Turnen Gabriele Frehse reicht Klage gegen den Deutschen Turner-Bund ein

Die unter anderem mit Schikane-Vorwürfen konfrontierte Turn-Trainerin Gabriele Frehse zieht vor Gericht. Auf dem Rechtsweg will sie die vollständige Einsicht in einen Untersuchungsbericht erlangen. Der verklagte Deutsche Turner-Bund reagiert gelassen.

Die Deutsche Frauen-Trainerin Gabriele Frehse.
Gabriele Frehse Bildrechte: dpa

Die Chemnitzer Turn-Trainerin Gabriele Frehse hat im Zusammenhang mit dem Vorwurf, sie habe Sportlerinnen schikaniert, Klage gegen den Deutschen Turner-Bund (DTB) eingereicht. "Das stimmt", sagte Frank Munzer, Präsident von Frehses Heimatverein TuS Chemnitz-Altendorf, auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Damit bestätigte er am Dienstag eine entsprechende Veröffentlichung des Vereins auf dem Internetportal "Gymmedia".

Frehse will vollständigen Einblick

Frank Munzer, Präsident TuS Chemnitz-Altendorf, im Interview
Frank Munzer, der Präsident des TuS Chemnitz-Altendorf Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Demnach hat die Trainerin am gleichen Tag Klage beim Landgericht Frankfurt/Main eingereicht mit dem Ziel, vollständigen Einblick in einen im Januar vorgestellten Untersuchungsbericht zu bekommen, den der DTB in Auftrag gegeben hatte. Bislang habe sie nur Einsicht in eine weitgehend geschwärzte Fassung des Berichts erhalten. Von den 223 Seiten enthielten 172 Seiten Schwärzungen und rund ein Drittel seien sogar nahezu vollständig geschwärzt, hieß es in der Vereinsmitteilung. "Daher habe ich den DTB heute auf Einsichtnahme in den umfassenden Untersuchungsbericht verklagt", wird Frehse in der Veröffentlichung zitiert.

DTB verweist auf Datenschutzbeauftragten

Alfons Hölzl
Alfons Hölzl, der Präsident des Deutschen Turner-Bunds Bildrechte: IMAGO/Michael Weber

Der DTB verwies darauf, dass er der Trainerin den Bericht in der Form überlassen habe, wie sie vom hessischen Datenschutzbeauftragten empfohlen worden sei. Sofern Frehse der Auffassung sei, ihr stünde ein weitergehendes Einsichtsrecht zu, stehe es ihr frei, sich erneut an den Datenschutzbeauftragten und an die Gerichte zu wenden, teilte der Verband der dpa mit. "Die Klärung bleibt dann den entsprechenden Verfahren vorbehalten, denen der DTB gelassen entgegensieht. Dies gilt auch, sofern Frau Frehse einige wenige in dem Untersuchungsbericht enthaltene Äußerungen beanstandet", schrieb der DTB in seiner Stellungnahme.

Trainerin bestreitet "schwerwiegende Pflichtverletzungen"

Frauke Wilhelm (Sportpsychologin)
Die Sportpsychologin Frauke Wilhelm gehörte zum fünfköpfigen Untersuchunsteam Bildrechte: IMAGO / Kaletta

Die beauftragte Frankfurter Kanzlei hatte "schwerwiegende Pflichtverletzungen" von Frehse festgestellt. Ex-Weltmeisterin Pauline Schäfer und weitere Turnerinnen hatten der Trainerin vorgeworfen, sie im Training schikaniert, Medikamente ohne ärztliche Verordnung verabreicht und keinen Widerspruch zugelassen zu haben. Die Kanzlei hatte mit 32 Personen gesprochen, im Schnitt 3,5 Stunden. Daraus entstanden rund 800 Seiten Protokolle.

Frehse hat die Vorwürfe mehrfach bestritten. Bis zur Klärung der Vorwürfe ist sie von ihrem Arbeitgeber - dem Olympiastützpunkt Sachsen - freigestellt.

Frehse klagt auch gegen Turnerin

Gabi Frehse und Pauline Schäfer
Gabriele Frehse (li.) und Pauline Schäfer, die ihre Ex-Trainerin öffentlich beschuldigt hat Bildrechte: imago images / HärtelPRESS

Wie der TuS Chemnitz-Altendorf weiter mitteilte, hat Frehse eine "erste Klage gegen eine der beteiligten Turnerinnen wegen der Verbreitung unwahrer Tatsachenbehauptungen beim Landgericht Chemnitz eingereicht". Grundlage dafür sind aus Sicht der Trainerin "unwahre Behauptungen" in dem Untersuchungsbericht. Gegen die Trainerin selbst sowie einen Arzt läuft seit Dezember 2020 bei der Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren, unter anderem wegen des Verdachts der Körperverletzung.

dpa

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 06. April 2021 | 18:40 Uhr

3 Kommentare

cherry1966 vor 10 Wochen

Nur mal so zum Video-Beitrag über Lisa-Katharina Hill - Kontrolle und Bespitzelung: Davon habe ich im Beitrag nix gehört! Es ging um Trainingsmethoden, über deren Sinn und Zweck man diskutieren kann.
Aber: Sie ist Mitglied der Nationalmannschaft. Letzte Erfolge: 2014 Weltmeisterschaft Stufenbarrenfinale (7. Platz) und Mehrkampffinale, Deutsche Meisterschaften 1. Stufenbarren, 3. Mehrkampf. Dafür meinen Respekt. Ist aber eben von der aktuellen internationalen Leistungssportspitze erheblich weit entfernt.
Stehen wir dazu, dass wir in Deutschland nur noch Breitensport wollen!
Ich gebe Robert Harting definitiv recht - das dicke Ende kommt erst noch.

MeyerZwo vor 10 Wochen

Die eingereichten Klagen von Frau Frehse eröffnen den Weg, die Sachverhalte rechtsstaatlich zu betrachten und hoffentlich aufzuklären. Wohltuend im Meer der Vorverurteilungen und des Schwarz/Weiß Denkens....

Nur Wismut Aue vor 10 Wochen

Richtig so. Man muss sich wehren. Wenn ich schon lese, die beauftragte Anwaltskanzlei aus Frankfurt/M., und das Foto, mit der Expertin mit dem Hannover- Emblem, da kommt mir die Wurst. Die ist aus dem Verein, der auch Aue angezeigt hat. Fürchterlich. Diese Siegermentalität ist unerträglich.