Turnen Gabriele Frehse: "Ich habe nie Grenzen überschritten!"

Die Chemnitzer Trainerin Gabriele Frehse hat sich erstmals öffentlich zu den Vorwürfen einiger Turnerinnen geäußert. Sie habe nie Grenzen überschritten und auch nie Schmerzmittel verabreicht und fühle sich diffamiert.

Knapp eine Woche nach den schweren Vorwürfen mehrerer Turnerinnen um Pauline Schäfer hat sich die Chemnitzer Trainerin Gabriele Frehse erstmal vor der Kamera geäußert. "Wenn Turnerinnen sagen, ich habe sie verletzt. Das war nie meine Absicht und tut mir unendlich leid. Ich wollte immer motivierend auf die Turnerinnen wirken“, sagte die 60-Jährige dem MDR. Dass sie, wie im "Spiegel" am Donnerstag (03.12.2020) von weiteren Ex-Turnerinnen erneuert, Grenzen überschritten habe, weist die Trainerin von sich. "In dieser Weise habe ich diese Grenzen niemals überschritten."

"Fühle mich diffamiert"

Wenn ein Mädchen weinte oder wenn es erschöpft ist, habe sie das Training abgebrochen. "Ich bin eine vorsichtige Trainerin. Es gibt einige Elemente, die bei mir nicht trainiert werden dürfen." Sie fühle sich diffamiert, sagte Frehse, die "nur eine negative SMS" erhalten habe: "Turnerinnen, auch ehemalige, Freunde und Familie haben mir Mut gemacht."

"Nie ohne Absprache Schmerzmittel gegeben"

Zum Vorwurf, Frehse soll Turnerinnen Schmerzmittel verabreicht haben, sagte die Trainerin: "Wenn eine Turnerin sagte, sie hat Schmerzen, habe ich sie zum Arzt oder Physiotherapeuten geschickt. Ich habe nie ohne Absprache mit Arzt oder Eltern den Turnerinnen Schmerzmittel gegeben.“ Frehse berichtete von einer Kampfrichterin, die in dieser Gruppe der Turnerinnen, von denen jetzt diese Anschuldigungen kamen, war. "Die sagte mir, alle Turnerinnen dieser Gruppe haben Schmerzmittel genommen, ohne dass es ein Trainer oder Arzt wusste. Sie wollten trainieren, darum haben sie das Mittel genommen. Ich hätte sie zum Arzt geschickt."

Pauline Schäfer: Verschiedene Trainingsvorstellungen

Vorzuwerfen habe sich Frehse auch mit Blick auf Pauline Schäfer nichts. "Ich habe nach der EM 2018 am Flughafen zu Pauline gesagt: 'Ich glaube unsere Wege trennen sich hier. Du möchtest eine Medaille zu Olympia, ich habe eine ganz andere Vorstellung, wie man das macht. Suche dir einen Trainer, damit du deinen Traum verwirklichen kannst'.“ Eine Zusammenarbeit sei nicht mehr möglich gewesen, Frehse habe im Training keine Anweisungen mehr gegeben. "Ich habe sie machen lassen, was sie wollte. Paulines Vorwurf war damals, dass ich sie nicht bestimmen lasse, was sie im Training machen darf."

Zuletzt trainierte Frehse noch Mädchen und Damen im Alter von 13 bis 23 Jahren. Die Turnerinnen seien ob der schweren Anschuldigungen bestürzt und hätte Angst, dass jetzt alles vorbei sei. "Die Eltern wollen und werden mir helfen." Vom Deutschen Turnerbund erwartet die 60-Jährige Aufklärung, "damit alle diese schöne Sportart weiter leben und genießen können".

rei

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 03. Dezember 2020 | 17:45 Uhr

15 Kommentare

cherry1966 vor 18 Wochen

Klar haben sich Trainingsmethoden geändert, der moderne Leistungssportler arbeitet jetzt mit Mentalcoach. Aber fakt ist - wenn man sich heutzutage für Leistungssport entscheidet, gibt es kein wenn oder aber. Das müssen auch die Eltern wissen. Und Frauen- (bzw. Mädchen-) turnen gehört dabei bestimmt zu den härtesten Disziplinen. Hoffentlich wird objektiv ausgewertet! Ich gebe noch zu bedenken, dass es bei den Stützpunkten um viel Geld und Förderung geht. Die Erfolge der ChemnitzerInnen waren einer Bundestrainerin Ulla Koch schon lange ein Dorn im Auge und das Verhältnis zu Frau Frehse wohl sehr unterkühlt. Ich wage mal die Prognose, dass sich nunmehr der DTB bei den Damen endgültig aus der Weltspitze verabschiedet. Aber man kann ja auch Landesmeistertitel feiern und bei den Olympischen Spielen genügt ja die Teilnahme (der Funktionäre).

MeyerZwo vor 18 Wochen

Liebe MDR - Redaktion,
nun, aber das ist doch genau das Charakteristikum einer Kommentarrubrik: Die Darstellung einer subjektiven Einschätzung und Meinung des Verfassers. Meine Einschätzung bezog sich auf die Darstellung und Bewertung des Sachverhaltes im SPIEGEL Artikel, den ich in großen Teilen nicht als Nachricht wahrnehme, sondern als Kommentar in Gänze, was ich gerade eben bei dem sensiblen Thema nicht angemessen finde.

MDR-Team vor 18 Wochen

Hallo MeyerZwo,
es handelt sich hierbei um ein sehr sensibles Thema. Die Vorwürfe befinden sich zurzeit noch in der Prüfung. Dementsprechend würden wir bitten auf Vermutungen zu verzichten, welche das Verhalten der jeweiligen Parteien betrifft. Aussagen wie: "Hier geht es nicht um die Darstellung eines Sachverhalts, sondern um eine tendenziöse Bewertung." sind eine Interpretation ihrerseits, die Ihnen natürlich zusteht, allerdings nicht als Fakt dargestellt werden sollte, wenn es dafür keine Belege gibt.
Liebe Grüße aus der MDR.de-Redaktion