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SchwimmenFlorian Wellbrock: Ein Jahr der Superlative

Stand: 31. Dezember 2021, 13:05 Uhr

Olympia-Gold, Weltmeister, Europameister und purzelnde Rekorde: Florian Wellbrock war der mit Abstand herausragendste deutsche Schwimmer 2021. Die Jahresbilanz eines Ausnahmeathleten.

Es war nicht weniger als eine Machtdemonstration, die Wellbrock am 5. August dieses Jahres in der Bucht von Tokio an den Tag legte. Über die Zehn-Kilometer-Distanz im Freiwasser sicherte sich der Athlet vom SC Magdeburg mit über 25 Sekunden Vorsprung die ersehnte Goldmedaille bei den Olympischen Spielen. "Florian war heute auf einem anderen Planeten", gab Gregorio Paltrineri, einer seiner ärgsten Wiedersacher, danach unumwunden zu. Der Freiwasser-König selbst sprach von seinem "persönlichen Sommermärchen. Das Ziel war eine Medaille, auf Gold hatte ich nicht spekuliert".

Erfolgreiche EM im Frühjahr

Wellbrock nach seinem Olympia-Triumph in Tokio. Bildrechte: IMAGO / Sven Simon

Es sollte nicht das letzte Ausrufezeichen in einem mehr als erfolgreichen Jahr sein, dass Wellbrock an diesem historischen Tag setzte. Schon im Frühjahr ließ der gebürtige Bremer aufhorchen, als er über 400 Meter Freistil mit 3:44,35 Minuten eine neue Jahresweltbestzeit aufstellte. Im Mai, einen Monat später, reichte es bei der Europameisterschaft in Budapest im Freiwasser zwar "nur" für Bronze, der EM-Abschluss fiel mit Staffel-Silber aber mehr als befriedigend aus. "Als Durchgangsstation haben wir uns hier alle ganz gut verkauft", resümierte Wellbrock mit Blick auf das große Ziel Olympia.

Olympia: Bronze über 1.500 Meter, Krönung im Freiwasser

In Tokio gab es dann zunächst einen kleinen Dämpfer. Gold im Becken war eigentlich eingeplant, doch über 800 Meter Freistil schwamm Wellbrock mit Rang vier knapp an den Podesträngen vorbei. Kurz darauf folgte die Erlösung. Nach 1.500 Meter Freistil durfte er mit Bronze endlich das erste Edelmetall präsentieren – gleichbedeutend mit der ersten deutschen Medaille der Männer im Beckenschwimmen seit 21 Jahren. "Mir ist natürlich ein riesen Stein vom Herzen gefallen – keine Frage", sagte Wellbrock hinterher. Wenig später folgte die Krönung im Freiwasser.

EM-Gold im ungeliebten 25-Meter-Becken

Florian Wellbrock (re.) und der zweifache Weltmeister Gregorio Paltrinieri aus Italien. Bildrechte: IMAGO / ITAR-TASS

Das sollte aber noch nicht das Ende der Fahnenstange sein. "Bei mir macht Olympia-Gold Hunger auf mehr. Ich freue mich schon tierisch auf das nächste Jahr", kündigte Wellbrock nach seinem wohl größten Karriereerfolg an und ließ seinen Worten frühzeitig Taten folgen. Bei der Kurzbahn-EM im russischen Kasan hatte er noch eine Rechnung mit dem eher ungeliebten 25-Meter-Becken offen. "Wenn ich da eine Medaille holen sollte, wäre ich sehr zufrieden", hatte der deutsche Schwimmstar im Vorfeld gesagt. Am Ende wurde es Gold. In deutscher Rekordzeit von 14:09,88 Minuten überwand er seinen italienischen Dauerrivalen Paltrinieri über 1.500 Meter im Freistil und schrammte nur um knapp zwei Sekunden am Weltrekord vorbei.

Wellbrock glänzt zum Jahresabschluss in Abu Dhabi

"Die erste Medaille auf der kurzen Bahn und dann gleich Gold, das ist schon sehr cool", sagte Wellbrock im Anschluss gewohnt nüchtern, das nächste große Ziel bereits vor Augen. Das Gold-Double in Kasan verpasste er zwar um einen Wimpernschlag, zum Jahresausklang in der Wüste von Abu Dhabi war der Anfang Dezember zu Sachsen-Anhalts gewählte Sportler des Jahres aber wieder eine Klasse für sich. In seiner Paradedisziplin über 10 Kilometer im Freiwasser gab es zunächst den Sieg beim Weltcup-Finale, ehe er bei der anschließenden Weltmeisterschaft die Konkurrenz in Grund und Boden schwamm.

Das ist unglaublich. Ich habe nicht erwartet, dass ich die Form für einen Weltrekord habe. Ich hatte keinen wirklichen Plan

Florian Wellbrock

14:06,88 Minuten über die Marathon-Distanz von 1.500 Meter Freistil im Becken bedeuteten nicht nur die Goldmedaille, sondern auch einen neuen Weltrekord. Kurz nach dem Becken-Anschlag entwich die gesamte Anspannung. Mit wild rudernden Armen feierte der sonst mit Jubelposen eher zurückhaltende Doppel-Weltmeister von 2019 seinen nächsten Coup. "Das ist unglaublich. Ich habe nicht erwartet, dass ich die Form für einen Weltrekord habe. Ich hatte keinen wirklichen Plan", verriet der Magdeburger, der "nur ein gutes Rennen" schwimmen wollte und im Anschluss von einem "sehr emotionalen Moment" sprach.

Wellbrock nach WM-Gold und Weltrekord in Abu-Dhabi. Bildrechte: imago images/Insidefoto

Erfolgsduo Wellbrock/Berkhahn

Großen Anteil an diesem mehr als erfolgreichen Jahr für Wellbrock hatte vor allem sein Trainer Bernd Berkhahn. Der Schwimm-Bundestrainer entschloss sich gegen zahlreiche, verlockende Angebote aus dem Ausland und entschied sich, die Karriere von Wellbrock und Co. am Stützpunkt in Magdeburg weiter voranzubringen – mit Erfolg. "Fest steht, dass ich ohne Bernd sportlich und auch persönlich nicht da wäre, wo ich heute bin", dankte Rekordjäger Wellbrock seinem Trainer zum Abschluss des Jahres.

"Mr. und Mrs. Wellbrock"

Das hatte im Übrigen noch das ganz persönliche Glück für den zweitplatzierten Sportler des Jahres in petto: Sechs Tage nach dem WM-Triumph gaben sich Wellbrock und seine Freundin Sarah Köhler, Bronzegewinnerin über 1.500 Meter in Tokio, das Ja-Wort. Ein perfekter Abschluss eines perfekten Jahres.

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jsc

Dieses Thema im Programm:MDR FERNSEHEN | MDR AKTUELL | 30. Dezember 2021 | 19:30 Uhr

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