Bei der Siegerehrung halten Christa Riffel, Liane Lippert und Corinna Lechner ein Plakat mit dem Bild der verunglückten Bahnradfahrerin Kristina Vogel in den Händen
Spendensammlung bei der Straßen-Rad-DM vergangene Woche. Bildrechte: dpa

Radsport Spenden, Schock und Hoffnung nach Horror-Crash von Kristina Vogel

Wie geht es der schwer verunglückten Kristina Vogel? (Gute) Neuigkeiten gibt es noch nicht, Fans und Angehörige hoffen. Ausdruck dieser Anteilnahme ist eine Spendenaktion. Die läuft sehr gut. Aber warum muss gespendet werden?

von Dirk Hofmeister

Bei der Siegerehrung halten Christa Riffel, Liane Lippert und Corinna Lechner ein Plakat mit dem Bild der verunglückten Bahnradfahrerin Kristina Vogel in den Händen
Spendensammlung bei der Straßen-Rad-DM vergangene Woche. Bildrechte: dpa

Die Anteilnahme am Schicksal der schwer verunglückten Radsportlerin Kristina Vogel ist auch zehn Tage nach ihrem Unfall ungebrochen. Die Spendenaktion für die zweifache Olympiasiegerin und neunfache Weltmeisterin erreichte bereits am Dienstag (03.07.2018) die angepeilte Summe von 50.000 Euro. Am Freitag (06.07.2018) wurde für #staystrongkristina sogar die 70.000-Euro-Marke geknackt.

Hoffnung auf Neuigkeiten "in den nächsten Tagen"

Keine Neuigkeiten gibt es allerdings zum Gesundheitszustand der 27-Jährigen. "Kristina musste in dieser Woche erneut operiert werden. Mehr Informationen haben wir von den Ärzten bisher leider noch nicht bekommen", sagte Daniel Rekowski, Präsident von Vogels Chemnitzer Radteam dem MDR. "Wir hoffen, dass wir in den kommenden Tagen Neues erfahren." Direkt nach dem Unfall sprach Vogels Manager Jörg Werner von einer schweren Schädigung der Wirbelsäule und von weiteren Knochenbrüchen. Vogel musste zudem in künstliches Koma versetzt werden.

Weltmeisterin und Olympiasiegerin im Bahnrad Kristina Vogel.
Kristina Vogel Bildrechte: imago/Karina Hessland

"Schreck immer noch ins Gesicht geschrieben"

Der Schock nach dem Horror-Unfall ist auch zehn Tage nach dem folgenschweren Zusammenprall von Vogel mit einem auf der Betonpiste in Cottbus startenden Fahrer zu spüren. Zum Beispiel bei Pauline Grabosch, die nach dem Sturz zu den Ersthelfern am Unfallort gehörte. "Ich war heute bei Pauline", berichtet Rekowski: "Ihr geht es immer noch bescheiden, der Schreck steht ihr immer noch ins Gesicht geschrieben." Weltweit haben Sportler auf verschiedenen Social-Media-Kanälen ihre Anteilnahme am Schicksal von Vogel zum Ausdruck gebracht. Selbst die "New York Times" berichtete.

Romy Kasper: Rennpause nach Vogel-Unfall

Romy Kasper, Olympiastarterin aus Forst zieht sich nach dem Sturz von Vogel sogar vorübergehend ganz aus dem Radsport zurück. Nach einem eigenen Unfall und geschockt von Vogels Unfall sagte die 30-Jährige dem RBB: "Die Gesundheit kann ich mir von nichts wiederkaufen. Deshalb warte ich jetzt ab, bis alles verheilt ist."

Spendensammlung bei Tour de France, DM, Fußballspiel

Wenn am dem Wochenende die Tour de France startet, soll Rekowski zufolge auch auf den Straßen Frankreichs für Vogel gesammelt werden. "Wir haben verschiedene Anfragen bekommen, die Anteilnahme ist da", erklärt der Chemnitzer. Bei der deutschen Bahnrad-Meisterschaft in der kommenden Woche in Dudenhofen soll per Lotterie eine vierstellige Summe für Vogel zusammenkommen. Und sogar beim Fußball-Benefizspiel Chemnitzer FC gegen Dynamo Dresden am Sonntag (08.07.2018) wird für die Spendenaktion zugunsten Vogels geworben.

Warum Spenden? Ist Vogel nicht versichert?

Doch wofür benötigt Vogel das Geld überhaupt? Eine Frage, die einige Leser in früheren Artikeln zu Vogel hier bei mdr.de und auch auf den Social-Media-Kanälen von Sport im Osten stellen. Peter Riesler fragt zum Beispiel: "Sind Sportler nicht versichert bzw. für was soll hier gespendet werden?" In einem anderen Kommentar schreibt "S": "Lieber MDR, ich finde es traurig, dass Sportler (die oftmals mehr Geld zur Verfügung haben als Langzeitarbeitslose oder Bedürftige) jetzt auch noch so hohe Spenden erhalten."

Kristina soll sich sorgenfrei der Reha widmen können

"Natürlich ist Kristina versichert, die Kosten ihrer aktuellen Behandlung und auch der notwendigen Reha-Maßnahmen werden übernommen", erläutert Rekowski, der die Spendenaktion gemeinsam mit Vogels Teamkollege Maximilian Levy angeschoben hat. Alle Kosten seien damit aber noch längst nicht gedeckt. Rekowski, der selbst im Gesundheitswesen als Berater von Krankenkassen und Ärzten tätig ist, weiß: "Möglicherweise benötigt Kristina in der Reha oder später eine spezielle Maßnahme, die gut für ihre Lebensqualität ist, die sie aber selbst finanzieren müsste. Dafür ist das Geld da. Kristina soll sich möglichst sorgenfrei der Reha widmen können."

Spenden als Form der Schockverarbeitung

Hinzu komme noch ein anderer Aspekt: "Die Spendenaktion ist für uns eine ganz wichtige Form der Schockverarbeitung", sagt Rekowski. Nach dem Unfall habe man sich gefragt, was man tun könne. Mit der Spendenaktion habe man einen aktiven Weg gefunden, der helfen soll, das Geschehene zu verarbeiten und Vogel in ihrer schweren Situation Hilfe zukommen zu lassen. "Durch die Schwere des Unfalls ist der Schock besonders groß."

"Kristina entscheidet"

Wofür das Geld verwendet wird, sei noch völlig offen. "Das soll Kristina entscheiden, wenn es soweit ist", sagt Rekowski. Wichtig sei nun erst einmal, dass hoffentlich bald gute Nachrichten zur Genesung von Vogel kommen.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Aktuell | 01. Juli 2018 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. Juli 2018, 06:56 Uhr

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12 Kommentare

08.07.2018 19:51 Darkangel 12

@ M:S: Applaus, Applaus!!! Besser hätte ich es auch nicht ausdrücken können. Man stelle sich vor, Kristina liest diese Kommentare der Neidhammel, hilft ihr sicher bei der Genesung. Wie däml... muss man eigentlich sein, um seinen angestauten Frust, an einer verunglückten Sportlerin und deren hilflosem Umfeld, abzuarbeiten. Mehr als diese Art der Unterstützung kann das Umfeld im Moment halt nicht leisten und es hilft allen Seiten. Kristina hat im Moment und auch nach dem Erwachen sicher genug Probleme und die Neidhammel machen eine weitere Baustelle auf, die aber mal sowas von daneben ist.

Liebe Kristina!
Nochmals die besten Genesungswünsche
von den

Drei dunklen Engeln aus Bad Langensalza

08.07.2018 18:17 M:S: 11

Immer wieder diese Neiddebatten....wenn jemand spenden will, ok, es ist freiwillig und die Höhe jedem selber überlassen. Wenn jemand lieber für Kinder in Thailand, Indianer am Amazonas oder für Eisbären in der Arktis spenden will, dann soll er/sie das tun, und das ist auch ok. Und wenn jemand gar nichts geben kann oder will, dann werde ich solche Leute auch nicht verurteilen. Aber rummeckern, weil irgendwer irgendwen oder irgendwas anderes unterstützt, finde ich absolut daneben. BTW: Wieviel Geld oder Ehrenamtsstunden hat denn "S" oder der "Denkende Bürger" für Langzeitarbeitslose oder ältere Leute gegeben?

08.07.2018 12:32 Döbereiner 10

Ich spende etwas für Michael Schumacher.
Er hat mir viel Freude bereitet und ich hoffe, meine Spende gibt ihm Mut und führt zu einem guten Start bei baldiger Genesung!

07.07.2018 18:22 Robert M. 9

@6, Realist, Du schimpfst auf die Gesellschaft, trägst aber selbst dazu bei, dass Missgunst geschürt wird, dass die Gesellschaft also immer egoistischer wird. Kristina Vogel (mit ihrer ganzen Biografie) macht vielen Menschen Freude und Hoffnung, sie ist ein positiver Mensche. Sie können nur nörgeln. Deshalb spenden die Leute für Kristina, Sie würden wohl nicht mal ein paar Euro zusammenbekommen. Schämen Sie sich!

07.07.2018 16:48 cookie 8

Niemand muss spenden und auch die Höhe der Spende ist jedem überlassen. Deshalb verstehe ich die ganze Aufregung nicht. Ich, Radler aus Bayern, habe auch einen kleinen Betrag gespendet, weil ich diese junge Frau sehr sympathisch finde. Gehe ich halt einmal weniger zum Italiener. Frau Vogel kann das Geld sicher gut brauchen. Vor allem wünsche ich Kristina eine vollständige Genesung.

07.07.2018 16:47 Hase 7

Spende ist ok . Aber ich denke wenn ein Sportler das Risiko eingeht weis er was passieren kann. Ich wünsche ihr viel Kraft und gute Besserung!

07.07.2018 14:30 RealistZ 6

„Sorgenfrei der Reha widmen“
Selten so ein Quark gelesen.
Wer bezahlt den die sündhaft teuren Räder der armen Profisportler.
Hört doch mal auf so auf Mitleid hier zu rühren.
Ich finde es eine absolute Frechheit hier für eine Person zu“ sammeln“ und andere müssen sich ihrem Leid beugen weil sie kein Promi sind.
Spendet lieber für die Leute in Thailand die ihre Kinder wieder aus der Höhle haben wollen.
Unglaublich diese Gesellschaft.

07.07.2018 14:08 Hannes 5

@3 - ich habe Kristina immer bewundert, sie hatte schon früher einen schweren Unfall und hat sich zurückgekämpft, bis zum Olympiasieg. Anders ausgedrückt: Sie hat mir in meinem Leben Freude gebracht und daher ist auch meine Anteilnahme groß. So geht es sicher vielen Menschen und eine Spende ist vielleicht auch ein Versuch, etwas davon zurückzugeben. Wenn Sie ähnliches bei einer älteren Dame erlebt haben, möchte ich Sie gern ermutigen, diese finanziell zu unterstützen.

07.07.2018 14:04 Frank 4

Ich finde es schlimm, wenn Menschen die Sinnhaftigkeit von Spenden bezweifeln. Spenden sind freiwillig und wenn ich spende, tue ich das gern! Bei einigen Zweiflern scheint mir eher der Sozialneid Triebfeder ihrer "Kritik" zu sein.

07.07.2018 11:44 Denkender Bürger 3

Würde auch so eine Spenden-Aktion lesgetreten werden und darüber so ausgiebig berichtet werden, wenn die Verunglückte eine einfache ältere Dame gewesen wäre? - Ich glaube nicht.
Wenn die Frage nach Sinn und Notwendigkeit von Spenden-Aktionen für einzelne Parsonen des öffentlichen Lebens aufgerworfen wird, so sollte man sie schon ehrlich und umfassen beantworten - ohne einseitige Rechtfertigung-Versuche.