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EnergiekriseEnergie-Lockdown bedroht sächsischen Eissport

von Tycho Schildbach und Peer Vorderwülbecke

Stand: 16. September 2022, 20:09 Uhr

Auf allen politischen Ebenen wird die Zukunft des sächsischen Eissports diskutiert. In Chemnitz erkämpften die Vereine derweil einen kurzzeitigen Kompromiss mit der Stadt.

"Wir wollen Eis! Wir wollen Eis!" riefen Eissportlerinnen und -sportler der Chemnitzer Sportbürgermeisterin, Dagmar Ruscheinsky, entgegen. Für Ruscheinsky und andere politische Entscheidungsträger stand vor einem Eissport-Krisentreffen am Dienstag ein zweiter Kraftakt an: Der Gang durch ein lautstarkes Spalier Chemnitzer Sporttreibender.

Der „Energie-Lockdown“ droht

Es kocht im sächsischen Eissport. Über 4.000 Mitglieder sächsischer Eissportvereine bangen. Denn nach dem überstandenen Corona-Lockdown, droht nun ein "Energie-Lockdown". Die Kosten für die Instandhaltung von Eisflächen überfordern viele Kommunen, die meist die Eishallen finanzieren. Die Lage sei nicht nur kritisch, sondern existenziell bedrohend für den Eissport, meint Lutz Michel, Präsident des Sächsischen Eissportverbandes gegenüber "Sport im Osten".

Wer soll zahlen?

Im Schönheide entschied die Stadt bereits, die Vereisung der Eisfläche auf Ende September zu verschieben. Der Sprecher der betroffenen Eishockey-Mannschaft "Schönheider Wölfe", Markus Gläß, spricht von einer "Katastrophe" für die Saisonvorbereitung.

In Chemnitz sollte eine Trainingsfläche gar nicht mehr vereist werden. Dann bliebe den Vereinen nur noch die Eisfläche der Haupthalle. Bei einem Umsatz von 2,5 Millionen Euro erwartet die Stadt im Jahr 2023 zusätzliche Energiekosten von 700.000 Euro. Der Eishallenbetreiber "EFC GmbH", eine Tochter der Stadt Chemnitz, droht der finanzielle Genickbruch.

Die Gretchenfrage lautet: Vereine, Kommunen, Land oder Bund, wer soll zahlen?

Der Stresspegel steigt

Beim Chemnitzer Krisentreffen einigten sich Kommune und Vereine auf einen Kompromiss. Zumindest bis Ende des Jahres soll die Chemnitzer Trainingsfläche nun doch vereist werden.

Und danach? Sportbürgermeisterin Dagmar Ruscheinsky weiß es nicht. Bei der Lösungssuche richtet sich Ruscheinskys Blick in Richtung Land und Bund: "Alleine werden es die Kommunen nicht schaffen", sagt sie.

Auf den Gängen kommunaler Verwaltungsgebäude steigt der Stresspegel. Die Energiekrise trifft den Sport hart. Das belegt auch ein Krisentreffen von Vertretern der Städte und Kommunen im sächsischen Innenministerium am Donnerstagabend – noch ohne Verlautbarung. Es deutet sich an, dass vor allem der Bund in der Verantwortung gesehen wird.

"Sport stiefmütterlich behandelt"

Unterstützung kommt unter anderem von André Hahn aus dem Wahlkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Hahn sitzt für "Die Linke" im Sportausschuss des Bundestages. "Die Bundesregierung hat den organisierten Sport ähnlich wie in der Corona-Pandemie sehr stiefmütterlich behandelt. Unter den bisherigen drei Hilfspaketen ist für den Sport nichts dabei", bemängelt Hahn.

Philipp Hartewig aus dem Wahlkreis Mittelsachsen ärgert, dass mit dem Finger oft nur Richtung Berlin gezeigt werde. "Es hilft niemanden, wenn wir uns gegenseitig den schwarzen Peter zuspielen. Jeder sollte da auch seine Hausaufgaben machen", sagt der sportpolitischer Sprecher der FDP. Er hoffe, dass die vom Bund geplante Strompreisbremse auch auf Sportvereine angewendet werde.

Die Chemnitzer Talentschmiede ist in Gefahr

Während die politischen Ebenen diskutieren, tickt die Uhr. Denn wenn es beim jetzigen Kompromiss bleibt, bricht den Chemnitzer Eiskunstläuferinnen und -läufern ab Januar die erkämpfte Trainingsfläche wieder weg.

Das träfe nicht nur das Sportlerherz, sondern langfristig auch die Kasse der Vereine. Es gilt weiterhin die Formel: Gutes Training führt zu Medaillen. Medaillen führen zu Fördergeldern. Aus der Chemnitzer Talentschmiede stammen berühmte Medaillensammler wie Katarina Witt, Jutta Müller, Monika Scheibe, Aljona Savchenko, Robin Szolkowy und Jan Hoffmann. Die Liste kann in den nächsten Jahren nur fortgeschrieben werden, wenn eine Lösung der Energiefrage gefunden wird.

Zum Thema

Dieses Thema im Programm:MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 17. September 2022 | 16:00 Uhr

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