Leichtathletik Nach Weltrekord: Para-Weitspringer Rehm will zu Olympia

Mit 8,62 Metern ist Markus Rehm weiter gesprungen als alle deutschen Weitspringer bisher. Nun soll der Traum von Olympia wahr werden. Der Leichtathletik-Verband wehrt sich aber und sieht den Weltverband in der Pflicht.

Paralympics-Sieger Markus Rehm und der Traum von Olympia. Der Para-Weitspringer möchte in diesem Jahr nicht nur an den Paralympics sondern auch bei den Olympischen Spielen teilnehmen. "Das wäre toll. Mein großes Ziel ist, eines Tages bei den Olympischen Spielen zu stehen und Werbung für meinen Sport zu machen", sagte der 32-Jährige im MDR.

Mit 8,62 Metern zu Weltrekord und sechstem EM-Gold

Rehm hatte am Dienstag (01.06.2021) bei der Para-EM im polnischen Bydgoszcz mit einer Fabel-Weite von 8,62 Metern für Furore gesorgt und damit die Olympianorm von 8,22 Metern locker geknackt. Mit dieser Weite will sich Rehm nun am Wochenende bei den Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften in Braunschweig präsentieren. "Ich will an den Start gehen. Ich bin gemeldet und wenn alles gut geht, werde ich in Braunschweig am Start sein. Ich bin sehr gespannt."

Verband: "Gemeinsam Springen - getrennt werten"

Der Wunsch von Rehm auf Sprünge in der Konkurrenz der Nicht-Behinderten wies der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) allerdings umgehend zurück. "Unser Motto ist: 'Gemeinsam Springen - getrennt werten'. Damit sind wir in der Vergangenheit schon ganz gut gefahren", erklärte Verbands-Präsident Jürgen Kessing auf einer Pressekonferenz am Mittowch (02.06.2021). Bundestrainerin Annett Stein ergänzt: "Einem Start in Braunschweig steht nichts entgegen. Aber bei der Einordnung der Wertung haben wir eine Regelung, die ein gemeinsames Werten der Wettkampfleistung nicht erlaubt".

CAS-Urteil dreht Beweispflicht um

Dabei hat Rehm bei seiner Hoffnung auf Olympia und die Leichtathletik-Meisterschaft sogar ein Urteil des Internationalen Sportgerichtshofes CAS auf seiner Seite. "Es gibt da eine Regeländerung. Der Verband muss mir nachweisen, dass ich einen Vorteil habe", erklärt der Leverkusener die Gerichtsentscheidung von Oktober 2020. Zudem weiß Rehm: "Studien zeigen, dass man nicht von Vorteil oder Nachteil sprechen kann."

DLV: "CAS-Urteil richtet sich an Weltverband"

Der DLV gibt die Verantwortung für die Umsetzung des CAS-Urteils an den Internationalen Leichtathletik-Verband IAAF weiter: "Dieses CAS-Urteil richtet sich gegen den Weltverband. Der Weltverband ist Herrscher der Internationalen Wettkampfregeln. Diese müssten erst einmal geändert werden", erläutert DLV-Mediendirektor Peter Schmitt. "Der Grund für unsere Position ist: Beide Seiten haben so Rechtsicherheit. Mit dieser Regelung, die der Markus kennt, sind wir jetzt viele Jahre unterwegs."

Markus Rehm GER gewinnt Gold mit neuem Weltrekord 8,62m beim Weitsprung der Männer in der Klasse T64 bei den World Para Athletics European Championships am 01.06.2021 im Zdzislaw Krzyszkowiak Stadion in Bydgoszcz
Rehm mit seiner Weite bei der Para-EM in Polen. Bildrechte: imago images/Beautiful Sports

"Medaillen hole ich bei den Paralympics"

Rehm setzte sich mit seinen 8,62 Metern von Dienstag an die Jahres-Weltbestenliste und sprang weiter als alle Nicht-Behinderten.

Bei seinem Kampf um einen Start bei den Meisterschaften und Olympia geht es Rehm nach eigenen Aussagen gar nicht um Edelmetall, obwohl er natürlich auch weiß: "Mit so einer Weite könnte ich auch eine Medaille gewinnen. Aber darum geht es mir nicht. Meine Goldmedaille möchte ich bei den Paralympischen Spielen gewinnen. Alles was davor passiert, ist eine tolle Werbung für uns."

Dirk Hofmeister

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Aktuell | 02. Juni 2021 | 17:45 Uhr

5 Kommentare

MikeS vor 15 Wochen

Mit einer Prothese ist man nicht bevorteilt .... aber mit DIESER Sportprothese wohl schon, denn sie wurde zu einem besonderen sportlichen (!) Zweck entwickelt.

MikeS vor 15 Wochen

Bei allem Respekt, aber hier führt mit hoher Wahrscheinlichkeit die technische Entwicklung der Prothese zu einer solchen Sprungweite. Die "normalen" Trainingseffekte eines nicht behinderten Sportlers treten in den Hintergrund. Der Verband müsse ihm nachweisen, dass er keinen Vorteil habe ... hat er denn selbst keinerlei Bedenken und Realitätszweifel?

AufmerksamerBeobachter vor 15 Wochen

Was mich irritiert, ist die Olympianorm; 8.22? Dombrowski sprang in den 80ern 8.40, wer soll diese Weite unter 'marktwirtschaftlichen' Bedingungen in D schaffen?

Angesichts dessen kann man eigentlich nicht mehr von Behinderung sprechen, mit Prothese ist man eher bevorteilt?