Fußball | eSport eSport-Science-Lab entsteht am DFB-Gründungsort

eSport ist ebenso im Kommen wie nicht ganz unumstritten. Ist das digitale Kräftemessen am Bildschirm ein Sport oder nicht? Die Bundesregierung sagt ja, der DFB noch nein. In Sachsen machen sie bereits Nägel mit Köpfen.

Computerspieler mit Publikum 1 min
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MDR aktuell 17:45 Uhr Mo 19.11.2018 17:45Uhr 01:25 min

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Der sächsische Fußballverband und die Hochschule Mittweida kooperieren künftig im Bereich eSport. Am Montag (19.11.2018) unterzeichneten beide eine Vereinbarung, nach der in Leipzig ab 2019 eine so genannte "eSport-Science-Lab" aufgebaut werden soll. Als Ort haben sich der SFV und die Hochschule den Gründungsort des Deutschen Fußball-Bunds in der Leipziger Büttnerstraße ausgeguckt. Dort sollen in zwei Räumen sowohl innovative Experimentier- und Praxisprojekte als auch zukunftsweisende, neue Formate getestet werden.

Das Hofmeisterhaus in Leipzig. Hier befand sich früher das Restaurant „Zum Mariengarten“, wo am 28. Januar 1900 die Gründungsversammlung des Deutschen Fußballbundes stattfand.
1900 wurde hier der später größte Fußballverband der Welt gegründet. Nun gibt es wieder ein verheißungsvolles Zukunftsprojekt in Leipzig. Bildrechte: MDR/Matthias Reitz

SFV-Chef Winkler: Entwicklung an der man nicht mehr vorbei kommt

Sachsens Fußballchef Hermann Winkler sagte dem MDR: "Das DFB-Gründungshaus wird mit Leben erfüllt, der Kooperationsvertrag zwischen der Hochschule und dem Sächsischen Fußball-Verband sichert langfristig die Nutzung. Es gibt viele, die eSport oder eSoccer als Gefahr für den Vereinssport sehen, ich sehe es als Chance. Wir wollen die Jugendlichen von den Sofas holen und einen Ort schaffen, an dem sie sich treffen und spielen können. Das Spielen möchten wir in die richtigen Bahnen lenken, weg von den Ballerspielen. eSport ist eine Entwicklung, da kommt man nicht mehr dran vorbei. Da wollen wir Vorreiter sein."

V. li.: Hermann Winkler (Präsident Fußballverband von Sachsen), Prof. Ludwig Hilmer (Rektor der Hochschule Mittweida), Leonhard Zintl (Vorstand der Volksbank Mittweida).
V. li.: Hermann Winkler (Präsident Fußballverband von Sachsen), Prof. Ludwig Hilmer (Rektor der Hochschule Mittweida), Leonhard Zintl (Vorstand der Volksbank Mittweida). Bildrechte: MDR/Ingo Hahne

Winkler: "Unvorstellbare Möglichkeiten"

Die Hochschule Mittweida begleitet die Entwicklung von Gaming und eSport seit mehreren Jahren. Eines der Forschungsgebiete ist die Digitalisierung des Sports mit besonderem Fokus auf eSport. Christof Amrhein, Professor für medienübergreifende Bewegtbildproduktion, produzierte am 8. November 2018 mit Studierenden der Fakultät Medien das Beat Saber Masters Germany, die erste VR-Gaming-TV-Show im deutschsprachigen Raum. "Die wissenschaftliche Expertise der Hochschule Mittweida und ihre praxisnahe Ausrichtung sind in Medien und eSport herausragend. Sie ist damit der perfekte Partner für die Zukunft des Sächsischen Fußball-Verbands", schwärmt SFV-Präsident Hermann Winkler. "Gegenseitige Unterstützung in der Ausbildung, gemeinsame Publikationen und Veranstaltungen sowie die wissenschaftliche Begleitung von Projekten im SFV eröffnen unserem Verband bisher unvorstellbare Möglichkeiten."

Hermann Winkler (Präsident Fußballverband Sachsen) und Reinhard Grindel (DFB-Präsident)
Während DFB-Chef Reinhard Grindel (li.) noch skeptisch ist, gründete Sachsens Fußballpräsident Hermann Winkler ein kleines Forschungszentrum zum eSport. Bildrechte: IMAGO

Vom DFB über den FC Barcelona und Mittweida zu eSport

"Mit dem Gründungshaus des DFB wird eine Wirkungsstätte eines unserer bedeutendsten Absolventen ein Ort für die Verbindung von Sport und Wissenschaft", erklärt Prof. Dr. Ludwig Hilmer, Rektor der Hochschule Mittweida. "Udo Steinberg war Sportpionier und als Mittweidaer Student bereits vor seiner Zeit als Stürmer des FC Barcelona maßgeblich an der Gründung des Deutschen Fußball-Bunds beteiligt. Der Fußball begann Anfang des 20. Jahrhunderts die Massen in seinen Bann zu ziehen, eSport ist sein heutiges Pendant – mit großem Potenzial für Wirtschaft und Gesellschaft. Diese Entwicklung wissenschaftlich zu begleiten und künftige Führungspersonen dieser Branche im Gründerhaus des DFB akademisch auszubilden, verstehen wir als unseren Auftrag." Bereits seit 2011 gibt es in Mittweida einen Studiengang "Medieninformatik und interaktives Entertainment". Vom 24. bis 25. Oktober beschäftigte sich das 5. Udo-Steinberg-Symposium mit der "Organisation des eSport".

ZMS Hochschule Mittweida
Das "Zentrum für Medien und Soziale Arbeit" (ZMS) der Hochschule Mittweida Bildrechte: Hochschule Mittweida

Ist eSport ein Sport?

Auch der Fußballverband von Sachsen-Anhalt widmet sich eSport und hat im Mai 2018 mit dem eSport-Bund ein Pilotprojekt begonnen. Grundsätzlich kämpft das digitale Kräftemessen am Bildschirm immer noch um die Anerkennung als "richtigen" Sport. So sagte DFB-Präsident Reinhard Grindel im März 2018: "Fußball gehört auf den grünen Rasen und hat mit anderen Dingen, die computermäßig sind, nichts zu tun. eSport ist für mich kein Sport." Für ihn ist eSport eine "absolute Verarmung".

eSports
In Sachsen-Anhalt wurde 2018 erstmals ein eSport-Landespokal ausgetragen. Bildrechte: MDR/Johanna Daher

Demgegenüber hat die Bundesregierung im Koalitionsvertrag eSport aufgenommen und plant "ihn vollständig als eigene Sportart mit Vereins- und Verbandsrecht" anzuerkennen. DFB-Mediendirektor Ralf Köttker erklärte: "Wir befassen uns intensiv mit dem komplexen Thema. Wir sind dabei, mit unseren Mitgliedsverbänden eine gemeinsame Linie abzustimmen." eSport gilt als Wachstumsmarkt: Experten prognostizieren eine Umsatzsteigerung von 665 Millionen US-Dollar 2017 auf 1,65 Milliarden im Jahr 2021.

eSport
Die Fans füllen bei Live-Events die Hallen. Bildrechte: imago/Camera 4

cke

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 19. November 2018 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. November 2018, 09:02 Uhr

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11 Kommentare

21.11.2018 11:25 Der alleswissende Besserwisser 11

Sehr guter Kommentar von Nr. 1 und 9! Bravo!

Auch sollte sich der SFV mal dafür stark machen, die kleinen "Dorfvereine" besser zu unterstützen. Z. B. könnte der Verband den Vereinen beim Thema Fahrtkosten für Schiedsrichter oder Lehrgangsgebühren entgegen kommen.

Aber wenn man sich nur bei Bundesligisten im VIP-Bereich rumdrückt oder neuerdings auf Konsolen zockt, dringen die Probleme halt nicht zu den zuständigen Personen (bis nach Brüssel) durch!

An statt den sportlich aktiven Nachwuchs und/ oder Verein zu fördern werden hier Ressourcen für Mumpitz vergeudet!

21.11.2018 10:18 Sr.Raul 10

@9 (Spieler), welchen Zug, mit welchem Anschluss und wohin? Zu einer neuen Gelddruckmaschine? Infantinos neuer "FIFA" eventuell? Sport kann ja nun nicht ernsthaft gemeint sein, eher die ohnehin bereits reichlich vorhandenen "Brot und Spiele" um noch eine Nuance zu erweitern.

20.11.2018 10:14 Spieler 9

Wer jetzt nicht auf den Zug aufspringt der verpasst den Anschluss im nächsten Bahnhof. Es ist ein Ausgleich für alle sehr viele Profis auf dem rasen spielen auch am pc.

20.11.2018 09:47 Fcm-XD 8

Das Problem ist halt, das weder der Beitrag, noch einige hier im Forum die Zusammenhänge des Esport begreifen. Wer das einfach nur als Ballerspiele, Gaming oder Geldmaschinerie begreift, der tut mit Leid. Natürlich geht's um Geld. Es geht immer um Geld. Aber Esport ist so viel mehr als nur Zocken. Genauso ist Sport viel mehr als nur "sich körperlich" betätigen. Wer sich dazu schlau machen möchte sollte sich mal Beiträge der Sporthochschule in Köln zu Gemüte führen. Traurig, dass viele sich neuen Dingen verschließen ohne! zu wissen was dahinter steckt. ;)

20.11.2018 02:20 Läuft^^ 7

^^ ja,und am besten jeden Computerspieler nen cronusmax plus oder nen titan two (sind geräte mit den man jedes spiel manipulieren kann und es gibt noch extra programme für den controller ) als gründungsgeschenk schicken,verdammt, hat ja eh schon fast jeder computerspieler ;-)
Top lacher wird dann EA mit FIFA und dass dazugehörige momentum (DDA,mit patent, ist ein programm im spiel ,dass dafür sorgt ,dass nicht eine mannschaft im spiel nicht zu stark wird ,nicht betroffen sind aktuelle YouTuber streamer und möchtegern E sportler )wer soll sich den scheiß eigentlich angucken , doch nicht etwa der großteil der spieler die beschissen werden ;-)

19.11.2018 19:20 Reisender 6

Ergänzend zu @1, ich weiß , jetzt könnte man als Verschwörungstheoretiker gelten, aber ist es nicht besser, Tausende vor den Computer zu bekommen, schön eingeigelt in der digitalen Welt und schon redet man mit seinem Gegenüber in der realen Welt nicht mehr über die wirklich wichtigen Dinge. Paar Vereinzelte bekommen ( nicht verdienen) richtig viel Kohle und der Rest glaubt an seine Chancen und spielt das Spiel mit.
Aber warum sollte der SFV da mal für die "richtigen " Sportler stark machen, dazu bräuchte man ein starkes Kreuz.

19.11.2018 19:19 SLKrotundweiß 5

Ist doch ok was da passiert natürlich gehts dabei auch um geld und Vermarktung usw aber na und, gerade beim normalen profi Fussball geht's doch auch um nicht's anderes
Für mich persönlich wäre es nicht's wofür ich mich begeistern könnte aber gut da muss man doch nun nicht gleich wieder alles verteufeln was neu oder anders ist und wenn schach oder dart sport ist warum nicht auch esport?

19.11.2018 18:22 G. 4

Da geht es doch nur wieder um Profit. Damit lässt sich wieder viel Geld verdienen. Wie man den Begriff Sport interpretieren kann liest man z.B. Auf Wikipedia. Vom Sofa bekommt man mit so etwas bestimmt keine Jugendlichen oder Kinder. Jedenfalls nicht auf den Sportplatz. Insofern pure Heuchelei.

19.11.2018 18:02 Schiedsrichter 3

Der dfb ist im Osten Deutschlands gegründet worden da haben wir uns sozusagen selbst ein Kuckucksei ins Nest gelegt ,ja ja ich weiß , aber das war so mein erster Gedanke

19.11.2018 15:34 Altus 2

Der sog. eSport ist nichts anderes als eine weitere kolossale Gelddruckmaschine! Warum sich echte Sportverbände damit befassen ist unverständlich...haben die nix zu tun!?