Turnen | Chemnitz Mehr als 26.000 Euro für Frehse: Auch prominente Sportfunktionäre haben gespendet

Nach der Initiierung einer Spendenaktion für die gekündigte Chemnitzer Turntrainerin Gabriele Frehse haben prominente Sport-Funktionäre gespendet - unter anderem der Chef des Olympiastützpunktes Sachsen.

Gabriele Frehse bei einer Sportveranstaltung
Gabriele Frehse Bildrechte: imago images/Schreyer

Die Chemnitzer Turnerinnen Sophie Scheder, Emma Malewski und Lisa Zimmermann haben nach der Entlassung ihrer Trainerin Gabriele Frehse eine Spendenaktion gestartet: "Wir Turnerinnen Emma Malewski, Lisa Zimmermann und Sophie Scheder des TuS 1861 Chemnitz-Altendorf e.V. bereiten uns zur Zeit auf die Olympischen Spiele vor. … Bitte unterstützen Sie uns bei der Finanzierung unserer Trainerin, damit wir unseren Traum von Olympia verwirklichen können." Bis zum frühen Freitagabend (07.05.2021) sind über 26.000 Euro zusammen gekommen. Zu den bislang über 170 Spendern gehören auch immer mehr prominente Namen aus der Sportszene, darunter der Leiter des Olympiastützpunktes Sachsen, Thomas Weise.

Ein Auszug der Spender mit der Summe:

  • Thomas Weise, Leiter Olympiastützpunkt Sachsen, Chemnitz: 300 Euro

  • Claudia Kreibich, Leiterin Breitensport Landessportbund Sachsen, Leipzig: 100 Euro

  • Wolfgang Staiger, ehemaliger Sprecher des Deutschen Turner-Bunds: 100 Euro

  • Dr. Dietmar Göbel, Ex-Turner und Ex-Schützling von Trainer Wolfgang Hambüchen: 1.000 Euro

  • Dr. Falk Naundorf, Institut für Angewandte Trainingswissenschaft (IAT) Turnen, Leiter Leistungs- und Nachwuchsförderung DTB: 300 Euro

  • Ronny Kaiser, Laufbahnberater OSP Chemnitz: 100 Euro

  • Kristina Tautenhahn: OSP Chemnitz (Assistentin d. Geschäftsleitung): 100 Euro

  • Ute Schinkitz, Bundestrainerin Para-Schwimmen, Ex-Trainerin von Stev Theloke: 200 Euro

  • Verein Verein für Sport und Gesundheit (VSG) Pirna: 600 Euro

  • Andreas Rehwagen, Trainer Gewichtheben Chemnitzer Athletenclub: 400 Euro

  • Harald u. Andrea Scheder, Eltern von Sophie Scheder: 500 Euro

Spiegel"-Berichte waren Ausgangspunkt

Im Magazin "Der Spiegel" hatten in November und Dezember 2020 ehemalige Turnerinnen, Trainerinnen und Eltern schwere Vorwürfe gegen Frehse erhoben. Prominenteste Sportlerin war die frühere Weltmeisterin Pauline Schäfer. Dabei geht es um psychische Gewalt, Verabreichung von Schmerzmitteln und unangemessene Trainingsmethoden. Der Deutsche Turner-Bund leitete daraufhin eine Untersuchung durch eine unabhängige Kanzlei ein und sah anschließend "schwerwiegende Pflichtverletzungen" von Frehse.

"In 17 Fällen Anhaltspunkte von psychischer Gewalt"

Frehse
Der Deutsche Turner-Bund untersuchte die Vorwürfe. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

In den Gesprächen mit Athletinnen und Athleten, Eltern, sowie Trainerinnen und Trainern über das Verhalten der Chemnitzer Trainerin hätten sich die Vorwürfe bestätigt. Das Gutachten kommt unter anderem zu dem Ergebnis, dass "in 17 Fällen hinreichende tatsächliche Anhaltspunkte für die Anwendung psychischer Gewalt durch die Trainerin vorliegen". In mehreren Fällen sei es zur Abgange von Schmerzmitteln gekommen. Schmerzen seien zudem von Frehse häufig nicht ernstgenommen worden. Mit 32 Personen waren im Schnitt 3,5 Stunden lange Interviews durchgeführt worden.

Frehse wehrt sich gegen Kündigung

Der Olympiastützpunkt (OSP) Sachsen hatte der Trainerin, die die Vorwürfe bestritten hat, am vorigen Dienstag gekündigt. Dagegen will Frehse juristisch vorgehen. Ihr Verein TuS Chemnitz-Altendorf kritisierte die Entlassung scharf.

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red

Dieses Thema im Programm: Sport im MDR AKTUELL Nachrichtenradio | 06. Mai 2021 | 18:40 Uhr

24 Kommentare

lunatic vor 6 Wochen

Und zum Thema "keinen Widerspruch zugelassen" (muss ich immer fast lachen, denn auch ich lasse meist keinen Widerspruch bei meinen Trainingsplänen zu;-)) und "unangemessene Trainingsmethoden"- auf diesem Level/Niveau ist Training eine reine Wissenschaft, die mit den persönlichen Befindlichkeiten der Sportler in Einklang zu bringen ist. Da wird nichts, aber auch rein gar nichts dem Zufall überlassen- wann trainiere ich was und wie, um zum Höhepunkt topfit zu sein. Und ob es einem nun gefällt o. nicht - dazu (im Hochleistungsbereich!) gehören nun einmal auch Ernährung, Körperproportionen u. auch Körpergewicht, auch wenn man das nicht gut finden muss. Und dass in diesem Kontext ein Trainer-Profi G. Frehse, die zudem auch einen eher autoritären Stil pflegt (sich aber auch zugleich rührend kümmert), keinerlei Widerspruch zulässt, verwundert nicht. Da gibts/gabs in Sachen Ernährung und Gewicht halten garantiert klare Ansagen u. wer dagegen aufbegehrt - da sind wir gleich bei "bodyshaming"...

kleinerfrontkaempfer vor 6 Wochen

Die Trainerin hat eine sogenannte "Verdachtskündigung" erhalten. Das gibt der Rechtsstaat her. Und dann wird man sehen wer viel Zeit + Geld + Personal hat um vor den Augen der Justiz mit diesem Konstrukt zu bestehen.
Für die Medien ist es halt eine Kündigung. Einfach und lapidar.

frosch vor 6 Wochen

Das finde ich auch. Herr Munzer ist ein sehr kluger, mutiger Mann, der klar und sehr deutlich SEINE Meinung sagt, nicht müde werdend, immer wieder auch auf provokante Fragen zu beantworten. Die Aussage von Herrn Hambüchen hat mich echt umgehauen, sowas von ehrlich, ich musste es paar mal lesen, Weltklasse!! Respekt und Hochachtung an beide. Beide sehen, dass hinter all dem Mist, der da gemacht wurde, ein Mensch ist, der seit Monaten beschimpft, beschuldigt und durch alle Medien gezerrt wird, OHNE Beweise. Ist das etwa keine psychische Gewalt? Ist das etwa kein Mobbing, NUR weil es die Trainerin betrifft? Macht das nicht was, mit dem Menschen? Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie man sich fühlt, so zu erfahren, was einem da jemand vorwirft. Alles was man dazu äußert, wird verdreht, bis es einen anderen Sinn ergibt, schreckliche Vorstellung. Als Krönung hört Frau Frehse von Frau Schäfer im TV: Gabi hat in der Halle nichts mehr zu suchen. WIE BITTE?????