (siehe Wikipedia). War nicht allzu schwer herauszufinden, als es hieß "deutscher Eisschnellläufer und Olympiateilnehmer" und Beckert und Co. im Morgenmagazin von einem "ehemaligen Kollegen" sprachen.

10.04.2019 08:47 na so was 9

Es ist doch ganz einfach, 6@ und 7@ Gerald, wir alle wissen doch, dass nur die ausländischen Sportler dopen ! Deshalb z.B. laufen in der Leichtathletikwelt die Damen jahrzehntelang an einem Weltrekord im 400 m Lauf um Sekunden hinterher.

10.04.2019 07:37 na so was 8

Ein vierter Versuch von mir, es sind genügend Punkte im Bericht erwähnt, so dass man zu 100% herausfinden kann, wer sich hinter Robert L. in Wirklichkeit ist. Einfach das "Olympiabuch 2010 Vancouver von Heinz-Florian Oertel und Kristin Otto aus dem Verlag Das neue Berlin" auf Seite 235 aufschlagen, unter L findet man als einzigen deutschen Eisschnellläufer, Herrn Lehmann, dessen Nachnahme mit L beginnt. Er ist geboren am 09.01.1984, das stimmt wieder rum mit der Angabe seines Alters überein, 35 Jahre. Warum wird der vollständige Name dieses Blutdopingsünders verheimlicht ? Ich bin mir sicher, bei einem russischen Sportler wäre das so nicht gelaufen. Ich würde mich freuen, wenn dieser vierte Versuch von mir an MDR.DE gesendet und veröffentlicht wird. Oder denken Sie, mit Ihrer Heimlichtuerei wird dieser ehemalige Sportler vor der Aufklärung geschützt ? Das Gegenteil ist der Fall, am Ende ist MDR.DE der Wahrheitsverhinderer.

10.04.2019 07:32 Gerald 7

Komisch! Ich habe noch nie eine Abkürzung bei dem Namen in den Medien gelesen, der unter Dopingverdacht steht, wenn es um einen ausländischen Athleten gehandelt hat! Kann mir das einer mal erklären, warum dies so ist?

10.04.2019 07:29 Gerald 6

Komisch! Ich habe noch nie eine Abkürzung bei dem Namen in den Medien gelesen, der unter Dopingverdacht steht, wenn es um einen ausländischen Athleten gehandelt hat! Kann mir das einer mal erklären, warum dies so ist?