Olympia | Tokio | Schwimmen "Stein vom Herzen gefallen" - Wellbrock nach Olympia-Bronze über 1.500 m Freistil

Der Magdeburger Florian Wellbrock hat bei Olympia die erste Männer-Medaille seit 21 Jahren im Beckenschwimmen geholt. Auf Gold muss der Deutsche Schwimm-Verband 13 Jahre nach Britta Steffen und 33 Jahre nach Michael Groß und Uwe Daßler weiter warten. Wellbrock hat noch eine große Chance.

Florian Wellbrock (SC Magdeburg) holt Olympia-Bronze über 1.500 Meter
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Florian Wellbrock nahm sich die Schwimmkappe vom Kopf, atmete ein paar Mal durch und gratulierte dann fair dem Olympiasieger. Der Doppel-Weltmeister hat in Tokio die Bronzemedaille über 1.500 Meter Freistil gewonnen. In einem packenden Rennen musste sich der Goldfavorit aus Magdeburg am Samstag nach langer Führung dem 800-Meter-Olympiasieger Robert Finke aus den USA und Vize-Weltmeister Michailo Romantschuk aus der Ukraine geschlagen geben. Zu Gold fehlten 1,26 Sekunden.

"Mir ist natürlich ein riesen Stein vom Herzen gefallen - keine Frage", sagte Wellbrock. "Gegen einen US-Amerikaner und Romantschuk zu verlieren, ist auf jeden Fall keine Schande." Wenige Minuten nach seinem Rennen sprach Wellbrock davon, "eigentlich sehr, sehr zufrieden» zu sein.

"Konnte es hinten heraus nicht halten"

Zufrieden wirkte er in den Katakomben im "Tokyo Aquatics Centre" auch. Riesige Euphorie strahlte der 23-Jährige, der in Japan noch eine Goldchance hat, aber nicht aus. "Ein bisschen ärgerlich, dass ich es hinten raus nicht halten konnte. Aber die anderen beiden Jungs haben einen super Job gemacht und ich möchte jetzt auf gar keinen Fall bei einer Bronzemedaille bei Olympischen Spielen meckern", sagte er. Mit Bezug zum im Schlussspurt beeindruckenden Finke, der schon drei Tage zuvor in ähnlicher Manier triumphiert hatte, meinte Wellbrock, man fühle sich «zum Schluss ein bisschen machtlos, wenn man sieht, dass er nochmal richtig explodiert." Bis auf die letzen beiden Bahnen hatte er das Rennen angeführt.

Robert Finke (USA) gewinnt Olympia-Gold über 1.500 Meter
Wellbrock (hinten) führte lange, gegen den Schlussspurt des US-Amerikaners Robert Finke war er dann aber chancenlos. Bildrechte: IMAGO / Kyodo News

Biedermann: "Leistung nicht hoch genug zu bewerten"

Nach dem Europameistertitel 2018 und dem Erfolg bei der WM vor zwei Jahren blieb Wellbrock die ganz große olympische Krönung mit Gold verwehrt. Bronze hat trotzdem eine große Bedeutung. "Seit 21 Jahren hat er die erste olympische Medaille für Männer bei den Beckenschwimmern geholt und daher ist die Leistung über 1.500 Freistil nicht hoch genug zu bewerten», sagte Weltrekordler Paul Biedermann auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur.

Wellbrock auf den Spuren des Chemnitzers Stev Theloke

"Nicht ohne Grund hat das so lange gedauert, bis deutsche Schwimmer Olympiamedaillen geholt haben. Jetzt haben wir zwei", sagte Wellbrock im ZDF zu den zwei Bronzemedaillen von ihm und seiner Verlobten Sarah Köhler, die auf der Tribüne mitfieberte. Wellbrock schlug in einem taktisch geprägten Rennen nach 14:40,91 Minuten an und blieb damit rund vier Sekunden über seiner Weltjahresbestzeit. Vor dem gebürtigen Bremer, der in Magdeburg bei Bundestrainer Bernd Berkhahn trainiert, hatte der Chemnitzer Rückenschwimmer Stev Theloke im Jahr 2000 in Sydney als letzter deutscher Mann mit Bronze über 100 Meter eine olympische Medaille in einer Einzel-Disziplin im Becken bejubelt.

Florian Wellbrock (SC Magdeburg) holt Olympia-Bronze über 1.500 Meter
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Zuletzt Gold im Becken 1988 durch Daßler und Groß

Bei den Herren wartet der Deutsche Schwimm-Verband seit Michael Groß vor 33 Jahren auf eine Goldmedaille. Damals gewann auch Uwe Daßler Gold für die DDR. Platz vier über 800 Meter Freistil hatte Wellbrock trotz guter Zeit gewurmt. Über seine Paradestrecke schlug er zurück. Das war ihm noch besser bei der WM 2019 geglückt, als er über 800 Meter sogar im Vorlauf ausgeschieden war. Wellbrock siegte in Gwangju als Erster im Becken und über zehn Kilometer im Freiwasser. In Tokio kann er in der nächsten Woche im Meer noch Gold über zehn Kilometer holen. "Eine Feier ist nicht drin. Ich muss jetzt regenerieren für die zehn Kilometer. Das wird anstrengend genug", sagte Wellbrock.

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dpa

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Aktuell | 01. August 2021 | 19:30 Uhr

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