Football | ELF Leipzig wird vor Dresden zur Football-Hochburg – jetzt knallt es überall

Was im Fußball per Fan-Aufstand verhinderte wurde, ist im Football eingeführt: eine europäische Super League. Über Nacht wurde Leipzig eine internationale Football-Hochburg, die Dresden Monarchs bleiben außen vor.

German Football League -  Zeljko Karajica
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Die Aufschreie im Fußball waren riesig. Zwölf Top-Klubs wollten vor gut zwei Monaten eine europäische Super League gründen und legten sich daher mit der UEFA an. Ein ähnliches Szenario ist nun im American Football entstanden, nur dass die European League of Football (ELF) dort tatsächlich gestartet ist. Deshalb kommt es jetzt zu erheblichen Konflikten mit dem American Football Verband Deutschland (AFVD) und der German Football League (GFL). Wichtiger Unterschied: Bei allen acht ELF-Standorten handelt es sich nicht um Vereine, sondern um angegliederte Franchise-Unternehmen der Liga.

So entsteht ein großes finanzkräftiges Paralleluniversum als Konkurrenz gegenüber dem klassischen Ligensystem. Sechs deutsche, eine spanische und eine polnische GmbH unterwerfen sich wie auch in der US-Spitzenliga NFL gemeinsamen Regeln und spielen einen Sieger aus. Mit den Leipzig Kings, die am kommenden Sonntag (4. Juli), 15 Uhr das erste Heimspiel ihrer Geschichte feiern, wurde auch ein mitteldeutscher Vertreter aus dem Boden gestampft. Denn das traditionsreichste Ost-Spitzenteam, die Dresden Monarchs, sind nicht dabei. Der MDR erklärt, wie es dazu kam und warum die Fronten zwischen den zwei Welten immer härter werden.

Ziel ist, in spätestens fünf Jahren 24 Teams aus mindestens zehn Ländern quer durch Europa zu haben und ungefähr eine halbe Milliarde Menschen Reichweite zu schaffen

Zeljko Karajica | Medienunternehmer

Die Investoren-Pläne der ELF: 500 Millionen Football-Zuschauer in Europa

Die NFL wird in Deutschland gerade beim jüngeren Publikum immer populärer, der Sender ProSieben Maxx verzeichnet immer höhere Einschaltquoten. Diesen Hype will der Medienunternehmer Zeljko Karajica jetzt nutzen und stieg mit seinen Kontakten als Investor ein. "Ziel ist, in spätestens fünf Jahren 24 Teams aus mindestens zehn Ländern quer durch Europa zu haben und ungefähr eine halbe Milliarde Menschen Reichweite zu schaffen", erklärt Karajica und meint: "Solange wird eine Investition nötig sein, damit es sich rentiert. Natürlich ist meine Hoffnung, dass die Investitionsphase so kurz wie möglich ausfällt." Kurzum: Für den Manager, der auch hinter dem Aufstieg von Fußball-Drittligist Viktoria Berlin steckt, ist es ein marktwirtschaftliches Profitprojekt.

German Football League -  Zeljko Karajica
Der Medienunternehmer Zeljko Karajica investiert kräftig in die ELF. Bildrechte: imago images/Lobeca

Breite Ablehnung von Verbänden – und der Dresden Monarchs

Den Kritikern missfällt dieses Kalkül. Axel Streich, Sprecher und Liga-Vorstand der GFL, sagt dem MDR: "Hier wird die Struktur des bestehenden organisierten Sports einfach ausgeklammert und versucht, von der überwiegend ehrenamtlichen Aufbauarbeit der Vereine in den letzten Jahrzehnten, wirtschaftlich zu profitieren." Ähnlich äußert sich der bekannteste American-Football-Klub im Osten. Die Dresden Monarchs haben keine Standortanfrage der ELF erhalten. Deren Geschäftsführer Jörg Dreßler ist darüber nicht böse, meint: "Seit fast 30 Jahren gibt es uns, seit fast 20 Jahres spielen wir in der höchsten deutschen Spielklasse. Unser Ziel ist klar formuliert, wir wollen Deutscher Meister werden, das haben wir bisher leider noch nie geschafft. Das können wir aber nur in einem klar geregelten Ligensystem von allen deutschen Mannschaften. Mit dem Titel, den die ELF ausspielt, kann ich wenig anfangen, weil die gesamte Basis darunter fehlt. Im Vergleich zur implodierten Super-League-Idee im Fußball fehlt mir im Football der Aufschrei."

Erste GFL-Klubs kaputt – Leipzig wird Sturzgeburt

Tatsächlich hat die neue europäische Liga bereits jetzt verbrannte Erde hinterlassen und spült ihren Kritikern damit Wasser auf die Mühlen. Die Fakten: In Hildesheim, Ingolstadt und Elmshorn sind die Teams von drei GFL-Klubs komplett zu geplanten Franchise-Standorten abgewandert, alle drei Vereine konnten keine Lizenz mehr für die beste deutsche Liga beantragen. Während Elmshorns Truppe nun als Hamburger Filiale fungiert, scheiterten die Aufbaupläne von ELF-Niederlassungen in Ingolstadt und Hannover. Ende März fehlten den Machern plötzlich noch Standorte. So kam Leipzig ins Spiel. Grundsätzlich stand die Messestadt auf dem Expansionsplan für 2022, doch jetzt musste quasi über Nacht eine Football-Filiale her. Deshalb wurden Profis aus Hildesheim, die eigentlich für Hannover auflaufen sollten, nach Leipzig geschickt.

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Die Dresden Monarchs sind das traditionsreichste Team in Ostdeutschland. Bildrechte: imago images/Hartenfelser

Die einwohnerstärkste City in Mitteldeutschland verkörpert die Ansprüche von Investor Karajica ohnehin am besten. "Wir wollen in die großen Städte. Wir streben an, nach London zu gehen, also in die Metropolen. Eine starke Liga wird nur funktionieren, wie die Franchises funktionieren. Du bist so stark wie dein schwächstes Glied. Deshalb versuchen wir, es gemeinsam mit den Franchises voranzutreiben. Wir wollen nächstes Jahr überall in die großen Stadien reingehen, um das Entertainment-Erleben Wirklichkeit werden zu lassen", powert der Geldgeber. "Nur so wird eine Sportart am Ende neben dem TV eine große Bewegung in den Städten schaffen und die Leute sich den Samstag oder Sonntag für Football reservieren lassen." Geht es jetzt also im Alfred-Kunze-Sportpark los, so dürften die Kings im Sinne Karajicas schon auf die Red-Bull-Arena schielen.

Wie sich die Leipzig Kings finanzieren

Leipzig ist im Football ein relativ unbeschriebenes Blatt. Die zwei Vereine der Stadt, die Lions und Hawks, spielten bisher dritt- bzw. viertklassig. Wie lässt sich da professioneller Sport von heute auf morgen finanzieren? Nach MDR-Informationen erfolgt dies erneut mit Investorengeld. Unklar ist allerdings, woher genau dieses stammt – möglicherweise auch aus der Zentrale von Karajica, aber vor allem von einem weiteren privaten Investor. Auf Nachfrage betonen die Leipzig Kings jedenfalls, dass sie nicht auf ein großes regionales Sponsorenpool zurückgreifen.

Fakt ist, dass die Kosten eines Standortes, gerade bei einer expandierenden und europaweiten Liga, groß sind. Beim Start dürften sie mindestens im mittleren sechsstelligen Bereich liegen. Allein die Teamausrüstung schlägt mit 50.000 Euro zu Buche. Hinzu kommen die Mietausgaben für den Alfred-Kunze-Sportpark, die Anreisekosten zu Auswärtsspielen und der Personaletat, der schätzungsweise bei einer halben Million Euro liegt. So hält sich das Gerücht, wonach 750.000 Euro Startkapital für ein Franchise vorhanden sein müssen. Eine Summe, die nicht geprüft werden kann, aber in etwa hinkommen könnte.  

Die Kings geben dem Football hier einen Schub, wir kriegen wieder Zulauf im Nachwuchs und Kinder in Leipzig-Grünau von der Straße. Football können eben alle – dünne und dicke – Kinder gut spielen

Antje Stolz | Präsidentin Leipzig Lions

Landesverband verbietet Kooperation – erster Verein geht auf die Barrikaden

Das Besondere in Leipzig ist, dass die Lions trotz der neuen Konkurrenz eine Ausbildungskooperation mit den Kings beschlossen. Die Begründung folgte der Logik, dass es für die Lions zweitrangig ist, ob die Monarchs oder die Kings junge Spieler abwerben – so blieben sie immerhin in der eigenen Stadt und die Sportart könnte sich hier besser entwickeln. Daraufhin schickte der American Football Verband Sachsen den Lions ein Schreiben mit einem Kooperationsverbot und drohte Sanktionen an, würde man sich mit einem Verein außerhalb des eigenen Sportsystems verbinden. "Ich habe eine Menge Ärger", bestätigt Lions-Präsidentin Antje Stolz den Vorfall und stellt klar: "Aber ich werde nicht nachgeben und den Kampf aufnehmen. Die Kings geben dem Football hier einen Schub, wir kriegen wieder Zulauf im Nachwuchs und Kinder in Leipzig-Grünau von der Straße. Football können eben alle – dünne und dicke – Kinder gut spielen."

Sport

Head Coach Fred Armstrong leitet das Training. 7 min
Bildrechte: IMAGO / Picture Point

GFL peitscht Ligareform durch

Kein Zufall wirkt, dass die Bundesligisten der GFL und GFL2 zeitgleich eine Reform durchwinkten, wonach es neben dem AFVD nun den neuen German Football League e.V. als Liga-Verband für den Profisport gibt. Dieser stellte just mit SharkWater auch einen Haupt- und Namenssponsor vor, der einen sechsstelligen Betrag dafür bezahlt. Kritiker halten dem AFVD vor, sich nur auf Druck weiterzuentwickeln und die Entwicklung jahrelang verschlafen zu haben. Der Zorn richtet sich mittlerweile offen gegen AFVD-Präsident Robert Huber, der gegen die ELF deshalb so scharf schieße, weil er nach einem Gespräch mit Investor Karajica eine Abfuhr erhalten hätte. Bevor es bei den Leipzig Kings das erste Mal auf dem Football-Platz kracht, knallt es jedenfalls überall drumherum.

Zuschauer-Reichweite wird entscheiden

Entscheiden wird am Ende der Zuschauer und Konsument: Will der Football-Fan eine europäische Liga im Stile amerikanischer Inszenierung und Show, also ähnlich der NFL, oder will er ein Ligen- und Verbandssystem mit Auf- und Abstieg? ELF-Promoter Patrick Esume, der als Ex-Star und NFL-Experte bekannt ist, verspricht jedenfalls: "Diese Liga wird vom Start an die europäische Spitzenliga sein – sportlich und medial." Er begründet das allerdings nur so: "Ich kann es einordnen als jemand, der über 28 Jahre im Football unterwegs ist." Dagegen spricht, dass ein Großteil der Spieler eben lediglich aus der GFL rekrutiert wurde.

German Football League -  Patrick Esume
ELF-Promoter Patrick Esume: "Diese Liga wird vom Start an die europäische Spitzenliga sein" Bildrechte: imago images/Lobeca

Es scheint wie vieles in dem Konflikt eine Glaubensfrage. Fakt ist: Für die Heimpremiere der Leipzig Kings gegen die Cologne Centurions wurden bisher über 1.400 Tickets bei zugelassenen 2.600 Zuschauern im Alfred-Kunze-Sportpark verkauft. Dagegen scheiterte die NFL mit ihrem Ableger NFL Europe bereits mit einem ähnlichen Vorhaben, den Kontinent mit Football zu erobern. 2007 wurde das Projekt eingestellt, ein neuer Anlauf scheint angesichts des gewachsenen Interesses sinnvoll. Sein Erfolg steht aber in den Sternen.

7 Kommentare

Exilerfurter vor 12 Wochen

Aha, Handball , Eishockey und Volleyball sind also Randsportarten… So klingt die pure Arroganz vom Fußballfan. Btw, der Volkssport Nr. in Deutschland ist … tatata Tischtennis.
Im übrigen hat mittlerweile American Football in Deutschland sehr wohl ein sehr hohen Stellenwert, Deutschland ist nach den USA , Kanada und México der wichtigste Markt für die NFL was Merchandise und Konsolen / PC - Spiele und Online - Streaming angeht, dazu wird noch eine Profiliga installiert… aber ist ja „nur“ eine Randsportart.

ein Dynamo vor 12 Wochen

Völliger Quatsch. Amerika ist nicht gleich Europa. In den USA ist alles anders. Anderer Sport, anderes Längenmaß. In Europa ist Fussball die Nummer 1. Danach kommen die Randsportarten Handball, Eishockey und Volleyball. Die wenigsten Menschen werden sich das Wochenende für American Football reservieren.

Chemieschwein vor 12 Wochen

nur das es das ab diese Saison so nicht mehr sein wird .. SpiO wird sich ohne die 4.Liga wohl neu erfinden müssen ..