Motorsport | Motorrad-WM Endlich wieder volle Tribünen am Sachsenring

Nach zwei vom Coronavirus geprägten Jahren fiebern nicht nur 200.000 Motorsport-Fans, sondern auch das Gastgewerbe auf die Motorrad-WM auf dem Sachsenring entgegen. Am Wochenende (17. - 19. Juni) ist es endlich wieder soweit.

Fans von MotoGP Fahrer Valentino Rossi zünden Feuerwerkskörper
Zwei Jahre mussten sie pausieren, jetzt sind sie wieder dabei: Die Fans am Sachsenring Bildrechte: IMAGO / Photo2000

Wer für dieses Wochenende noch ein Zimmer in Hohenstein-Ernstthal und Umgebung sucht, hat schlechte Karten. "Wir bekommen jeden Tag noch Anfragen, sind aber schon seit Langem ausgebucht", erzählt Bernd Frank, Chef des altehrwürdigen Hotels "Drei Schwanen" mit 36 Zimmern im Herzen der Stadt. Das gehe allen Häusern im Umkreis von etwa 30 Kilometern so - trotz mitunter saftigen Preisaufschlägen. Nicht nur Frank und sein Team sind froh, dass am Wochenende wieder erwartungsgemäß rund 200 000 Gäste die Rennen auf dem Sachsenring live erleben können. "Die Situation in den vergangenen beiden Jahren war sehr deprimierend für alle", sagt er.

Ende der Zwangspause für den "Mythos Sachsenring"

Am Wochenende ist es wieder soweit. Von Freitag bis Sonntag (17. - 19. Juni) findet auf dem Sachsenring im Landkreis Zwickau mit der Motorrad-WM eine der größten Sportveranstaltungen Ostdeutschlands statt. Sie lockt alljährlich nicht nur die weltbesten Fahrer nach Sachsen, sondern auch Massen von Motorsport-Fans und Partyhungrigen. Mehr als 201 000 Besucher hatte das Rennen an dem traditionsreichen Standort 2019 angelockt. Danach versetzte die Corona-Pandemie dem ganzen Spektakel einen herben Dämpfer: 2020 fiel der Grand Prix in Deutschland ganz aus, 2021 fand er ohne Zuschauer statt.

Dabei sind die immer mehr als 100.000 Zuschauer ein elementarer Bestandteil des "Mythos Sachsenring". Schon bei der Erstauflage im Mai 1927 kamen 140.000 Menschen in Scharen nach Hohenstein-Ernstthal, um das Spektakel auf der Rennstrecke zu verfolgen.

Grand Prix der DDR 1968 auf dem Sachsenring
Tausende Motorsportfans beim 11. Grand Prix der DDR auf dem Sachsenring im Sommer 1968. Bildrechte: imago/Robert Michael

Ein Geldsegen für eine ganze Region

Für die Menschen der Region brach in den letzten beiden Jahren also nicht nur ein Identifikationspunkt weg, sondern auch eine wichtige Einnahmequelle. Von den Besuchern profitiert nicht nur das Gastgewerbe, sondern Handel, Tankstellen, die Veranstaltungsbranche, Sicherheitsdienste und Taxibetriebe. Der ADAC als Veranstalter verweist auf eine Studie der TU Chemnitz, wonach die Besucher 2012 bis 2016 jährlich mehr als 23 Millionen Euro ausgegeben haben; knapp 11,3 Millionen Euro davon haben den Forschern zufolge "wertvolle wirtschaftliche Impulse" für die Region.

Diese Beträge dürften seither noch deutlich gestiegen sein, schätzt ADAC-Sprecher Oliver Runschke. Für das Rennen am Wochenende rechnet der Automobilclub nach dem Corona-Tal nun wieder mit mehr als 200 000 Besuchern am Sachsenring - so wie vor der Pandemie. ADAC-Sportpräsident Dr. Gerd Ennser hielt diese Woche in einem BILD-Interview sogar noch höhere Zahlen für möglich: "Der Vorverkauf war brillant und übertraf im Grunde alle Erwartungen. Wenn auch das Wetter hält und die Tageskasse ähnlich erfolgreich läuft wie der Vorverkauf, werden wir vermutlich Rekorde brechen."

Weltweite Werbung für den Freistaat

Valentino Rossi, Hiroshi Aoyama und der Amerikaner Hector Barbera steuern 2011 ihre Motorräder
Motorradstar Valentino Rossi (l.) kann bezeugen, welche Magnetwirkung der Sachsenring auf Motorsport-Fans hat Bildrechte: dpa

"Die MotoGP ist einer unserer Leuchttürme", sagt Sandra Loos, kommissarische Geschäftsführerin der Tourismusregion Zwickau. "Wir sind landkreisweit ausgebucht." Das betreffe nicht nur Hotels, sondern auch Pensionen, Ferienwohnungen oder Zeltplätze. "Manche Bauernhöfe funktionieren ihre Wiese kurzerhand zum Campingplatz um." So einen Motor brauche der Tourismus nach den vielen schwierigen Monaten, die hinter ihm lägen, betont Loos. Allgemein leide das Gastgewerbe zudem unter dem Trend, dass immer kurzfristiger gebucht werde. Eine lange im Voraus feststehende Großveranstaltung sei dagegen fest planbar und sehr hilfreich für die Betriebe.

Für die Stadt Hohenstein-Ernstthal mit gut 14 000 Einwohnern und den Landkreis Zwickau sind der Motorrad-Grand-Prix und der Sachsenring mit seinem Verkehrssicherheitszentrum zudem wichtige Imagefaktoren. ADAC-Sprecher Runschke spricht von einem "weltweiten Werbewert für die Region und den Freistaat". Nicht nur, dass das Rennen in vielen Ländern live im Fernsehen übertragen wird; es kommen auch Hunderte Journalisten aus dem In- und Ausland, um darüber zu berichten.

Vorfreude auf viele Fans in bunter Kleidung

Jenseits des Rennbetriebs auf dem Sachsenring herrscht am Grand-Prix-Wochenende ebenfalls reges Treiben - allen voran auf dem Ankerberg-Gelände. Dort zelten nicht nur viele Besucher. Auch DJs und Bands sorgen für eine große Party. Aber auch direkt in der Stadt - etwa auf dem Markt - kommen an den Tagen Fans zum Feiern zusammen.

Fans bei einem MotoGP Rennen auf dem Sachsenring in Hohenstein-Ernstthal
Teil des Spektakels: Enthusiastische Fans beim MotoGP 2019 auf dem Sachsenring Bildrechte: imago/Andreas Gora

So gehört der Motorsport für viele Menschen in der Region fest zur DNA. Früher verlief die Rennstrecke sogar durch die Stadt, erzählt Oberbürgermeister Lars Kluge (CDU). "Ich erinnere mich noch gut an den Geruch von Rennbenzin, wenn ich als Kind in den Kindergarten gegangen bin", sagt der 45-Jährige. Er freue sich nun auf die vielen Fans in bunter Fan-Kleidung, die das Stadtbild prägen werden. Der Grand Prix sei für die Menschen und Gewerbetreibende hier immens wichtig, betont Kluge. "Überall in der Stadt war ein Aufatmen zu spüren, als klar war, dass die MotoGP wieder mit Publikum möglich ist."

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jas/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | SACHSENSPIEGEL | 18. Juni 2022 | 19:00 Uhr

3 Kommentare

mamola vor 8 Wochen

Auffällig auch das sich da keiner vermummt und sich aufspielt, als sei er der Größte, wie in den Fußballstadien dieser Welt oft zu sehen. Davon abgesehen ist es immer noch ein Unterschied, ob man die Dinger in einen fast geschlossenen Fußballstadion (also mit Überdachung) zündet oder quasi in freier Natur. Auch habe ich noch die ein Bengalo auf die Strecke fliegen sehen. Zuletzt in Dresden oder auch in St. Etienne wurde einem anschaulich vorgeführt, wie es beim Fußball aussehen kann?

Reisender vor 9 Wochen

Bildunterschrift: Teil des Spektakels: Enthusiastische Fans beim MotoGP 2019 auf dem Sachsenring.
Ist schon komisch, wie bei Euch, dem MDR, mit zweierlei Maß gemessen wird.
Aber so ist das eben, wenn zwei das Gleiche tun ist es noch lange nicht das Selbe.
@ Voice, hätte gern Deine Meinung dazu.
Schöne Woche

mamola vor 9 Wochen

Ohne den Doctor #46 macht das keinen Spass und nun fällt auch noch der King of Sachsenring #93 aus. Bin gespannt wie viele Zuschaer es letztendlich werden.