"Olympia im Osten" - Teil 11 Pictures, Pechstein und Politik

Raiko Richter ist Chef des ARD-Olympiateams bei den Winterspielen in Pyeongchang. Für MDR.DE schreibt er ein Tagebuch. Heute: Pictures, Pechstein und Politik.

Ein Paar macht ein Selfie am Strand vor einer Kunstinstallation aus zwei Bilderrahmen.
Bildrechte: MDR/Raiko Richter

"Take a picture - please". Bilder haben Sie gern hier, die Einheimischen. Die "Korean Times" genauso wie die Koreaner. Sie fotografieren - vor allem sich selbst. Im elektronischen Legoland von "Samsung" und "LG Electronics" mit dem schnellsten Internet der Welt müssen selbst die Polizisten bangen, dass sie nicht von Robotern aus dem Mutantenabteil von "Playmobil"  ersetzt werden.

Ein Soldat schaut einen Service Roboter mit Bildschirm an.
Bildrechte: MDR/Raiko Richter

Erste Problemchen gab es gestern erstmals auch im "Team D". Claudia Pechstein, die nur noch zwischen schwarz und weiß unterscheidet, erwischte einen schwarzen Tag. Und auch die alpinen Männer fahren ohne Medaille nach Hause.

Keine Jubel-Choregraphie einstudiert?

Ähnlich erging es den deutschen Skeleton-Piloten beim Olympiasieg des Südkoreaners Yun Sung Bin. Unser Eishockey-Team war nicht nur wegen der gemeinsamen Trikotfarbe gelb mit Weltmeister Schweden mindestens gleichwertig. Am Ende stand eine unglückliche 0:1-Niederlage. Historisch hingegen, das erste Tor der gemeinsamen koreanischen Eishockey-Mannschaft ausgerechnet gegen die ehemalige Besatzungsmacht Japan. Die von Kim aus Nordkorea entsandten rotbemantelten Jubelmädchen vergaßen ihre statische Choreografie und hüpften entfesselt durcheinander. Es sah so aus, als wäre ein Tsunami durch eine Tomatenplantage gefegt. Im nordkoreanischen TV wird dies nicht zu sehen zu sein. Hier werden noch immer Standbilder der Schwester des Machthabers von der Eröffnungsfeier hoch- und runtergenudelt. Sportliche Berichterstattung: Fehlanzeige.

Choreographie nordkoreanischer Zuschauer.
Bildrechte: imago/Sven Simon

Wiedervereinigung in weiter Ferne

Während sich Südkorea offen der Welt präsentiert, verharrt Nordkorea im Zeitalter des Transistorradios. Deshalb ist die Emotionalität das eine, die rationale Bewertung des Themas Wiedervereinigung das andere - und diese ist genauso so weit weg von der Realität, wie RB Leipzig vom Deutschen Meistertitel 2018. Ein solcher Bayern-Sturz wären dann "Pictures", die selbst in Korea für Aufsehen sorgen würden.

Olympische Grüße!
Raiko Richter

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR AKTUELL | 17. Februar 2018 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. Februar 2018, 10:27 Uhr

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