Doping | Prozess in München Prozess gegen Erfurter Arzt: Urteil am 15. Januar erwartet

Im Doping-Verfahren gegen den Mediziner Mark Schmidt droht sich in die Länge zu ziehen. Nach einigen Verzögerungen und zähen Verhandlungstagen soll das Verfahren gegen den Erfurter Arzt am 15. Januar zu Ende gehen. Dann ist vor dem Landgericht München II eine Urteilsverkündung geplant, wie die Strafkammer am am Freitag mitteilte. Mark Schmidt und sein Helfer Dirk Q. wollen indes nach mehr als eineinhalb Jahren Untersuchungshaft vor den Weihnachtsfeiertagen auf freien Fuß gesetzt werden.

Ein mann mit rosa Hemd und blauem Mundschutz steht zwischen zwei Anwälten.
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Im Doping-Prozess gegen den Erfurter Mediziner Mark Schmidt und vier Mitangeklagte soll am 15. Januar ein Urteil fallen. Das kündigte das Landgericht München am Freitag an. "Das wäre der Masterplan, den ich in den Raum werfe", sagte die Vorsitzende Richterin Marion Tischler, nachdem sich die Strafkammer am Mittwochnachmittag bereits mit den Anwälten der Angeklagten und Staatsanwalt Kai Gräber nicht-öffentlich beraten hatte.

Marion Tischler (2.v.r.), Vorsitzende Richterin des Oberlandesgerichts München II, steht mit ihrer Kammer zum Auftakt eines Prozesses wegen des Verdachts des Verstoßes gegen Arzneimittel- und Dopinggesetze hinter Schutzscheiben.
Laut Marion Tischler (2.v.r.), Vorsitzende Richterin des Oberlandesgerichts München II, soll das Urteil am 15. Januar 2021 fallen Bildrechte: dpa

Zeugen verweigerten Aussagen

Das größte Dopingverfahren in Deutschland seit Inkrafttreten des Anti-Doping-Gesetzes 2015 war zuletzt etwas ins Stocken geraten. Viele Zeugen aus Österreich, Estland und der Schweiz verweigerten ihr Kommen, meist wurde Corona als Grund angegeben. Um auf Nummer sicher zu gehen, blockte das Gericht schonmal Termine bis Juni 2021. Nun aber geht es doch schneller. Bei einer nicht-öffentlichen Beratung der Richter, Verteidiger und des Staatsanwalts Kai Gräber erklärten sich alle Anwälte bereit, auf persönliche Befragungen von noch neun ausstehenden Zeugen - darunter sieben Sportlern - zu verzichten. Stattdessen sollten von jenen Zeugen frühere Aussagen verlesen werden. Dadurch können jene Athleten zwar nicht mit teils widersprüchlichen Angaben konfrontiert werden. Der Prozess aber wird beschleunigt - der Drang nach einem Verfahrensende wächst ohnehin.

Plädoyers am 8. Januar

Der ursprünglich anvisierte Urteilstermin am 21. Dezember ist aber nicht zu halten. Nächste Woche steht der Abschluss der Beweisaufnahme an, nach der Weihnachtspause sind für 8. Januar die Plädoyers geplant. Und eine Woche später dürfte dann feststehen, mit welchen Urteilen dieser Prozess abgeschlossen wird, von dem sich die Anti-Doping-Kämpfer in Deutschland ein deutliches Signal erhoffen.

Mehrjährige Haftstrafe

Beim Hauptangeklagten Schmidt rechnet das Gericht mit einer Haftstrafe von viereinhalb bis fünfeinhalb Jahren; seine Anwälte visierten bei dem nicht-öffentlichen Gesprächstermin dreieinhalb bis viereinhalb Jahre an. Fünf Jahre seien "definitiv zu viel", sagten sie nach Angaben von Richterin Tischler. Es gab keine Einigung. Anders als der Mediziner hat dagegen dessen Helfer Dirk Q. das Ende seiner Gefängniszeit vor Augen. Er sitzt seit 18. März 2019 in Untersuchungshaft. In der Vergangenheit hatte es bereits Proteste der Anwälte wegen der ungewöhnlich langen Dauer der Haft gegeben. Schmidt befindet sich seit 27. Februar 2019 und den Razzien bei der nordischen Ski-WM sowie in seiner Wohnung und Praxis in Erfurt in Haft. Die drei anderen Mitangeklagten sitzen nicht in U-Haft - sie müssen sich im Januar auf Bewährungs- oder Geldstrafen einstellen.

Praxis Dr. Mark Schmidt in Erfurt
Die Praxis von Dr. Mark Schmidt in Erfurt Bildrechte: imago images/Karina Hessland

Schmidt und Dirk Q. wollen aus U-Haft

Schmidt und sein Helfer Dirk Q. wollen nun vor den Weihnachtsfeiertagen auf freien Fuß gesetzt werden. Der Erfurter Arzt und Hauptangeklagte dürfte dem Vernehmen nach aber kaum Chancen haben, dass der Anregung seiner Anwälte vom Landgericht gefolgt wird. Der Thüringer Bauunternehmer Q. dagegen kann auf den Jahreswechsel in Freiheit hoffen.

dpa

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 09. Dezember 2020 | 17:45 Uhr

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