Biathlon | Weltcup Erik Lesser ehrgeizig bis zum letzten Meter

Massenstart in Oslo

Das war's für Erik Lesser: Das Massenstartrennen in Oslo war der letzte Auftritt des Thüringer Biathleten. Für das Podest reichte es knapp nicht. Und irgendwie wurmte das den 33-Jährigen doch.

Erik Lesser und Team Deutschland
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Letzter Zieleinlauf für Erik Lesser: Mit dem vierten Platz im Massenstartrennen in Oslo hat sich der 33-Jährige am Sonntag (20.03.2022) von der Biathlon-Bühne verabschiedet. Natürlich wäre er gern noch einmal auf das Podium gehüpft, doch diesen Wunsch verhinderte der Franzose Emilien Jaquelin, der Dritter wurde.

Kein Rücktritt vom Rücktritt

Lesser ärgerte sich über zwei Fehler beim Liegendanschlag, ein kleiner Makel eines großen Wochenendes. Obwohl der Thüringer in der Form seines Lebens ist, stellte er sofort klar: einen Rücktritt vom Rücktritt wird es nicht geben. "Auf keinen Fall", sagte Lesser.

Kitschiger hätte es sich Lesser kaum ausmalen können: Denn nach seiner Abschiedsankündigung vor drei Wochen lieferte er ab wie selten zuvor. Krönung war sein dritter Weltcupsieg und die Audienz beim norwegischen König Harald an der Wiege des nordischen Skisports und bei perfektem Wetter. "Ich bin absolut baff. Ich kann den Sieg und die ganzen letzten drei Wochen noch nicht ganz verarbeiten", sagte der Thüringer, der zuvor den zweiten Platz von Franziska Preuß im Massenstart bejubelt hatte.

Peiffer über Lesser: "Wird extrem guter Trainer"

Hätte er nicht in seiner Paradedisziplin, dem Liegendschießen, zwei Fehler geschossen, hätte er wieder um den Sieg mitgekämpft. Sein langjähriger Freund Arnd Peiffer, der extra für die Abschiedsfeier seines früheren Zimmerkollegen angereist war, meinte: "Es geht Deutschland ein guter Athlet verloren. Aber ich glaube, in ihm steckt ein extrem guter Trainer."

Lesser - ehrgeizig bis zum letzten Meter - flachste. "Ich bin ja nicht richtig weg. Jeder hat meine Nummer." Ein besonderes Schmackerl hielt er dann noch bereit: Lesser trat in dem Anzug an, in dem er sein erstes Weltcup-Rennen bestritten hatte.

Zeit für die Familie

Nach dem furiosen Ende seiner langen Karriere holte sich Lesser erstmal ein Küsschen seiner Liebsten ab. Unter dem Jubel der tausenden Fans und der Huldigung seiner Teamkollegen und Konkurrenten warteten im Ziel am legendären Osloer Holmenkollen seine Lebensgefährtin Nadine und Töchterchen Anouk. Ihnen gilt künftig die ganze Aufmerksamkeit des 33 Jahre alten Biathleten im Ruhestand. "Ich muss arg mit den Tränen kämpfen, dass ich hier nicht zu weich werde", sagte der sonst eher rationale Lesser im ZDF. T

Erik Lesser gewinnt am Holmenkollen
Erik Lesser gewinnt am Holmenkollen. Bildrechte: IMAGO / Bildbyran

Erst Urlaub, dann Trainerschein

In Ex-Weltmeister Lesser geht nach Olympiasieger Peiffer (34) und Ex-Weltmeister Simon Schempp (33) der nächste Leitwolf. Und einer der meinungsstärksten und kritischsten Athleten, vor allem sich selbst gegenüber. Seine Meinung wird nach wie vor gefragt sein, vielleicht auch als TV-Experte. "Das kann ich mir vorstellen", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Jetzt macht er aber erstmal Urlaub - in Norwegen. Dann nimmt er sich eine längere Auszeit, stellt die Familie in den Mittelpunkt. Danach geht er seine Trainerausbildung an.

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sst/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Aktuell | 20. März 2022 | 19:30 Uhr

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