IOC | Sommerspiele Olympia 2020 in Tokio verschoben: Das sagen Spitzenathleten dazu

Viele Spitzenathleten haben sich für eine Verschiebung der Olympischen Sommerspiele 2020 in Tokio ausgesprochen. Nun ist der Ernstfall eingetreten. Geteilte Freude, geteiltes Leid: Nicht alle sehen es positiv. Hier eine Auswahl der Stimmen.

Olympischen Ringe in Tokio
Bildrechte: imago images/Kyodo News

Thomas Röhler (Speerwurf-Olympiasieger)

"An dieser Entscheidung haben viele aktiv und am Ende erfolgreich mitgewirkt. Es hat sich gezeigt: Wenn alle an einen Strang ziehen, Athleten und nationale Verbände, dann ist man nicht machtlos. Deswegen ist das für mich ein freudiger Moment. Der olympische Traum ist damit nicht ausgeträumt, er wird nur um ein Jahr verschoben."

Thomas Röhler, Speerwerfer 3 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Di 24.03.2020 16:45Uhr 02:33 min

https://www.mdr.de/sport/sport-im-osten/video-394238.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Thomas Röhler, Speerwerfer 3 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Di 24.03.2020 16:45Uhr 02:33 min

https://www.mdr.de/sport/sport-im-osten/video-394238.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

Robert Harting (Diskus-Olympiasieger)

Diskuswurf-Olympiasieger Robert Harting
Robert Harting Bildrechte: imago/Laci Perenyi

"Alles andere als sich der Weltgesundheit zu stellen und den Austragungszeitraum respektvoll anzupassen, würde das IOC zum Straftäter machen. Denn die Vereinten Nationen haben Gesundheit zu einem Menschenrecht erklärt. Dass ein Virus zur Olympia-Verschiebung führt, ist Wahnsinn. Diese Verschiebung kann für einige Sportler ein Grund für das Karriereende sein. Und selbst wenn man noch viele Jahre weitermachen möchte, die Luft ist bei vielen ganz sicher für Monate raus."

Elisabeth Seitz (WM-Dritte im Turnen)

Deutsche Meisterschaften 2018 im Turnen. Mehrkampf am 29.09.2018 in der Arena Leipzig. Im Bild: Elisabeth Seitz
Elisabeth Seitz Bildrechte: IMAGO

"Einerseits bin ich erleichtert, andererseits aber auch traurig. Aber da wir sowieso nicht mehr trainieren konnten, sehe ich die Verschiebung als einzig richtige Entscheidung. Die Qualifikationen hätten ohnehin nicht stattfinden können - die Gesundheit geht jetzt vor. Olympia dieses Jahr auszutragen, wäre echt zu gefährlich geworden."

Marcel Nguyen (zweimaliger Olympia-Zweiter im Turnen)

"Es gab keine Alternative. Hoffentlich feiern wir alle 2021 ein großes Festival in Tokio - und dieser Unsinn für das Training im Garten ist jetzt zu Ende."

Marcel Nguyen
Marcel Nguyen Bildrechte: imago/Beautiful Sports

Ronald Rauhe (Olympiasieger im Kanurennsport)

"Das war gesellschaftlich unumgänglich. Diese Spiele wären die Hölle für uns gewesen. Wir waren in einem ständigen Dilemma: Auf der einen Seite wollten wir trainieren, auf der anderen unserer Vorbildfunktion in der Gesellschaft gerecht werden und Kontakte meiden. Andererseits: Ich wollte nach den Spielen meine Karriere beenden. Jetzt muss ich das erstmal sacken lassen und mit meiner Frau Gespräche führen. Das dauert jetzt vielleicht ein paar Wochen."

Ronald Rauhe und Tom Liebscher, Team Germany
Ronald Rauhe und Tom Liebscher Bildrechte: IMAGO

Niklas Kaul (Zehnkampf-Weltmeister/Sportler des Jahres)

"Die Verschiebung der Olympischen Spiele in Tokio ist richtig für alle Sportler. Ich hoffe, dass wir alle 2021 die Spiele bekommen, die wir uns erträumen. Jetzt ist Zeit, an den Schwächen zu arbeiten - was mir natürlich nicht schmeckt."

Niklas Kaul
Niklas Kaul Bildrechte: imago images/Xinhua

Cindy Roleder (Vize-Weltmeisterin im Hürdensprint)

Cindy Roleder und Pamela Dutkiewicz
Cindy Roleder und Pamela Dutkiewicz Bildrechte: imago/Action Plus

"Es ist die einzig richtige Entscheidung, die man treffen konnte. Gesundheit ist das A und O. Wir sind gerade in einer sehr schwierigen Situation, nicht nur wir Sportler, sondern alle Menschen. Deshalb wird der Sport jetzt erstmal hinten angestellt. Das Wichtigste ist jetzt, diese Pandemie in den Griff zu bekommen. Dann kann man über weitere Maßnahmen, was den Sport angeht, sprechen."

Pauline Grabosch (Teamsprint-Weltmeisterin im Bahnrad)

Pauline Grabosch im Interview. 5 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Mi 25.03.2020 09:14Uhr 05:21 min

https://www.mdr.de/sport/sport-im-osten/video-394424.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Pauline Grabosch im Interview. 5 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Mi 25.03.2020 09:14Uhr 05:21 min

https://www.mdr.de/sport/sport-im-osten/video-394424.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

Emma Hinze (dreifache Bahnrad-Weltmeisterin)

Lea Sophie Friedrich und Emma Hinze holen Silber bei der Bahnrad-EM in Apeldoorn
Lea Sophie Friedrich und Emma Hinze Bildrechte: imago images/VI Images

"Einerseits ist es schade, andererseits finde ich das für mich persönlich gar nicht so schlimm, weil ich noch jung genug bin, auch in den Folgejahren noch an Olympischen Spielen teilnehmen zu können. Meine Leistungskurve geht noch nach oben. Das trifft andere härter. Aber die Entscheidung ist vollkommen richtig und nachvollziehbar. Der Sport ist wichtig, aber die Gesundheit ist wichtiger. Jetzt haben wir lange Zeit, uns für das Event vorzubereiten."

Maximilian Schachmann (deutscher Straßenradmeister)

"Das IOC hat Verantwortung gezeigt und die richtige Entscheidung getroffen und den Sportlern den Druck von den Schultern genommen."

Maximilian Schachmann überquert mit schmerzgeplagter Mine die Ziellinie.
Maximilian Schachmann Bildrechte: imago images / Panoramic International

Gesa Krause (Hindernis-Europameisterin)

Gesa Krause
Gesa Krause Bildrechte: imago images/Chai v.d. Laage

"Während unsere Welt in einer Krise steckt ist die Verlegung von Olympia die einzig richtige Entscheidung. Die Gesundheit eines jeden einzelnen und der Schutz unserer Gesellschaft sollte immer im Vordergrund stehen. Auch wenn man es vorhersehen konnte, so ist die endgültige Entscheidung dennoch schockierend. Mein Leben war auf dieses Event ausgerichtet und die Veränderung zu verarbeiten benötigt sicher etwas Zeit. Meine Ziele haben sich nicht geändert. Sie sind nur um ein Jahr verschoben. Die Arbeit geht also weiter."

Frank Stäbler (Ringer-Weltmeister)

Frank Stäbler beim Ringen mit Demeu Zhadrayev
Frank Stäbler Bildrechte: IMAGO/Xinhua

"Mein Olympia-Traum ist verschoben - nicht geplatzt. Auch wenn es für mich aktuell schwer zu greifen ist, es ist die absolut richtige Entscheidung die Spiele zu verlegen. In diesen Zeiten müssen wir an die Gesundheit der Menschen denken, da muss der Sport zurück stehen. Ich habe in meiner Karriere gelernt mit Unwägbarkeiten umzugehen."

red/dpa/sid/instagram

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | MDR aktuell | 24. März 2020 | 16:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. März 2020, 10:11 Uhr

1 Kommentar

entejens vor 2 Wochen

"Das IOC hat Verantwortung gezeigt ..." - dem kann ich nicht zustimmen. Hätte das IOC Verantwortung gezeigt, dann hätte man nicht die sachlich unsinnige 4-Wochen-Frist gestellt. Man kann sich nur wünschen, daß die Athleten der Welt diese Chance weiter nutzen und sich den Sport zurückholen. Sie sind es, die den Sport treiben (und zum Teil auch sehr sehr viel Geld damit "verdienen"), nicht die Funktionäre eines Vereins, der in keinster Weise sportpolitisch demokratisch legitimiert ist - man wählt sich ja seine Mitglieder selber.