Dokumentation | Kristina Vogel "Das bin wirklich ich"

Ein Jahr haben zwei Autoren die zuvor schwer verunglückte Doppel-Olympiasiegerin Kristina Vogel aus nächster Nähe begleitet. Der dabei entstandene Dokumentarfilm "Aufstehen im Sitzen" feierte am Montagabend (8. Juli) in Erfurt seine emotionale Premiere vor rund 100 Gästen.

Kristina Vogel 2 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Di 09.07.2019 11:36Uhr 01:49 min

https://www.mdr.de/sport/sport-im-osten/video-317944.html

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Video

"Lass mich nicht alleine", bat Kristina Vogel ihren Sprinterkollegen Maximilian Levy eindringlich, als er die Ende Juni 2018 soeben im Training schwer verunglückte Bahnrad-Doppel-Olympiasiegerin im Arm hielt und nicht von ihrer Seite wich. "Das sind Worte, die einen zusammenschweißen. Ich wusste, wenn er da ist, dann wird's mir gut gehen", blickte die 28-Jährige am Montagabend noch einmal auf jenen tragischen Augenblick im vergangenen Jahr zurück, der ihr Leben für immer verändern sollte.

Als Vogel das gestern sagte, war gerade die über die querschnittsgelähmte Fabelathletin gedrehte Dokumentation "Aufstehen im Sitzen" erstmals öffentlich vor einem Publikum gezeigt worden. "Es wird, glaube ich, sehr tränenreich", ahnte Kristina Vogel bereits, kurz bevor die Lichter im Saal am alten Erfurter Güterbahnhof ausgingen. Auch sie selbst hatte den Streifen noch nicht gesehen - und sollte zweifellos recht behalten. Gut 100 Gäste aus dem engsten Familienkreis, Freunde, Karrierebegleiter, Fans waren ihrer Einladung gefolgt - und am Ende sprachlos, gerührt und fasziniert.

Ruhig, bedächtig, bewegend

Ein Jahr lang haben die Autoren Stephanie Müller-Spirra und Florian Weichert die Thüringerin auf ihrem Weg zurück in den Alltag begleitet - insbesondere beim Erfüllen einer ganz persönlichen "Bucket List", also Dinge, die man noch nie zuvor gemacht hat. Daraus entstanden ist ein ruhiger, bedächtiger, zutiefst bewegender Dokumentarfilm über das Niemals-Aufgeben, über kleine und große Hoffnungsschimmer und neue Ziele.

"Als ich überlegt habe, ob ich das mache, wusste ich, dass ich ehrlich sein muss. Ich wollte den Leuten zeigen: Das bin wirklich ich", unterstrich Vogel. Das hieß auch, die beiden Filmemacher nicht allein in die Reha- oder Trainingshalle, sondern darüber hinaus "in sehr privaten Momenten" mitzunehmen. Plötzlich wird zu Weihnachten und am Geburtstag gefilmt - und mittendrin "kamerascheue" Familienmitglieder. Das sei alles andere als selbstverständlich gewesen, betont die neue Erfurter Stadträtin und ZDF-Expertin, aber nicht zuletzt auch ein Merkmal dafür, "wie gut Stephanie und Florian waren - irgendwann sind sie verschwommen, man hat sie einfach gar nicht mehr mitbekommen."

TV-Tipp: "Aufstehen im Sitzen" läuft am kommenden Samstag, 13. Juli 2019, um 17:45 Uhr im Ersten

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mhe

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR AKTUELL | 09. Juli 2019 | 17:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. Juli 2019, 17:00 Uhr

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6 Kommentare

10.07.2019 12:28 Willy 6

@ 5 sehr richtig das muß man mal schreiben , unsere Tochter 37 Jahre alt 2 Kinder 12 / 16 alleinstehend, schwerer Autoungall A 72 unverschuldet, SHT 3
noch ein Jahr im Wachkoma mit Lungenentzündung nach dem Jahr doch noch verstorben wir haben als eltern um alles sehr, sehr kämpfen müssen das sie noch nach ihrer Verfassung etwas ein leben hatte ..... in dem Jahr ohne sich bewegen ohne sprache u s w. die soll ruhig sein diese Fr. Vogel entlich und uns nicht mehr auf dem nerv gehen oder sol dies lesen !

10.07.2019 11:33 Siggi Gerhard 5

Schade, dass die täglichen Unfallschicksale - die auch im Rollstuhl enden - nicht so unterstützt werden.
Der typische Rundfunkbeitragzahler bekommt nach so einem Schicksal sicher keinen Autosponsor oder gar einen Spendenaktion die 100.000 Euro einbringt.
Der typische Querschnittgelähmte kämpft sich vom Amt zu Amt um sich im neuen Leben zurecht zu finden.
Ich frage mich wo hier die Leistung von Frau Vogel ist, die doch unverhältnismäßig viel Unterstützung bekommt.
Zumal ich in Erinnerung habe, dass sie sich um die Benachteiligten in Erfurt kümmern möchte - aber das war ja vor der Wahl und somit.... nun Ja.
Ich verstehe auch nicht, warum der MDR mal nicht eine echte Reportage aus Sicht eines Querschnittsgelähmten dreht. Vielleicht ohne Clueso und ohne so viel Glamour.
Eben ein "echtes" Leben in der schweren Zeit im Rollstuhl. Eben das eines ganz gewöhnlichen Rundfunkbeitragszahlers.

10.07.2019 10:55 Willy 4

was ist mit anderen sehr schwer Verletzten, was ? sie sollte nunmehr entlich auf hören sich so zu Vermarkten, sie sollte noch froh sein das es ihr so gut geht nach ihren umstände entsprechend, und andere müssen um jeden Pfennig kämpfen das sollte man auch mit sehen, die noch schwerer Verletzt sind MDR !

10.07.2019 01:03 part 3

Die berufliche Flucht in die Politik war wohl der beste Weg um sich zu angagieren, doch die Wahl der Partei war deplatziert von Ihr, deshalb geht mein Daumen nach unten.

09.07.2019 17:30 Erik 2

Also ich glaube nicht, daß ich es "irgendwann einfach gar nicht mehr mitbekomme", wenn Stephanie Müller-Spirra immer in meiner Nähe wäre... ;-)

Aber ganz im Ernst: Kristina Vogel hat Glück, daß sie ein lebensfroher Mensch ist (das war sie ja schon vor dem Unfall). Daß sie diese Lebenslust aber nicht verloren hat, verlangt dann doch schon mehr Anstrengung und Willen, als ich es mir selbst zutrauen würde. Ich denke, daß diese Reportage auch anderen Menschen in schwierigen Situationen Mut macht und freue mich darauf.

09.07.2019 15:20 na so was 1

Liebe Kristina, ich wünsche dir das Beste, bleibe so wie du bist. Es ist schwer, das zu verstehen, was mit dir passiert ist. Niemand wünscht irgendjemanden so etwas, was dir widerfahren ist. Nimm die Hilfe deiner Sportkameraden, deiner Verwandtschaft, deiner guten Kumpels an. Ich bin mir sicher, wenn es nach ihnen und natürlich auch dir gehen würde, würdest du wieder gesund werden. Behalte weiter deine Lebensfreude und deinen Optimismus. 09.07.2019, 15:20