Einmarsch der deutschen Delegation mit Fahnenträger Eric Frenzel bei der Eröffnungsfeier in Pyeongchang
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Olympischer Sport Mehr Rechte für deutsche Olympioniken - Streit ums Geld

Dank des Kartellamts haben die deutschen Athleten die IOC-Knebelverträge bei Instagram & Co. deutlich lockern können. Internationale Sportler interessieren sich dafür brennend. Zudem fordern die DOSB-Athleten mehr Geld. Darüber sind die Funktionäre nicht sehr glücklich.

Einmarsch der deutschen Delegation mit Fahnenträger Eric Frenzel bei der Eröffnungsfeier in Pyeongchang
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Der Verein "Athleten Deutschland" ist wegen der verbesserten Werbemöglichkeiten für deutsche Spitzensportler während der Olympischen Spiele beim weltweit größten Athleten-Forum in Lausanne sehr gefragt. In vielen Ländern herrscht ein großes Interesse an der in Deutschland veränderten Regel 40 der Olympischen Charta.

Cindy Roleder 2 min
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"Ich werde von allen Seiten danach befragt, was die Änderungen der Guidelines der Regel 40 für deutsche Athleten genau bedeutet", sagte Athletensprecher Jonathan Koch am Sonntag dem sid. Koch vertritt in Lausanne den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und ist Mitglied im Verein "Athleten Deutschland", der die verbesserten Werbemöglichkeiten für deutsche Athleten eingefordert hatte.

Jonathan Koch
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Koch glaubt an Lockerungen für alle Athleten

Das Thema wurde in Lausanne heiß diskutiert: "Die Aussagen dazu waren sehr unkonkret, gingen aber in die Richtung, dass Lockerungen nun grundsätzlich für jede Nation möglich seien", meinte Koch. Es verwunderte nicht, dass das Internationale Olympische Komitee als Veranstalter das Thema nicht an die große Glocke hängen wollte. Die verbesserten Werbemöglichkeiten für die Kaderathleten während der Olympischen Spiele gehen auf Kosten der "Herren und Damen der Ringe", die ihren Werbepartnern und Sponsoren in Zukunft nicht mehr so viele Exklusivrechte zugestehen können.

Thomas Roehler (Speerwurf/GER/LC Jena) jubelt nach seinem letzten Versuch und feiert seinen Olympiasieg 2016.
Einer wie der Jenaer Speerwerfer Thomas Röhler kann einen Olympiasieg künftig auch bei Instagram oder Facebook besser präsentieren. Bildrechte: imago/Annegret Hilse

Mehr Handlungsspielraum für deutsche Athleten

Ende Februar war bekannt geworden, dass auf Drängen des Bundeskartellamtes deutsche Athleten in Zukunft bei Olympischen Spielen Bilder von sich selbst bedingt zu eigenen Werbezwecken nutzen können. Dadurch haben deutsche Sportler mehr Handlungsspielraum bei der Vermarktung ihrer Person während der Spiele. Dies betrifft laut Bundeskartellamt unter anderem die Nutzung bestimmter "olympischer" Begriffe wie zum Beispiel Gold und Silber, die Aktivitäten auf Social Media oder die Verwendung von Wettkampfbildern. Bislang flossen die Erträge aus den Kampagnen mit Bildern und Namen der olympischen Athleten allein in die Kassen des IOC.

Thomas Konietzko (Wolfen), der Präsident des Deutschen Kanu-Verbandes, spricht von einem "wegweisenden Urteil des Bundeskartellamtes für die deutschen Athleten. Das könnte ein Ansatz für einen Kompromiss zwischen Athleten und IOC sein. Dass sie bei Olympia mit ihren individuellen Werbepartnern präsenter sein dürfen." Die Vize-Weltmeisterin von 2015 über 100 Meter Hürden, Cindy Roleder (Leipzig), begrüßt die Entscheidung: "Das ist ein Schritt in die richtige Richtung, aber es sollte noch lange nicht das Ende sein. Die Regeln sind jetzt etwas offener gestaltet. Man muss jetzt nicht mehr den Vermarkter anmelden und kann laufende Kampagnen weiterlaufen lassen. Das ist jetzt einfacher für usn Athleten, aber man sollte es immer noch offener gestalten."

Cindy Roleder
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Keine Forderung nach 25 Prozent mehr

Der Verein "Athleten Deutschland" hatte das Verfahren beim Bundeskartellamt maßgeblich begleitet und auch weitere Forderungen an das IOC gestellt. So sollen in Zukunft 25 Prozent aus den Vermarktungs- und Übertragungserlösen direkt an die Sportler fließen. Darüber gibt es aber Streit. Athletensprecher Jonathan Koch sagte: "Alles wird professioneller, überall fließt Geld, nur nie an die Athleten direkt." Nach Gesprächen in Lausanne, unter anderem mit IOC-Präsident Thomas Bach, trat er von der Forderung nach 25 Prozent aber wieder zurück.

Dem "Deutschlandfunk" sagte der Ruderer: "Jeder weiß, dass Olympische Spiele sehr viel Geld kosten, sehr viel Geld verschlingen. Im Vier-Jahres-Zyklus schüttet das IOC schon 50 Prozent an die Ausrichter Olympischer Spiele aus, was 2,5 Milliarden Dollar entspricht. Dieser Posten ist absolut gerechtfertigt." Im Austausch mit Athletenkommissionen aus ärmeren Ländern habe er mitbekommen, "dass da vieles wirklich noch in den Startschuhen steckt. Und gerade dort ist jeder Pfennig, auch wenn er nicht unbedingt 100 Prozent transparent seinen Weg findet, dennoch nicht verkehrt."

Rio 2016, Deutsche Medaillengewinner Siegerehrung, Annekatrin Thiele, Carina Baer, Bär, Julia Lier und Lisa Schmidla, GER, Team Deutschland.
Der deutsche Doppelvierer nach Gold in Rio 2016: (v.r.) Annekatrin Thiele, Carina Bär, Julia Lier und Lisa Schmidla Bildrechte: imago/Sven Simon

Das sieht auch Kanu-Chef Thomas Konietzko so. Der 55-Jährige gibt weiterhin zu bedenken: "Man kann nicht die Entwicklung eines Talentes sozialisieren - er startet in einem Verein, das Talent wird entdeckt, Ehrenamtliche unterstützen ihn, später unterstützt ihn der Steuerzahler - und wenn die Spitze erreicht wird, dann sagt der Athlet: Aber jetzt will ich den Gewinn individualisieren." Dem MDR sagte er: "Ohne olympische Spiele hätten die Athleten auch nicht die Möglichkeit, ihr Talent auszuleben."

Die Kugelstoß-Weltmeisterin von 2015, Christina Schwanitz, sagte der Chemnitzer "Freien Presse": Eine direkte Beteiligung der Sportler an den Einnahmen würde ich als großes Dankeschön empfinden. In Polen zum Beispiel erhält ein Olympiasieger 50.000 Euro und jeder Medaillengewinner eine lebenslange monatliche Rente. Beides muss nicht versteuert werden. In Deutschland bekommt ein Olympiasieger 20.000 Euro, die er versteuern muss."

Cindy Roleder meint: "Olympia ist ein Vier-Jahres-Rhythmus, wir trainieren extrem auf diesen Tag hin - und den sollte man auch dementsprechend belohnen." Unterstützung kommt auch vom Star der Nordischen Kombination, Eric Frenzel. Der Olympiasieger sagte der "Freien Presse": "Ich finde es großartig, dass so etwas von den deutschen Athletenvertretern angeschoben wird. Die Athleten sind bei Olympia das höchste Gut."

Christina Schwanitz
Die Kugelstoß-Weltmeisterin von 2015, Christina Schwanitz Bildrechte: imago images / Chai v.d. Laage

Roleder nimmt Bach-Forderung auf

IOC-Präsident Thomas Bach rief die Athleten dazu auf, noch mehr Verantwortung in den Führungsgremien ihrer nationalen Sportorganisationen zu übernehmen. "Dort wird das Geld verteilt, dort gehen die Bewerbungen für Förderung ein", sagte der Tauberbischofsheimer. Er appellierte an die Sportler, so selbst dafür zu sorgen, dass die Überschüsse, die mit den Olympischen Spielen erwirtschaftet und an die nationalen Verbände ausgeschüttet werden, die Sportler tatsächlich erreichen. Cindy Roleder erwidert: "Dann sollten sie uns auch die Chance dafür geben. Wir haben nur eine Athletensprecherin in der Leichtathletik. Man sollte mehr Athleten in die Gremien lassen."

Cindy Roleder im Interview
Cindy Roleder Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Bach sprach sich zudem dafür aus, den Experten auf nationaler Ebene die Entscheidung darüber zu überlassen, wie die Gelder eingesetzt werden: "Wir wollen ein faires System, das die Solidarität sichert zwischen den 206 Nationalen Olympischen Komitees sowie zwischen extrem populären und weniger populären Sportarten." Das IOC schütte Geld nur an nationale Olympische Komitees aus. Diese seien dann in der Verantwortung, wie sie das Geld verteilen.

Thomas Bach
IOC-Präsident Thomas Bach Bildrechte: imago/Xinhua

400 Athleten-Vertreter in Lausanne

Zum Athleten-Forum in Lausanne wurden sämtliche 206 Nationalen Olympischen Komitees sowie Athletenvertreter der WADA, der internationalen Sportverbände, des Behindertensports und der Organisationskomitees eingeladen. Insgesamt tummelten sich am vergangenen Wochenende knapp 400 Athletenvertreter in Lausanne.

sid/dpa/cke

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 16. April 2019 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. April 2019, 13:54 Uhr

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