Porträt Jörg Jaksche
Bildrechte: imago/Schwörer Pressefoto

Radsport | Doping Ex-Radprofi Jörg Jaksche - "Es hat sich nichts geändert"

Zwei Tage vor den deutschen Radmeisterschaften auf dem Sachsenring stellt Ex-Profi Jaksche dem Radsport ein mieses Anti-Doping-Zeugnis aus. "Der Wolf ändert sein Fell, aber nicht sein Verhalten", sagt er im MDR-Interview.

Porträt Jörg Jaksche
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Der frühere Radprofi Jörg Jaksche ist sich sicher, dass der Radsport nach wie vor dopingverseucht ist. Die gedopten Fahrer von früher seien heute die Teammanager: „Der Wolf ändert sein Fell, aber nicht sein Verhalten“, sagte der 42-Jährige dem MDR.

"Die Athleten greifen immer noch zu Doping"

Jaksche, der selbst 2006 des Dopings überführt wurde und ein Jahr später ein umfangreiches Geständnis ablegte, sagte: "Es wird fast so schnell gefahren wie zu den Doping-Hochzeiten. Und am Material ändert sich nicht viel. Wenn man sich die Gesamt-Gemengelage anschaut, dann ist die einzige Antwort: Es hat sich nicht verändert. Die Athleten greifen immer noch dazu. Weil es gewollt ist und weil es erwartet wird."

95 Prozent der Teamleiter haben Doping-Vergangenheit

Im Radsport habe lauf Jaksche keine Aufarbeitung der Doping-Skandale der Vergangenheit gegeben. Im Gegenteil: "Wenn sie mich fragen, wie viel von den Sportlichen Leitern, Teamdirektoren oder Ärzten mit Doping zu tun hatten, würde ich sagen: ungefähr 95 Prozent."

Jörg Jaksche, Im Trikot des Teams Astana-Würth
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Jaksche: "Wenn Kittel zu Katjuscha geht …"

Mit Jens Voigt und Marcel Kittel bringt Jaksche gleich zwei deutsche Radsportler mit möglichen Dopingpraktiken in Verbindung. Bei Voigt hinterfragt Jaksche, dass dieser seine größten Erfolge in Doping-Hochzeiten erzielt habe. Zum deutschen Top-Sprinter Kittel sagt der in München lebende Ex-Profi: "Wenn Kittel von Quick Step zu Katjuscha geht, dann hat das keine moralischen sondern rein finanzielle Gründe." Wenn man sich anschaue, wer Katjuscha mit aufgebaut habe, "das waren oft Fahrer und Teamärzte aus Hochdoping-Zeiten."

Jaksche fordert drastische finanzielle Maßnahmen

In Verantwortung will Jaksche aber nicht nur die einzelnen Sportler nehmen. Diese seien die "Ärmsten" im gesamten Radsport: Es gehe "nicht um eine Einzeltätertheorie sondern um ein systematisches Problem". Demzufolge seien aus Sicht des früheren T-Mobile-Profis vor allem die Teammanager zu bestrafen. Jaksche fordert Strafen von "500.000 Euro für den Manager. Wenn es den Teammanagern ans Geld geht, dann ändern sie sich. Das Team muss dafür sorgen, dass die Fahrer sauber sind."

dh

Zuletzt aktualisiert: 27. Juni 2019, 16:36 Uhr

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2 Kommentare

29.06.2019 19:40 Aufmerksamer Beobachter 2

Ich traue keiner Ausdauersportart betreffs Doping! Sei es Radsport, Marathon, Gehen, Triathlon U.a. Da wird mir unwohl nach dem Motto:" gut gegopt ist halb gewonnen!"

27.06.2019 17:54 Nasseri 1

Die Aussagen von Hr.Jakschke sind sehr wirr und klingen verbittert.
1.Wenn er einerseits sagt, dass 95% der Verantwortlichen mal was mit Doping zu tun hatten, gleichzeitig aber bemängelt, dass Kittel in ein solches Team gewechselt ist... WOHIN kann er denn dann wechseln, damit Herr Jakschke nicht diesen Schluss zieht?
2."Es wird fast so schnell gefahren wie zu den Doping-Hochzeiten..." Was ist das für eine Aussage? Zunächst einmal sind die Geschwindigkeiten bei den relevanten, langen Anstiegen deutlich geringer als zu den Hochdopingzeiten und dazu kommt, dass sich Trainingswissenschaftlich allein in den letzten 10 Jahren extrem viel getan hat - nicht nur im Radsport sondern allgemein. Da wäre es die logische Konsequenz, dass die Geschwindigkeiten DEUTLICH höher werden - werden sie aber nicht!

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