"Olympia im Osten" - Teil 12 Stau, Sensation und Silber

Raiko Richter ist Chef des ARD-Olympiateams bei den Winterspielen in Pyeongchang. Für MDR.DE schreibt er ein Tagebuch. Heute: Stau, Sensation und Silber.

Verkehrsstau
Bildrechte: MDR/Raiko Richter

"Der Fünfundfuffzjer  muss unser sein!" Wenn Schnittmeister Uwe Lerch diesen Satz durch die ARD-Redaktionsräume schmettert, dann ist es Zeit zu starten. Die Kollegen brauchen nach einer langen Schicht meist über eine Stunde mit dem Shuttle-Bus in ihre Unterkunft – wer freilich die Abfahrt verpasst …

Kreisverkehr als Parkplatz

Seit "Seollal" vor ein paar Tagen – so wird in Korea das Neujahrsfest nach dem chinesischen Mondkalender bezeichnet - hat sich die Verkehrslage in Pyeongchang dramatisch verschlechtert. Alle Südkoreaner scheinen zeitgleich zum Japanischen Meer zu strömen. Kreisverkehre werden zum Parkplatz. Der Toilettengang an der Raststätte, wird zu einem Ort, wo Frauen Ihren "Standpunkt" lange und intensiv austauschen können, weil sie eben minutenlang nur auf einem Punkt stehen.

Speise in Kugelform mit roter Soße
Zum Frühstück: Kimschi Bildrechte: MDR/Raiko Richter

Sauerkraut zum Frühstück

Am Wochenende stehen alle. Auch die Einheimischen an den Ticketschaltern beim Eiskunstlauf und Shorttrack, ihren Lieblingssportarten. Oder die Fische in den Aquarien der Restaurants – sie warten darauf, irgendwann verspeist zu werden. Oft ist es so, dass sich das Essen auf dem Teller mehr bewegt. Also, es lebt noch. Auch ein Frühstück, wie wir es kennen, macht der Koreaner nicht. Er ist Kimschi, die koreanische Variante des Sauerkrautes. Eine scharfe Mischung, die den Marmelade oder Nuss-Nougat-Creme gewöhnten deutschen Magen schon am Morgen vor ähnliche Herausforderungen stellt, wie die deutschen Langläufer bei der olympischen Medaillenjagd. Euphorisch am Start, dann zähflüssig und am Ende ist man zwar satt - aber eben nicht froh.

 

Cutter Uwe Lerch an seinem Arbeitsplatz
ARD-Cutter Uwe Lerch Bildrechte: MDR/Raiko Richter

Fleischermeister heimst Preis der Bäckerinnung ein

Die bisher größte Olympia-Sensation im "Jeongseon Alpine Centre" war für mich als Freizeitsnowboarder, der sich seine Kniegelenke immer noch mit zwanzig Jahre alten Hardboots ruiniert und erst seit kurzer Zeit wieder auf Skiern steht, eine echte, innere Genugtuung. Da gewinnt die Tschechin Ester Ledecka als Snowboard-Weltmeisterin den alpinen Super-G der Damen. Vor zwei Jahren war sie erst ihren ersten Ski-Weltcup überhaupt gefahren. Da freut man sich ungläubig  für unsere Nachbarn mit. Vergleiche hinken zwar meist, ich versuche es trotzdem: Dies war wie ein Sieg des ortsansässigen Fleischermeisters im Konditoren-Wettbewerb  der Bäckerinnung. Freude gab es auch im "Team D". Zweimal Silber - für Skeletonpilotin Jacqueline Lölling und für Andreas Wellinger von der Großschanze. Der Olympiasieger von der "Kleinen" hatte erneut den perfekten Absprung geschafft. Schnittmeister Uwe Lerch mit dem "Fünfundfuffzjer" auch. Der Shuttle stand nämlich auch im Stau.

Olympische Grüße!
Raiko Richter

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR AKTUELL | 18. Februar 2018 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Februar 2018, 10:57 Uhr

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