Leichtathletik | Kugelstoßen Kugelstoßerin Schwanitz auch mit Impfung nach Tokio

Am Donnerstag wurde in Tokio der Olympische Fackellauf gestartet. Damit steht die Austragung gefühlt kurz bevor. Auch Kugelstoßerin Christina Schwanitz will dann in Tokio an den Start gehen, wenn die Spiele denn stattfinden. Aber sie hat weiterhin viele Bedenken und hält eine Austragung für unrealistisch. Wenn es sein muss, würde sie sich auch impfen lassen - trotz unguten Gefühls.

Kugelstoßerin Christina Schwanitz im Interview 24 min
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"Meine Hoffnung ist groß, aber der Realismus ist ein anderer. Meiner Meinung nach wäre eine Absage im Wohle der Allgemeinheit und der Gesundheit noch immer das Beste", erklärte Schwanitz mit Blick auf die für Juli und August geplanten Olympischen Spiele im "SpiO"-Talk am Donnerstag (25.03.2021). Aktuell laboriert die Dritte der Hallen-EM an einer Bandscheibenverletzung, die bei den Titelkämpfen in Torun wieder aufgebrochen ist und muss entsprechend mit dem Training aussetzen.

Auch geimpft nach Tokio

Qualifiziert für die Spiele ist Schwanitz bereits, sie muss also keine Hektik aufkommen lassen bei der Rehabilitation. Sollten die Spiele entgegen ihrer Annahme trotzdem stattfinden, will sie diese auch wahrnehmen. "Wenn die Prämisse ist, dass man nur geimpft nach Tokio fahren kann, dann habe ich keine Wahl und muss mich impfen lassen. Dann muss ich hoffen, dass nichts Negatives passiert", so die 35-Jährige.

Und mit Negatives meint sie Auswirkungen auf ihren Körper. Noch fühlt sich Schwanitz nicht ausreichend aufgeklärt über mögliche Folgen einer Impfung auf den Körper eines Leistungssportlers: "Ich stehe dem nur skeptisch gegenüber, weil ich nicht weiß, was es mit meinem Körper und meiner Leistungsfähigkeit macht. Mein Körper ist mein Kapital. Ich muss mir sicher sein, dass mein Kapital nicht geschwächt wird. Wenn ich mit dem Sport fertig wäre, würde ich gar nicht darüber nachdenken."

Moralische Komponenten

Zudem sieht die Sächsin eine moralische Diskussion: "Wir haben weltweit nicht genug Impfstoff. Wem nehme ich dann Impfstoff weg, wenn ich geimpft werde? Jemandem, der wirklich gefährdet ist wegen Vorerkrankungen oder des Alters?"

Schwanitz: Kein Olympia-Feeling

Zudem glaubt Schwanitz nicht, dass sich dieses Olympia so anfühlen wird, wie es sich anfühlen sollte: "Es wird nur ein Wettkampf sein. Man fliegt da hin, macht sein Ding und geht wieder. Man kann sich ja noch nicht einmal etwas in Tokio anschauen. Das fällt ja alles aus. Man nimmt nichts mit nach Hause. Diese Gefühle machen Olympia mit aus." Vor allem für Sportler, die es das erste Mal erleben, werde es komisch, glaubt sie, da diese aus den Erzählungen ihrer Kollegen und Kolleginnen andere Sachen kennen. "Die zum ersten Mal dabei sind, erleben etwas, was nicht Olympia ist. Ein Teil wird sich danach fragen: 'Warum habe ich mir so den Hinter aufgerissen, dabei zu sein?' Es ist nicht das, was alle immer gesagt haben", so Schwanitz.

Medaille weniger wert?

"Ich werde hinterher wahrscheinlich enttäuscht sein und mich fragen, warum ich mir das angetan habe. Aber wer kann schon von sich behaupten, viermal bei Olympia gewesen zu sein?", glaubt Schwanitz, die sich auch nicht sicher ist, ob sie sich über einen Platz auf dem Treppchen richtig freuen könnte. "Eine Medaille war das Ziel, als ich 2017 wieder ins Training eingestiegen bin. Aber ich weiß nicht, ob sie dann so eine Bedeutung hat, wenn sie in der Vitrine steht", befürchtet sie.

In den kommenden vier Monaten soll mit Trainings- und Turnier-Blasen nun eine bestmögliche Vorbereitung auf Olympia stattfinden. Doch Schwanitz hat auch da ihre Zweifel: "Im Mai sollen die ersten Wettkämpfe stattfinden. Ob das klappt, angesichts der steigenden Zahlen, müssen wir noch abwarten."

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 25. März 2021 | 17:45 Uhr

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