Turnen Fall Frehse - Gegenexpertise kritisiert Turnerbund-Gutachten

Der "Fall Frehse" um die suspendierte Chemnitzer Turn-Trainerin geht in die nächste Runde. Eine Expertise hat nun methodische Mängel eines Gutachtens des Turnerbundes im Blick.

Die Deutsche Frauen-Trainerin Gabriele Frehse.
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Missbrauchs-Vorwürfe , Untersuchungsbericht, Suspendierung – und nun eine Gegenexpertise. Der Streit um die Chemnitzer Kunstturn-Trainerin Gabriele Frehse geht in die nächste Runde.

"Deutliche Mängel in der Durchführung"

Als Kontrapunkt zu einem Gutachten des Deutschen Turnerbundes (DTB) hat der Olympiastützpunkt Chemnitz jetzt eine Expertise vorgelegt. In dieser Expertise geht es nicht primär um die Vorwürfe psychischen Missbrauchs, überharten Trainings oder missbräuchlichen Einsatzes von Medikamenten – vielmehr wird das DTB-Gutachten methodisch kritisiert.

Erstellt wurde die nun vorgelegte Expertise von Udo Rudolph, Professor für Allgemeine und Biopsychologie am Institut für Psychologie der TU Chemnitz. "Es gibt eine Vielzahl von Indikatoren, die für deutliche Mängel in der Durchführung der Untersuchung sprechen", heißt es in Rudolphs Schlussfolgerungen. Verwiesen wird in diesem Zusammenhang auf fehlende Begleitung der Befragungen durch psychologisch geschulte Fachkräfte. Auch die Wahrung der zugesicherten Anonymität sei nicht konsistent eingehalten worden.

"Keine unvoreingenommene Gesprächsführung"

Rudolph will auch erkannt haben, "dass eine unvoreingenommene Gesprächsführung nicht mehr möglich gewesen sei". Eine These, die von Sophie Scheder bereits mehrfach formuliert wurde. Die Olympiadritte von 2016 am Stufenbarren, die sich nach wie vor hinter Frehse und deren Trainingsmethoden stellt, empfand bei den Befragungen im Zusammenhang mit dem DTB-Bericht eine Voreingenommenheit. "Ich hatte das Gefühl, mir wird nicht geglaubt und man wollte meine Meinung nicht wirklich hören", sagte die 24-Jährige.

Turnerbund-Gutachten: 17 Fälle dokumentiert

Ende 2020 hatte sich der mögliche Skandal um Gabi Frehse entwickelt: Damals waren Sportlerinnen um Top-Turnerin Pauline Schäfer mit dem Vorwurf der Körperverletzung und der Misshandlung Schutzbefohlener an die Öffentlichkeit gegangen. Ein vom DTB beauftragtes Gutachten stellte in 17 Fällen "hinreichende tatsächliche Anhaltspunkte für die Anwendung psychischer Gewalt durch die Trainerin", fest. Die Trainerin wurde daraufhin vom DTB suspendiert. In Chemnitz trainiert sie allerdings weiter, als Angestellte des Sportgymnasiums. Das Landesamt für Schule und Bildung lehnt eine Suspendierung ab.

Sportausschuss des Bundestages tagt am 5. Mai

Mit den Vorfällen im Chemnitz wird sich der Sportausschuss des Deutschen Bundestages am 5. Mai in Berlin erneut beschäftigen. Dann ist eine öffentliche Anhörung mit dem Thema "Physische, psychische oder sexualisierte Gewalt gegen Sportlerinnen und Sportler" geplant.

dh/sid

4 Kommentare

MeyerZwo vor 18 Wochen

Jetzt wird es spannend. Mal schauen, ob die Verantwortlichen beim DTB bereit sind, jetzt anzuerkennen, dass die Medaille mindestens zwei Seiten hat. Vielleicht ist dort die Verwunderung groß, das Gutachten aus Sachsen schnell und in Gänze erhalten zu haben. Trotz Anordnung des hessischen Datenschutzbeauftragten scheint Frau Frehse ja noch immer keine Akteneinsicht bekommen zu haben. Jeder Tag dieses unwürdigen Schmierentheaters nährt die Zweifel an der Glaubwürdigkeit der anklagenden Partei. Um so mehr wächst mein Respekt vor Frau Frehse, Frau Scheder, Herrn Munzer und den Athletinnen aus Chemnitz für ihre Beharrlichkeit und Haltung. Hut ab!

Freiheit stirbt mit Sicherheit vor 18 Wochen

Frau Frehse, ich wünsche Ihnen viel Kraft und Alles Gute!

Sie haben alles richtig gemacht!

Unverständlich, daß es Menschen gibt, die Ihnen ihren Erfolg zu verdanken haben nun solch schäbiges Spiel spielen.

lunatic vor 18 Wochen

Schon fraglich, warum gerade jetzt (also letzten Herbst). Und wenn man sieht, wie die Schwestern Schäfer auftreten und dass es Ihnen nur darauf ankommt, dass Gabi Frehse entlassen wird, dann sieht das für mich nach üblem Nachtreten aus. Und wenn jemand am Sportgymnasium als Lehrerin arbeitet(gabs da auch Vorwürfe?), sind halt DTB u. OSP nicht zuständig-klar, dass das den die Vorwürfe Vorbringenden nicht schmeckt, aber das Landesamt f. Schule u. Bildung suspendiert nunmal nicht auf Zuruf u. ohne konkrete Vorwürfe. Und mal abgesehen von strafrechtlich relevanten Delikten - die müssten ohnehin verfolgt werden - interessant fände ich aber auch mal die Frage zu klären, ob es sich bei den vorgeworfenen 17 Fällen von psychischer Gewalt auch um neue oder aber bereits 2018 bekannte Vorwürfe/Vorkommnisse handelt. Das finde ich deshalb wichtig, weil Fr. Frehse wohl 2018 vom OSP bereits einmal abgemahnt wurde, aber wenn sie sich seitdem nichts mehr zu Schulden kommen lassen hat? Doppelbestrafung?