Turnen Turnerbund zu Vorwüfen gegen Frehse: "Waren vielleicht zu wenig sensibel"

Hat der Deutsche Turner-Bund die vorgeworfenen Missstände am Chemnitzer Bundesstützpunkt nicht ernst genug genommen? Präsident Alfons Hölzl bestätigte im Deutschlandfunk, von den Vorwürfen gewusst zu haben. Es habe einen Konflikt zwischen zwei Turnerinnen und einer Trainerin gegeben und konkrete Maßnahmen seien eingeleitet worden.

Dr. Alfons Hölzl, Präsident Deutscher Turnerbund
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Die im "Spiegel" geäußerten Vorwürfe gegen Gabriele Frehse seien aber eine "neue Dimension". Da sei man "vielleicht zu wenig sensibel" gewesen. "Wir müssen den Sachverhalt aufarbeiten und wenn nötig, Konsequenzen ziehen." Der DTB habe zudem Kontakt zu den bestreffenden Turnerinnen aufgenommen. Man suche das persönliche Gespräch. "Wir nehmen die Vorwürfe sehr ernst. Wir haben eine Rechtsanwaltskanzlei beauftragt, die mit psychologischer Begleitung die Vorwürfe untersuchen soll", so Hölzl. Man gehe davon aus, dass in zwei Wochen erste Ergebnisse vorliegen.

Frehse, seit 40 Jahren Trainerin, wurde zunächst für alle DTB-Trainings- und Wettkampfmaßnahmen suspendiert. Auch zum Schutz der Trainerin, wie Hölzl betonte. Über mögliche arbeitsrechtliche Maßnahmen müsste der Olympiastützpunkt in Chemnitz entscheiden, wo die Trainerin angestellt ist.

Gabi Frehse und Pauline Schäfer
Nach WM-Gold 2017 - Gabi Frehse (li.) und Pauline Schäfer tragen sich ins Goldene Buch der Stadt Chemnitz ein. Bildrechte: imago images / HärtelPRESS

Frehse und Schäfer: Trennung 2018

Im September 2018 hatten Frehse und die Weltmeisterin auf dem Schwebebalken, Pauline Schäfer, nach sechs Jahren ihre Zusammenarbeit beendet. Damals hieß es, es gebe unterschiedliche Ansichten über die fachliche Gestaltung die Umsetzung von Trainingsinhalten. Schäfer sprach damals von "neuen Trainingsreizen". Sie blieb beim Bundesstützpunkt in Chemnitz, wechselte zu Ulla Koch, wird seit einem Jahr von Kay-Uwe Temme trainiert. Bei der EM und WM 2019 verpasste die Weltmeisterin von 2017 eine Medaille.

Sophie Scheder: "Gabi war Bezugsperson und Ersatzmama"

Sophie Scheder freut sich mit Heimtrainern Gabi Frehse über die Medaille
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Ihre damalige Teamkollegin Sophie Scheder ist weiterhin bei Gabi Frehse und äußerte sich ob der massiven Anschuldigungen enttäuscht: "Ich bin seit meinem elften Lebensjahr in Chemnitz und für mich war und ist Gabi immer Bezugsperson wie auch Ersatzmama." Die Anweisungen habe es sicher auch mal in einem anderen Tonfall gegeben. "Natürlich ist es im Leistungssport so, dass auch mal ein bisschen der Ton verschärft wird und man angetrieben wird, aber nur so kann man letztendlich erfolgreich sein", so Scheder bei "MDR Sachsen".

Heftige Vorwürfe gegen Frehse

Im Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" hatten Schäfer sowie fünf weitere Athletinnen Gabi Frehse beschuldigt, Psychoterror ausgeübt zu haben. Auch seien verschreibungspflichtige Medikamente ohne ärztliche Absprache verabreicht worden. Frehse bestreitet die Vorwürfe, betrachtet sie als "haltlos" und will über einen Anwalt dagegen vorgehen. .

eine Trainerin während des Trainings 3 min
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Sport im Osten Sa 28.11.2020 16:30Uhr 03:09 min

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red/sid

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 28. November 2020 | 16:30 Uhr

2 Kommentare

MeyerZwo vor 45 Wochen

Für mich bleiben in Zusammenhang mit den Vorwürfen an Frau Frehse und Fragen offen :
a.) Warum suchen die beiden Schäferschwestern jetzt den Weg über den SPIEGEL, wo doch im Jahre 2018 eine Klärung mit den Beteiligten in Chemnitz stattgefunden hat und akzeptiert wurde? Durch die Entscheidung an die Boulevardpresse zu gehen, kann es nur Verlierer geben, insbesondere der Turnsport in Gänze.
b.) Warum wurden die Trainingsbedingungen, wenn sie denn so schlecht sind, so lange hingenommen, zumindest so lange wie der sportliche Erfolg andauerte ?
c.) Warum haben die Eltern der Schäferschwestern nicht reagiert, sondern im Gegenteil die jüngere Schwester auch noch am OSP Chemnitz angemeldet? Haben sie von den behaupteten extremen psychischen Belastungen der älteren Tochter nichts gewusst? Im Selbstmarketing der Familie gewinnt man den Eindruck als bestünde ein vertrauensvolles Verhältnis untereinander.

Inge P. vor 45 Wochen

Ich werde vom anderen Elternteil immer zurechtgestutzt, wenn ich verbal nicht die richtige Wortwahl bei unserem Sohn treffe. Du weißt doch der ist ein bisschen Sensibel ... Nun ja, da erinnere ich mich an meine Zeit im Trainingszentrum. Heute würde man sagen, das war Mobbing. Aber wer selbst sagt mal Regionalliga spielen zu wollen, sorry Fußballer (!) , der muss auch lernen mal einzustecken. Und schlechte Leistung im Spiel, darf man auch mal derber ansprechen. Trotzdem bleibt er doch der über alles zu liebende kleine König. Klar ist, in Chemnitz muss aufgeklärt werden, was vorgefallen ist. Ohne aber.