Turnen Chemnitzer Turntrainerin Frehse wendet sich an DTB-Ethikbeauftragte

Im Zuge der Chemnitzer Turn-Affäre hat sich die beschuldigte Trainerin Gabriele Frehse nun mit einem offenen Brief an die Ethikbeauftragte des Deutschen Turner-Bundes (DTB) gewandt. Laut Frehse habe es bisher kein faires Verfahren gegeben. Zudem habe der DTB "elementare rechtliche Grundprinzipien verletzt".

Gabi Frehse
Nach Beschuldigungegen gegen ihre Person fordert die Chemnitzer Turntrainerin Gabriele Frehse Akteneinsicht. (Archiv) Bildrechte: dpa

Die Chemnitzer Turn-Trainerin Gabriele Frehse hat sich rund vier Wochen nach Veröffentlichung des Gutachtens zu Missbrauchsvorwürfen mit einem Offenen Brief an Brigitte Zypries, Ethik-Beauftrage des Deutschen Turner-Bundes (DTB), gewandt. Dabei bittet die seit zwei Monaten suspendierte Trainerin um Unterstützung bei Zypries, um Einsichtnahme in den Untersuchungsbericht zu erhalten.

Untersuchungsbericht stellt "schwerwiegende Pflichtverletzungen" fest

Gabi Frehse und Pauline Schäfer
Pauline Schäfer (re.) und weitere Turnerinnen erheben schwere Vorwürfe gegen Frehse. (Archiv) Bildrechte: imago images / HärtelPRESS

Nach einer Untersuchung durch eine Frankfurter Kanzlei hatte der DTB "schwerwiegende Pflichtverletzungen" von Frehse festgestellt. Ex-Weltmeisterin Pauline Schäfer und weitere Turnerinnen hatten Frehse Ende November letzten Jahres vorgeworfen, sie im Training schikaniert, Medikamente ohne ärztliche Verordnung verabreicht und keinen Widerspruch zugelassen zu haben. Frehse hat die Vorwürfe mehrfach bestritten.

"Leider kann ich aber bis heute nicht Stellung zu den konkreten Vorwürfen des Untersuchungsberichts des DTB nehmen, da mir der Verband die Einsichtnahme in den Bericht seit Wochen verwehrt. Was genau ermittelt wurde, ist mir bis heute nicht bekannt", erklärte Frehse in ihrem Statement, das unter anderem das Online-Portal "gymmedia.de" veröffentlichte. Zunächst hatte die "Freie Presse" darüber berichtet.

Frehse: "DTB spielt nach eigenen Regeln"

Brigitte Zypries
DTB-Ethikbeauftragte Brigitte Zypries. Bildrechte: IMAGO / Future Image

Laut Frehse sei es kein faires Verfahren. "Aus meiner Sicht verletzt der DTB hier elementare rechtliche Grundprinzipien. In jedem normalen Strafverfahren steht dem Beschuldigen ein Recht auf Akteneinsicht zu, aber der DTB möchte hier stattdessen nach eigenen Regeln spielen und die Akte unter Verschluss halten", schrieb Frehse. Daher habe sie sich bereits an den hessischen Datenschutzbeauftragten gewandt.

Frehse bittet Zypries, "im Rahmen Ihrer Möglichkeiten darauf hinzuwirken, dass der DTB die Grundsätze eines fairen und datenschutzrechtlich einwandfreien Verfahrens wahrt und mir Einsicht in den Untersuchungsbericht gewährt". Nur dann sei die Trainerin in der Lage, sich mit den in dem Bericht gegen sie erhobenen Vorwürfen auseinanderzusetzen und öffentlich dazu Stellung nehmen zu können.

DTB hebt Schutz der Persönlichkeitsrechte hervor

Der DTB hatte zuletzt bereits erklärt, seine Vorgehensweise beruhe "auf dem Schutz der Persönlichkeitsrechte der Betroffenen, der Wahrung von der Untersuchungskommission zugesagter Anonymität und auch darüber hinaus dem Schutz der Personen, die sich der Untersuchungskommission anvertraut haben". Frehse sei am Abend vor Veröffentlichung des Gutachtens über die Vorwürfe informiert worden.

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red/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Sportblock | 20. Februar 2021 | 12:40 Uhr

8 Kommentare

megaboss vor 22 Wochen

Bin eigentlich neutraler Beobachter wollte aber trotzdem meine Meinung sagen.
Man kann vieles in unserem Staat nicht mehr verstehen.
Auch ich bin gegen Repressalien und und unlautere Trainingsmethoden,aber wenn ich mir 50% unserer heutigen Nachwuchselite anschaue ,die bei hartem Training einknicken und kaum noch belastbar sind wird mir Angst und Bange .
Ja und im Sport kommen dieErfolge nicht von selbst und da muß hart gearbeitet weden.
Und wenn unsere von Mutti und Vati verhätschelten Sprößlinge mal hart gefordert werden geht ein Aufschrei durch die Lande und es wird mit Klage und Anwalt gedroht.
Da können einem die Trainer und Betreuer nur noch leid tun.
Ich hoffe, daß die Trainerin ihre Unschuld beweisen kann und wieder arbeiten darf.

MeyerZwo vor 22 Wochen

Es bleibt zu hoffen, dass Frau Zypries die Mut hat, die im Raum stehenden Vorwürfe differenziert und nach rechtsstaatlichen Grundsätzen zu betrachten. Ihr berufliche Vita läßt gewisse Berührungspunkte mit juristischen Fragestellungen erkennen.

lunatic vor 22 Wochen

Kennt denn nun eigentlich der Olympiastützpunkt Chemnitz als Arbeitgeber von Gabi Frehse, von dem der DTB ja die Entlassung seiner Trainerin fordert und der die Suspendierung aufrecht erhalten muss, mittlerweile den "Untersuchungsbericht"? Wenn dem nicht so ist, wäre allein das schon wieder ein Skandal... ("Entlass mal deine Trainerin, es gibt Beweise gegen sie, wir haben die, glaub uns! Den Bericht brauchst du dazu nicht, musst du nicht wissen, weil die Persönlichkeitsrechte derer, die sich der "Untersuchungskommission"/ Rechtsanwaltskanzlei + Sportpsychologin anvertraut haben, müssen ja geschützt werden, deren Anonymität muss gewahrt bleiben- tut uns leid...")
Welch unsägliche Hybris! Nicht wahr, Frau Dagmar Freitag???