Tokio 2021 Leipziger Judoka wird Afrikameisterin und hofft auf Olympia

Immer wieder wechseln Sportler die Nationalität, um bessere Startchancen zu haben. Auch die Leipziger Judo-Kämpferin Marie Branser ist diesen Weg gegangen und ihrem Olympia-Traum als frischgebackene Afrikameisterin nun näher.

Judo - L. Malzahn vom SV Halle e.V. (weiss) gegen Marie Branser von den Leipziger Sportloewen (blau), 2018
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In der deutschen Nationalmannschaft hatte Marie Branser keine Chance, als der Judo-Verband Sachsen sie 2019 aus dem Landeskader nahm, war die Tür zu und der Olympia-Traum in weite Ferne gerückt. Aufhören war für die 28-jährige gebürtige Leipzigerin keine Option. Sie suchte sich einen neuen Weg - und fand den im Kongo.

Umweg über Afrika

Mit dem Umweg über Afrika will die Halbschwergewichtlerin, die in der Klasse bis 78 kg kämpft, nach Tokio. Eine Hürde hat sie bereits genommen. Am Wochenende wurde Branser in Madagaskars Hauptstadt Antananarivo Afrikanische Judomeisterin. Ob es für Olympia reicht, steht aber noch nicht fest. Die Tokio-Tickets werden im kommenden Jahr über die Weltrangliste vergeben. "Ich wollte unbedingt teilnehmen, so dass ich letztlich allein angereist bin. Ich wollte das Ding gewinnen, habe dafür eine Menge auf mich genommen - am Ende hat es sich gelohnt", sagte Branser der "Leipziger Volkszeitung" (Montag). Branser hatte sich die Reise nach Madagaskar aufgrund fehlender Förderung selbst finanziert.

"Es war der schnellste Weg"

Es ist nicht alltäglich, aber auch nichts ungewöhnliches, dass Sportlerinnen und Sportler die Nationalität wechseln, um bessere Startpositionen zu bekommen. "Ich habe alles dem Sport untergeordnet, immer von Olympia geträumt – und mir einen neuen Weg gesucht", sagte Branser einst im Deutschlandfunk. Weil ihre Großeltern vor vielen Jahren einige Zeit im Kongo lebten, fühlte sie sich mit diesem Land verbunden. "Von Deutschland nach Afrika ist sicher ein ungewöhnlicher Weg, aber war in dem Moment der schnellste Weg und es ging relativ fix", erzählte Banser, die beim SC DHfK Leipzig trainiert und seit 2019 für die Demokratische Republik Kongo kämpft.

Es gibt kritische Stimmen

Natürlich gibt es auch Kritiker - im Kongo und sicher auch unter den deutschen Sportlern. Durch die Einbürgerung nehmen die Sportler schließlich den Einheimischen mögliche Startplätze weg - und umgehen Hürden im eigenen Land. Verübeln kann man wohl aber keinem Athleten dieses Schlupfloch zum großen Traum Olympia.

Sanny Stephan mit dpa

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | MDR Aktuell | 21. Dezember 2020 | 11:40 Uhr

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