Olympische Spiele Initiative für Winter-Olympia in Thüringen und Sachsen

Olympia in Thüringen, Sachsen und Bayern? Diese Vision ist am Montagabend publik geworden. Unter der Federführung einer Bank sollen die Spiele wieder nach Deutschland geholt werden.

Lisa Vittozzi (ITA) gewinnt Sprint in Oberhof
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Thüringen und Sachsen haben überraschend ihr Interesse an Olympischen Winterspielen im Jahr 2030 signalisiert. Ein Schneeflocken-Logo in den olympischen Farben wirbt seit Montagabend auf der Seite www.olympia2030.de dafür, dass sich die beiden Ost-Bundesländer gemeinsam mit Bayern als Schauplatz der Spiele in elf Jahren bewerben sollen.

Oberhof als ein Hauptort - Idee aus Mauerfall-Jubiläum

"Olympische Winterspiele 2030, genauer in Thüringen, Sachsen, Bayern und mit anderen Nachbarn - das ist eine große Vision", heißt es auf der Homepage der Initiatoren, die seit Montagabend online ist. Ein Austragungsort soll Oberhof (Thüringen) mit seinem Biathlon-Stadion, der Bobbahn und Sprungschanze sein. Wettkämpfe könnten außerdem im Erfurter Eisstadion ausgetragen werden. Eishockey könnte es in Leipzig geben. Einer der Initiatoren ist Mike Helios von der VR-Bank Bad Salzungen Schmalkalden. Er habe Pläne der privatwirtschaftlichen Initiative bereits an das Internationale Olympische Komitee (IOC) geschickt. Um Olympische Spiele bewerben können sich deutsche Städte und Regionen allerdings nicht direkt - das muss der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) offiziell beim IOC machen. Initiator Mike Helios sagte der Deutschen Presse-Agentur am Dienstag: "Die Idee stammt aus dem Jubiläum 30 Jahre Mauerfall. Wir wollen die ländliche Struktur stärken, das 'abgehängt sein' aus den Köpfen bekommen und ein Zeichen gegen baulichen Gigantismus setzen». Helios ist Sprecher der VR-Bank Bad Salzungen Schmalkalden und hat die Vision zusammen mit dem Publizisten Hannes Hofmann entwickelt.

Blick in die Arena in Oberhof
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Weißflog begeistert

Skisprunglegende Jens Weißflog kann sich die Spiele im heimischen Oberwiesenthal sehr gut vorstellen: "Die Idee ist traumhaft. Sie ist zu schön, um wahr zu werden. Doch wer keine großen Ziele hat, kann nicht gewinnen! Ich erinnere mich noch sehr genau an die Winterspiele 1994 in Lillehammer – friedlich, freundlich, maßvoll. Mit maßvoll meine ich, dass dieses kleine norwegische Gemeinwesen sich auch nach den Spielen den Charme als Wintersportort erhalten hat und nicht von Investruinen erdrückt wird, wenn der Ski- und Kufenzirkus vorbei ist. Das stelle ich mir auch für Deutschland vor. Wir haben mit unseren hervorragenden olympiatauglichen Anlagen im Osten Deutschlands dafür die besten Voraussetzungen."

20.02.1994, Norwegen, Lillehammer: Jens Weißflog aus Deutschland jubelt bei der Siegerehrung über die Goldmedaille im Einzelwettbewerb von der Großschanze.
Jens Weißflog holte gleich dreimal Olympisches Gold, unter anderem 1994 in Lillehammer von der Großschanze. Bildrechte: dpa

München und Hamburg kamen über Referenden nicht hinaus - Leipzig-Aus 2004

Im Oktober hatte die Region Rhein-Ruhr ihr Interesse an der Austragung Olympischer Spiele 2032 signalisiert - über die privatwirtschaftliche Initiative "Rhein Ruhr City 2032". Zuletzt hatten zwei deutsche Bewerbungen schon früh Schiffbruch erlitten. Sowohl München (für die Winterspiele 2022) als auch Hamburg (Sommerspiele 2024) waren jeweils an Volksabstimmungen gescheitert. Leipzig hatte die Sommerspiele 2012 austragen wollen und konnte sich im nationalen Wettbewerb überraschend klar gegen Hamburg, Düsseldorf mit Rhein-Ruhr, Frankfurt/Main und Stuttgart durchsetzen. Vielen in Erinnerung dürfte noch das Cello-Spiel des damaligen Oberbürgermeisters Wolfgang Tiefensee bei der nationalen Endausscheidung 2003 in München sein.

Wolfgang Tiefensee (li. SPD) und Georg Milbradt (CDU) beim Besuch der Ausstellung "Olympische Visionen auf dem Weg zur Realität".
Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt (re.) und Leipzigs Oberbürgermeister Wolfgang Tiefensee warben 2002 um Olympia in der Messestadt. Bildrechte: imago/Picture Point

Das Aus kam dann bei der Vorauswahl des Internationalen Olympischen Komitees 2004. New York, Paris, Madrid, Moskau und der spätere Sieger London wurden dagegen zugelassen. Gegen Leipzig sprachen die Infrastruktur und das Beherbergungskonzept. Zuletzt hatte es die Spiele in Deutschland 1972 in München gegeben. Bis 2028 sind die Olympischen Spiele bereits vergeben.

Olympia-Orte 2020 bis 2028
2020 Tokio: Sommer
2022 Peking: Winter
2024 Paris: Sommer
2026 Mailand: Winter
2028 Los Angeles: Sommer
2030 ? Winter

VR Bank: Effenberg, Atletico Madrid und FSV Zwickau

Stefan Effenberg
Stefan Effenberg Bildrechte: imago/Future Image

Die VR-Bank Salzungen Schmalkalden in Thüringen ist für ungewöhnliche Geschäftsideen bekannt. So betätigt sich das Geldhaus seit längerem im Fußball, vergibt Kredite an Vereine. "Der Spiegel" berichtet in der "Football-Leaks"-Recherche von einem Zehn-Millionen-Kredit im Januar 2017 an den spanischen Spitzenklub Atletico Madrid. Die Madrilenen hatten akuten Finanzbedarf. Dieter Althaus, ehemaliger Ministerpräsident von Thüringen saß bis Ende Dezember 2018 im Aufsichtsrat der Bank. Er soll bei Fußballkrediten geholfen haben. Im Dezember 2018 hatte die Bank sogar den einstigen Nationalspieler Stefan Effenberg als Leiter des "Firmenkunden-Kompetenz-Teams Fußball" verpflichtet. "Wir betätigen uns im nationalen und internationalen Fußball, sind damit sehr erfolgreich", sagte Helios. Im Januar 2019 sorgte die Bank bei Drittligist FSV Zwickau für die Deckung eines Liquiditätsbedarfs.

dpa/cke

Die von den Initiatoren anvisierten Austragungsorte
Biathlon Oberhof
Bobsport & Skeleton Altenberg
Curling Erfurt
Eishockey Berlin | Leipzig | Köln | Mannheim | Nürnberg | Düsseldorf | Hannover
Eiskunstlauf Chemnitz
Eisschnelllauf Erfurt
Shorttrack Dresden
Freestyle Oberwiesenthal
Rennrodeln Oberhof
Ski Alpin Garmisch-Partenkirchen
Ski Nordisch | Langlauf & Kombination Oberhof
Ski Nordisch | Skispringen Klingenthal
Snowboard n. n.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 19. November 2019 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. November 2019, 16:22 Uhr

8 Kommentare

Jenaer vor 2 Wochen

Natürlich wäre es toll, so ein Sportereignis in unserer Region zu haben. Sportanlagen gibt es hierzulande zuhauf. Natürlich müsste vor einer Bewerbung geklärt werden, ob und inwieweit nachhaltige Olympische Spiele in Deutschland machbar sind. Aber vielleicht kann hier Deutschland eine Vorreiterrolle übernehmen?

peter1 vor 2 Wochen

Ganz großer Schwachsinn!!! Kein Mensch brauch Olympische Spiele in Deutschland und ich glaube es will auch keiner!!! Thüringen soll bei seiner Bratwurst bleiben!

Mal ne Anmerkung vor 2 Wochen

Obwohl ich ein großer Wintersport-Fan bin ,die Bewerbung kann in die Tonne.Wer will sich denn hier wieder mal profilieren?Da werden Politiker aller Partein durch Versprechungen ,auch wenn sie völlig irreal sind ,versuchen sich ins "positive Licht " zu rücken.
Und was soll das kosten?Millionen Tonnen Kunstschnee produzieren(bitte denkt an die Worte von Greta) usw.!
Leute was soll das?Hier vergammeln Schulen,es gibt Orte die sind vom Handyetz abgekoppelt,Tausende Rentner und Bedürftige müssen zur Tafel um zu überleben und HIER soll eine Olympiade stattfinden!Man kann nur hoffen ,denn die Planungsbüros reiben sich bestimmt schon die Hände ob der riesigen Summen für Planungen die dann für die Tonne sind,das es noch genügend klar denkende Menschen gibt.
Macht die Winterspiele dort wo Winter ist aber nicht in Sachsen und Thüringen!