Turnen "Vollstes Vertrauen" - Eltern und Trainerteam stärken Frehse den Rücken

Im Zuge der Vorwürfe gegen Gabriele Frehse haben sich nun auch Eltern der am Bundesstützpunkt trainierenden Athletinnen zur Thematik geäußert. In einer gemeinsamen Stellungnahme mit dem Trainerteam wurden die gegen Frehse erhobenen Anschuldigungen nicht bestätigt. Gleichzeitig wurde der Trainerin das Vertrauen ausgesprochen.

Gabi Frehse
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Seit mehrere Spitzenturnerinnen am 27. November im Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" schwere Vorwürfe gegen die Chemnitzer Olympiastützpunkttrainerin Gabriele Frehse erhoben haben, steht der Deutsche Turnsport massiv im Fokus. Nachdem Frehse in einem Interview mit dem MDR die Anschuldigungen zurückgewiesen hatte, haben sich nun auch Eltern der am Bundesstützpunkt trainierenden Athletinnen und das Trainerteam des Bundesstützpunkts zur aktuellen Debatte geäußert.

"Bewusst für Chemnitz entschieden"

In einer gemeinsamen Stellungnahme mit dem TuS Chemnitz-Altendorf vom Samstag (5. Dezember) erklärten die Beteiligten: "Gemeinsam mit unseren Kindern haben wir uns ganz bewusst für den Bundesstützpunkt Chemnitz entschieden. Zum einen, wegen einer hervorragenden Infrastruktur […], vor allem jedoch wegen Gabi Frehse an der Spitze eines Trainerteam, die weit mehr leistet, als man es von einem Trainer erwarten darf."

Lob für Kommunikation mit Frehse

In Auszügen werden zudem Stimmen der Eltern zitiert. Darin heißt es unter anderem: "Wir … haben zu keiner Zeit, dass seelische oder leibliche Wohl unserer Tochter in Gefahr gesehen. Seit sie im Sportforum trainiert, konnten wir eine große persönliche Entwicklung feststellen und sind den Trainern sowie dem Verein sehr dankbar. …" In einem weiteren Statement heißt es: "Gabi hat unser vollstes Vertrauen und die volle Unterstützung wie bisher weiter zu machen. Die Kommunikation zwischen Gabi und uns ist immer hervorragend gewesen, unser Kind hat mit uns täglich gesprochen was Sie im Training erlebt hat […]. Es sind niemals irgendwelche Dinge vorgefallen, die uns hätten misstrauisch erscheinen können."

Eine Medikamentenvergabe wurde immer mit uns Eltern bzw. mit einem Arzt abgesprochen.

Keine unabgesprochene Medikamentenvergabe

Neben Einschüchterung, mentaler Schikane und Training unter Schmerzen berichteten die Athletinnen in dem Artikel des "Spiegels" auch von der Einnahme verschreibungspflichtiger Medikamente. Auch dieser Vorwurf wurde von den Eltern nicht bestätigt. "Unsere Tochter hat niemals ohne unsere Zustimmung Medikamente verabreicht bekommen. […] Hatte unsere Tochter Schmerzen, wurden kurzfristig Arzttermine vereinbart, um deren Ursache zu klären und Abhilfe zu schaffen". Weiter heißt es: "Eine Medikamentenvergabe wurde immer mit uns Eltern bzw. mit einem Arzt abgesprochen. Unsere Tochter möchte auch weiterhin bei Frau Frehse am Stützpunkt in Chemnitz trainieren. …"

Auch Trainerteam verteidigt Frehse

Insgesamt äußerten sich 24 Eltern bzw. Erziehungsberechtigte zu den Vorwürfen. Die Stellungnahme wurde zudem von allen 13 Trainern und Mitarbeitern des TuS Chemnitz-Altendorf erarbeitet. Um weitere "Anfeindungen" zu vermeiden, wurden die Namen der Eltern und Trainer nicht veröffentlicht. Gleichzeitig betonten die Autoren, zu den im "Spiegel" erhobenen Vorwürfen keinerlei Aussagen treffen zu können, "da niemand von uns diese persönlich miterlebt hat."

DTB-Untersuchung wird begrüßt

In einem abschließenden Statement wird Gabriele Frehse als "begeisterte Cheftrainerin" beschrieben, "die allen ihr anvertrauten Athleten sehr professionell begegnet und mit höchstem Einsatz versucht, die persönliche sportliche Verwirklichung einer jeden Turnerin im Spitzensport zu unterstützen." Darüber hinaus wird die vom Deutschen Turner-Bund (DTB) geplante unabhängige Untersuchung zu den Vorwürfen begrüßt und unterstützt. Man gehe davon aus, "Gabi Frehse wieder bei ihrer Arbeit in der Halle zu sehen."

red

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Sportblock | 16. Dezember 2020 | 13:40 Uhr

2 Kommentare

Beri vor 41 Wochen

Lieber MeyerZwo, in wenigen Wochen/Monaten werden wir wissen, was wirklich dahinter steckt. Ich wage es anzuzweifeln, daß diese Wunden in absehbarer Zeit heilen werden. Denken Sie bitte einige Jahre zurück und an eine Trainerfrage im Skispringen.
Viele Grüße und noch einen schönen Abend

MeyerZwo vor 41 Wochen

Gut, dass jetzt auch ein Statement der Eltern und des Trainerteams veröffentlicht wurde. So wird deutlich, dass es auch andere Sichtweisen von Menschen gibt, die ebenfalls jeden Tag in den Bezügen arbeiten bzw. trainieren. Der angerichtete Schaden durch das Vorpreschen über die Presse ist, meiner Meinung nach, jedoch immens und es wird eine Herkulesaufgabe sein, hier die Wunden wieder heilen zu lassen. Denken wir nur an das Turn-Team Deutschland. Da sollen Turnerinnen wieder zusammenfinden, die jetzt in Bezug auf die Arbeit am OSP Chemnitz diametral unterschiedliche Haltungen einnehmen. Aus meiner Sicht ist es so bedauerlich, dass die 14 Turnerinnen, die sich jetzt öffentlich äußern, nicht an die Präventionsbeauftragten des DTB gewendet haben, um professionelle Unterstützung zu erhalten. Sollte es zu Traumatisierungen -auch unbeabsichtigt- gekommen sein, so liegt die nachhaltige Lösung sicher nicht in Presseveröffentlichungen.