Radsport Eine Legende auf dem Rad - Olaf Ludwig wird 60

Ein großer Star im Radsport und dennoch immer einer, der auf dem Boden geblieben ist. Olaf Ludwig, Olympiasieger, Friedensfahrt-Gewinner und Sprintsieger bei der Tour de France. Der Thüringer feiert am Ostermontag (13.04.2020) seinen 60. Geburtstag.

Olaf Ludwig 3 min
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So 12.04.2020 16:06Uhr 03:09 min

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Eine ganze Generation von Radsport-Fans lag ihm zu Füßen. Dem Mann aus Gera mit dem unwiderstehlichen Antritt. Olaf Ludwig begeisterte nicht nur in der früheren DDR, wo er in den 80er-Jahren zwei Mal die Friedensfahrt gewann und 1988 in Seoul Olympiasieger wurde. Auch als Profi nach der Wende machte der Thüringer von sich reden, holte das Sprinttrikot bei der Tour de France und wurde 1993 Dritter bei der Weltmeisterschaft, übrigens hinter Lance Armstrong und Miguel Indurain. Später war er als Teamchef ein Strippenzieher in der Radsport-Szene: Ludwig kennt das ganz große Profigeschäft und seine Tücken.

Radsportlegende Olaf Ludwig

Olaf Ludwig 1977 mit seinem Rennrad auf Kuba
1977 feierte Olaf Ludwig seinen ersten interantionalen Erfolg. Er wurde mit dem Vierer Junioren-Weltmeister. Hier ist Ludwig beim Training auf Kuba. Bildrechte: imago images / Camera 4
Olaf Ludwig 1977 mit seinem Rennrad auf Kuba
1977 feierte Olaf Ludwig seinen ersten interantionalen Erfolg. Er wurde mit dem Vierer Junioren-Weltmeister. Hier ist Ludwig beim Training auf Kuba. Bildrechte: imago images / Camera 4
Team Friedensfahrt 1986 - Dan Radtke, Olaf Ludwig, Mario Kummer, Thomas Barth, Uwe Raab, Uwe Ampler, Jens Heppner
Das DDR-Friedensfahrt-Team bei der "Tschernobyl"-Tour 1986 - die gewann Olaf Ludwig (2.v.l.) Bildrechte: IMAGO
Olympiasieger Olaf Ludwig DDR jubelt
Wenige Tage zuvor habe er noch "versagt", erinnert sich Ludwig an die Olympischen Spiele zurück. Bildrechte: imago images/Sven Simon
Olaf Ludwig reißt bei Zieleinfahrt jubelnd er die Arme empor.
Nach der Wende feierte Ludwig auch bei den Profis Erfolge, wie hier bei der Tour de France, wo er seinen einstigen Dauerrivalen Dschamolidin Abduschaparow wiedersah. Bildrechte: dpa
Siegerehrung v.li.: Miguel Indurain (Spanien / Platz 2), Weltmeister Lance Armstrong (USA) im Regenbogentrikot und Olaf Ludwig (Deutschland / Platz 3)
Olaf Ludwig feiert WM-Bronze - vor ihm lagen nur Lance Armstrong (mi.) und Miguel Indurain (li.) Bildrechte: imago images / Sirotti
Olaf Ludwig und Uwe Ampler in Kiew 1986.
Die ersten drei Etappen wurden in und um Kiew gefahren. Hier rechts neben Olaf Ludwig mit Uwe Ampler, der später drei Mal in Folge die Friedensfahrt für sich entscheiden sollte. Bildrechte: IMAGO
Olaf Ludwig (DDR, re.) am Start, 1986
Olaf Ludwig beim Start zur Etappe in Kiew. Wenige Tage zuvor war in Tschwernobyl ein Atom-Reaktor explodiert. Bildrechte: imago/Camera 4
Olympiasieger Olaf Ludwig reißt beim Zieleinlauf in Seoul jubelnd die Arme hoch.
Sei größer Erfolg als Amateur: Olaf Ludwig jubelt, nachdem er in Seoul den Olympiasieg eingefahren hatte. Bildrechte: IMAGO
Trainer Wolfram Lindner (re.) und Olaf Ludwig 1988
Ludwig nach dem Olympiasieg 1988 mit dem DDR-Nationaltrainer Wolfram Lindner. Bildrechte: imago/Camera 4
Olympiasieger Olaf Ludwig, Bernd Gröne  und Christian Henn stehen in Seoul auf dem Treppchen.
Die Siegerehrung von Seoul - hinter Ludwig belegten die BRD-Fahrer Bernd Gröne und Christian Henn die Plätze zwei und drei. Bildrechte: IMAGO
Olaf Ludwig bejubelt Tagessieg 1990
Bei seiner ersten Teilnahme sicherte sich Olaf Ludwig bei der Tour de France 1990 das Grüne Trikot des besten Sprinters. Bildrechte: imago images / Bürhaus
Jan Ullrich und Olaf Ludwig, 2004
Jan Ullrich, einst Tour-Sieger und Sympathierträger wird 2006 wegen Dopings von der Tour de France ausgeschlossen. Auch das Aus für den sportlichen Leiter von T-Mobile Olaf Ludwig. Bildrechte: imago images / Chai v.d. Laage
Olaf Ludwig
Heute organisiert Ludwig noch Radtouren in Bulgarien. Herzlichen Glückwunsch zum 60. Bildrechte: imago images / opokupix
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Als Amateur - Krönung Olympiasieg 1988

Der Traum von der Friedensfahrt, er war spätestens geboren, als Ludwig 1972 selbst im Stadion eine Zielankunft erlebtet. Bereits 1977 holte der Geraer seinen ersten Titel im Vierer bei der Junioren-WM. 1980 dann die erste Teilnahme am "Course de la Paix", ein Jahr darauf in Magdeburg der erste Etappensieg, und 1982 sicherte sich Ludwig den ersten Gesamtsieg bei der Rundfahrt. Den zweiten feiert Ludwig 1986, als die Tour wenige Tage nach der Katastrophe von Tschernobyl im nur 130 Kilometer entfernten Kiew begann. Ludwig, der auch die Startetappe für sich entschied, ist bis heute sicher: Wäre er nicht gestartet, wäre seine Karriere als Radrennfahrer beendet gewesen.

1988 dann die Krönung bei den Olympischen Spielen in Seoul, der Sieg im Einzelrennen vor den beiden westdeutschen Fahrern Bernd Gröne und Christian Henn. "Dabei war das Rennen zehn Kilometer vor dem Ziel für mich fast verloren. Aber mit meiner Erfahrung schaffte ich es und holte den größten Erfolg", erinnert sich Ludwig.

Olympiasieger Olaf Ludwig, Bernd Gröne  und Christian Henn stehen in Seoul auf dem Treppchen.
Bildrechte: IMAGO

Als Profi - Grünes Trikot und WM-Bronze

Die Wende kam. Ludwig, bereits knapp 30, entschied sich, als Profi weiterzumachen. Und hatte auch hier Erfolg. Es gab bei der Tour de France sogar ein Wiedersehen mit seinem alten Friedensfahrt-Rivalen Dschamolidin Abduschaparow, der wegen seines gefährlichen Fahrstils auch "Terror von Taschkent" genannt wurde. Heute sind beide übrigens gute Freunde, Ludwig war im vergangenen Jahr zum Geburtstag eingeladen. Damals habe man "zehn Kilometer vor dem Ziel noch Scherze gemacht, dann im Ziel aber versucht, den anderen in den Zaun zu fahren".  

Olaf Ludwig reißt bei Zieleinfahrt jubelnd er die Arme empor.
Leidenschaftliche Duelle zwischen Dschamolidin Abduschaparow (li.) und Olaf Ludwig Bildrechte: dpa

1990 feierte Ludwig bei seiner ersten Tour de France gleich den Gewinn des Grünen Trikots des Sprintbesten. Ein dritter Platz bei der WM 1993 in Oslo steht für den Thüringer aber mit ganz oben. Noch vor den Siegen beim "Amstel Gold Race" und bei "Vier Tage von Dünkirchen". "Auf diesem Kurs hat mir keiner etwas zugetraut. Andere Sprinter sind gar nicht mitgefahren. Darum ist dieser dritte Platz für mich etwas ganz Besonderes." Sein Abschiedsrennen fand am 3. Oktober 1996 in Gera statt.

Siegerehrung v.li.: Miguel Indurain (Spanien / Platz 2), Weltmeister Lance Armstrong (USA) im Regenbogentrikot und Olaf Ludwig (Deutschland / Platz 3)
Bildrechte: imago images / Sirotti


Aufstieg und Absturz mit T-Mobile

Nach der Rad- folgte die Funktionärskarriere, und die zunächst auch überaus erfolgreich. Zunächst war er Pressesprecher, später sogar Teamchef bei T-Mobile. Bis zum 30. Juni 2006 ging es aufwärts, dann kam das abrupte Ende. Das Aus von Jan Ullrich. "Das hat mich einige Lebensjahre gekostet. Es war keine einfache Zeit, auch finanziell, es war alles vorbei“, erinnert sich Ludwig.

Jan Ullrich, 2006
Das Aus für Jan Ullrich 2006 Bildrechte: imago images / Belga

Das hat er hinter sich gelassen. Ludwig, der seit einigen Jahren wieder in Gera lebt, ist dem Rad treu geblieben, auch wenn er mit der Profi-Tour nun nichts mehr zu tun hat. Stattdessen organisiert er Radreisen nach Bulgarien oder Hobby-Wettkämpfe auf Rügen. "Ich versuche, den Teilnehmern den Spaß am Radfahren zu vermitteln", so Ludwig.

Olaf Ludwig
Bildrechte: imago images / opokupix

Geburtstagsfeier abgesagt

Natürlich werden auch Ludwigs berufliche Aktivitäten von der Coronavirus-Pandemie beeinflusst. Veranstaltungen im Mai und Juni wurden schon abgesagt. Der frühere Profi, der seinen 60. Geburtstag gern mit 60 Gästen gefeiert hätte, sagt: "In der jetzigen Zeit ist es natürlich schwierig." Seine Feier fällt notgedrungen aus.

rei

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Thüringen Journal | 12. April 2020 | 19:00 Uhr

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