Reitsport | Partner Pferd Georg von Stein - Neue Pferde, alte Probleme

Georg von Stein ist der einzige deutsche Starter, der bei der Partner Pferd in Leipzig mit seinem Vierspänner antritt. Als Elfter bei den Qualifikationsturnieren ist er auf eine Wildcard angewiesen, um beim Weltcup im Fahren starten zu dürfen. Vor dem Wettkampf am Sonntag sprach er mit MDR.de.

von Maria Köhler

Georg von Stein, am Freitag sind Sie Siebter geworden. Wie beurteilen Sie Ihren Auftakt hier in Leipzig?

Georg von Stein: "Grundsätzlich sind wir nicht mit ganz hohen Erwartungen angereist sind, weil wir ein neues Gespann aufbauen. Boyd Exell hat mir zwei Pferde abgekauft. Alles ist professioneller geworden. Jeder hat inzwischen ein reines Indoor-Gespann, das draußen nicht startet. Meine neuen Pferde sind mit der Kulisse gut klargekommen. Drei Fehler sind zu viel. Wenn zwei Bälle nicht herunterfallen, bin ich unter den ersten Vier. Am Sonntag werden alle schneller sein. Ich habe nun etwas mehr Sicherheit. Die junge Stute hinten links (Pearl, Anm. d. Red.) hat das gut weggesteckt."

Was müssen Sie als Fahrer beachten?

"Wir suchen kleinere, kompaktere, gut galoppierende Pferde. Die Pferde laufen auf eine Bande zu, dass gibt es Outdoor nicht. In der Halle trainieren wir das kontinuierlich, genauso wie einen schnellen Antritt aus einer Wendung heraus. Wir geben eine Linie vor, auf der das Gespann beschleunigen muss. Wenn die hinteren Pferde schneller beschleunigen als die vorderen, verlierst du den Kontakt zur Vorderleine. Dann schiebt sich oft das Gespann zusammen und du verlierst die Kontrolle, weil die vorderen Pferde führungslos sind. Wir trainieren, dass das nicht vorkommt."

Seit Jahren starten Sie bei Weltcups. Dennoch: Sind sie vor einem Wettkampf hier in Leipzig aufgeregt?

"Ich bin durch meine Lebensgefährtin hierher gekommen. Der Vater meiner Lebensgefährtin ist hier schon gestartet. Inzwischen ist das mein Hausturnier. Ich bin vor jeder Prüfung aufgeregt, aber professionell genug, das wegzustecken. Hier sind viele Fahrbegeisterte und Fahrkenner. An der Bande sieht man den einen oder anderen, den man kennt. Die Halle ist so voll, das hast du sonst maximal in Aachen. Der Lärmpegel erhöht sich. Das ist schon gewaltig."

Anders als bei den Springreitern ist die Teilnehmerzahl beim Fahren relativ klein. Wie verstehen Sie sich mit der Konkurrenz?

"Boyd Exell und ich, wir haben einen guten Kontakt. Er trainiert uns ja auch für die Outdoor-Saison. Verbundenheit sieht man auch darin, dass er mich auf meine guten Pferde angesprochen hat. Abends tauschen wir uns aus und trinken noch ein Bier oder einen Absacker."

Parcours-Plan
Durch Hütchen und zweimal über die Brücke - der Plan für den Vierspänner-Weltcup in Leipzig am Sonntag. Bildrechte: Dr.W.Asendorf

Am Freitag haben Sie 400 Euro Preisgeld erhalten. Am Sonntag geht es um 19.500 Euro. Zum Vergleich: Beim Weltcup-Springen beträgt das Preisgeld das achtfache.

"Damit kämpfen wir in unserem ganzen Fahrsport-Leben. Wir haben viel mehr Aufwand. Ich selbst bin ja vollblutmäßig bis 2005 geritten, mit ganzem Herzen. Da habe ich drei, vier Pferde auf den Hänger geladen und habe den Sattel draufgeschmissen. Wenn ich eine Helferin dabei war, war das viel. Wenn ich jetzt losfahre, sind vier bis fünf Leute dabei. Um das auszugleichen wäre es schöner, wenn Sponsoren mehr geben würden. Der Fahrsport zieht noch ein Stückweit Kulisse. Ich habe das Gefühl, dass die Hallen bei Fahrsport-Events immer voll sind. Ich weiß nicht, warum sich da nicht mehr machen lässt."

Welche Hilfen haben Sie von der Kutsche aus im Vergleich zu einem Reiter?

"Wir haben die Leinenhilfe, Peitsche und Stimme. Die Stimme fällt in der Halle als Hilfe weg - durch die Akustik. Die Gewichts- und Schenkelhilfe müssen ersetzt werden, wenn man ein Pferd am Wagen ausbildet. Man muss sich reindenken, wie man dem Pferd helfen kann. Man muss mehr an Longenarbeit denken, um dem Pferd etwas zu vermitteln. Das Gewicht kann nur der Groom hinten verlagern."

Eine Frau und ein Mann posieren für ein Foto und schauen lächelnd in die Kamera.
Georg von Stein und seine Partnerin Manuela Scholz. Bildrechte: MDR/Maria Köhler

Was ist denn schwieriger: Reiten oder Fahren?

"Bei der Ausbildung im Fahrsport haben wir viele Lenker und wenig Fahrer. Wenn aber einer gut fährt, gibt es kaum einen Unterschied zum Reiten. Viele Leute merken nicht, was beim Pferd vorn abgeht. Es ist schwierig sich ins Pferd reinzufühlen."

Was raten Sie jemandem, der einmal den Fahrsport ausprobieren will?

"Bei uns kann man Unterricht nehmen. Da kann man mal einen Ein-, Zwei- oder Vierspänner in die Hand nehmen. Das ist bei vielen Trainern möglich."

Es wird bei der Planung der Partner Pferd viel Rücksicht genommen, zum Beispiel, dass ein Hengst nicht direkt neben einer Stute steht. Wird auf Ihre Belange auch eingegangen?

"Ja. Wir erfahren viel Rücksicht. Vor Jahren mussten wir früher durch die Glastüren durch. Einige Pferde haben Platzangst. Da gab es eine Situation, wo man merkte, die Pferde haben Angst. Nun gibt es einen anderen Weg, wo wir auch den Springreitern und einigen empfindlichen Pferden aus dem Weg."

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 20. Januar 2019 | 16:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Januar 2019, 20:41 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.