Nordische Kombination | Weltcup in Klingenthal Klingenthal: Spontan-Training der Kombinierer und Weltcup-Zukunft

Der Start in das Klingenthaler Kombinierer-Wochenende verlief anders als geplant. Trotzdem erhoffen sich die Vogtländer vom kurzfristig übernommenen Weltcup-Finale nachhaltige und auch finanzielle Vorteile.

Nordische Kombination in Klingenthal
Der Sprungturm der Schanze in Klingenthal. Bildrechte: MDR/Dirk Hofmeister

Der Freitagnachmittag (19.03.2021) in Klingenthal war jetzt nicht unbedingt der gewünschte Bilderbuch-Start für die Nordischen Kombinierer in das letzte Weltcup-Wochenende des Winters. Heftige Windböen sausten durch die Vogtland Arena und wechselten sich mit Schneefall und starken Hagelschauern ab. Die für den Nachmittag angesetzten Trainings und der provisorische Wettkampfsprung (PCR) wurden erst halbstündlich verschoben – und schließlich am Abend komplett abgesagt.

Profitieren die Deutschen von einem Spontan-Training?

Samstagvormittag (20.03.2021) sollen Training, PCR und Wertungssprung nachgeholt werden. An der windanfälligen Schanze im sächsischen Vogtland ist das durchaus ein anspruchsvoller Plan, auch wenn Wind und Schnee am Samstagmorgen nachlassen sollen. Möglich, dass die deutschen Kombinierer dann von einem Training profitieren, dass sie ganz außer der Reihe bereits am Donnerstag (18.03.2021) springen durften.

"Laborbedingungen"

Spontan hatte der Veranstalter einen Wunsch der deutschen und der italienischen Kombinierer erfüllt und mit zusätzlichem Einsatz die Schanze schon einen Tag vor dem Plan fertig präpariert. "Die Schanze ist ja ohnehin da, wir haben sie ihnen schnell hergerichtet", erklärt Alexander Ziron, als Geschäftsführer des VSC Klingenthal mitverantwortlich für die Spontan-Aktion, die den Deutschen zum Saisonfinale vielleicht das kleine Quäntchen Vorteil bringen könnte, das ihnen in Oberstdorf gefehlt hat, als sie bei der enttäuschenden Heim-WM ohne Einzelmedaille blieben. Ziron berichtet von einer "Traum-Trainingseinheit unter Laborbedingungen und mit vielen Sprüngen über 140 Meter".

Nordische Kombination in Klingenthal
Zu viel Wind am Freitag in Klingenthal - das Training musste verschoben werden. Bildrechte: MDR/Dirk Hofmeister

Die deutschen Athleten mögen Klingenthal

Die deutschen Kombinierer mögen die Schanze in Klingenthal, beim letzten Weltcup vor den Titelkämpfen in Oberstdorf feierte Vinzenz Geiger hier zwei Siege, zudem schafften es Fabian Rießle und Eric Frenzel aufs Podest. Und auch Klingenthal freut sich über den zweiten NoKo-Weltcup in diesem Winter. "Wir versuchen, den Namen Klingenthal in die Welt hinauszutragen", sagt Ziron. Und: "In den Zeiten der Pandemie, wo alles geschlossen ist, liegt ein weiterer Vorteil darin, dass unsere Leute vor Ort eine anspruchsvolle Aufgabe haben."

Zusage nach Rückbau-Ende

So habe der VSC nach der schneemangelbedingten Absage des Weltcup-Finals im Schwarzwälder Schonach mehrfach nachdrücklich beim Deutschen Skiverband das Interesse für die Veranstaltung hinterlegt. Die Zusage kam dann ausgerechnet an dem Tag, an dem Klingenthal den Rückbau des Februar-Weltcups beendet hatte. Heißt: "Wir hatten alle Schneereserven zu einem großen Berg zusammengeschoben, den wir über den Sommer bringen wollten. Wir hatten fünf Kilometer Kabel aus dem Wald geschafft. Wir hatten sämtliche Infrastruktur abgebaut." Also Kommando zurück, Schnee zurück auf die Strecke, Kabel in den Wald, Absperrgitter, Kameratechnik, Zelte wieder aufgebaut. "Das war eine Woche straffe Arbeit", erklärt Ziron.

Nordische Kombination in Klingenthal
Alexander Ziron: "Eine Woche straffe Arbeit" Bildrechte: MDR/Dirk Hofmeister

300 Freiwillige in zehn Minuten

Auch ohne Zuschauer helfen 300 Freiwillige, damit die für das Wochenende geplanten zwei Wettkampftage über die Bühne gehen können. In Rekordzeit hatte Zitron diese Volunteers beisammen: "Von der Zusage bis zur prinzipiellen Bereitschaft der 300 ehrenamtlichen Helfer hat es nur zehn Minuten gedauert", berichtet der VSC-Geschäftsführer. Der Zuspruch über Social-Media- und Messenger-Kanäle sei riesengroß gewesen.

Hoffnung auf mehrere Weltcups im kommenden Winter

Riesengroß sind auch die Hoffnungen und Erwartungen an die kommende Saison. Nachdem Klingenthal im Februar als erster deutscher Austragungsorte an einem Tag einen Skisprung- und einen Kombinierer-Weltcup erfolgreich ausgerichtet hat und nun spontan für Schonach eingesprungen ist, erhoffen sich die Vogtländer nachhaltige Effekte auf den nächsten Winter. Die Gespräche mit dem Weltverband FIS seien bereits fortgeschritten. "Nach aktuellen Planungen dürfen sich die Wintersportfans in Sachsen auf viele Veranstaltungen im kommenden Winter freuen", sagt Ziron. "Über mehrere Weltcups und mehrere Continentalcups." Konkreter wird er nicht, es dürfte dabei aber u.a. um einen Skisprung-Weltcup im Dezember und einen NoKo-Weltcup im Februar gehen.

"Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung"

Dann hoffentlich auch wieder mit Zuschauern. Denn die braucht die Region. "Wir leisten einen Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung. An einem normalen Weltcup-Wochenende machen wir alle Betten in der Gegend voll", erklärt Zrion, der selbst Hotelbesitzer ist und allein von Dezember bis Ende Februar Umsatzeinbußen von knapp einer halben Million Euro verzeichnen musste.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | Wintersport im Ersten | 20. März 2021 | 11:00 Uhr

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