Sportpolitik | IOC Olympiasieger Röhler kritisiert IOC: "Bei uns kommt nichts an"

Spitzensport ist lukrativ - insbesondere große Verbände wie das IOC scheffeln Milliardensummen aus Fernseh- und Sponsoringeinnahmen. Die Athleten jedoch partizipieren daran nur marginal und tragen sämtliche Risiken. Das muss sich ändern, verlangt Olympiasieger Thomas Röhler. Der Speerwerfer aus Jena tritt ab Samstag bei der WM in Doha an.

Thomas Röhler
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Spitzensportler müssen nach Meinung von Speerwurf-Olympiasieger Thomas Röhler direkt und viel stärker von den Milliarden-Einnahmen des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) profitieren. "Viele, viele gute Athleten entscheiden sich heute gegen den Sport. Weil: Dieser Einnahmeposten, der ist vom Schnupfen abhängig. Und das darf nicht sein!", sagte der 28-jährige Jenaer der Deutschen Presse-Agentur mit kritischem Blick auf die unsichere finanzielle Situation vieler Asse.

"Wir ackern hier tagtäglich jede Woche mehr als viele Arbeitnehmer. Sind aber im Endeffekt immer nur schwebend bezahlt. Wir suchen uns Förderer, damit wir das machen können, ermöglichen die Olympischen Spiele", schilderte Röhler mit Bezug auf das IOC. "Aber die entlohnen uns nicht dafür, die verkaufen uns, aber am Ende des Tages kommt davon überhaupt nichts bei uns an. Gar nichts. Null."

IOC soll Aktive direkt bezahlen

Ein gutes Beispiel liefert der Athletenvertreter des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF selbst. 1,6 Millionen Klicks auf YouTube habe es schon von seinem Olympia-Goldwurf 2016 in Rio gegeben. Röhler meint: "Die haben einen Werbe- und Unterhaltungswert, aber der kommt bei mir nicht an. Der liegt auf dem olympischen Channel. Das ist ein Riesen-Gegenwert, die haben alle mein Gesicht gesehen", argumentierte der Student für Sport und Wirtschaft. "Das wäre wie ein Arbeitnehmer, der jeden Tag zur Arbeit geht, das aber für Goodwill tut."

Als eine wichtige Forderung an das IOC nannte Röhler die direkte Bezahlung der Aktiven. "Das Geld des IOC geht an die nationalen Verbände. Das ist die Entschuldigung, warum es nicht an die Athleten geht. Das ist das Totschlag-Argument, da kannst du wenig machen", meinte der Speerwurf-Europameister von 2018, für den die aktuell laufende WM in Doha erst am kommenden Samstag (5. Oktober) mit der Qualifikation beginnt.

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dpa

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 30. September 2019 | 17:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 30. September 2019, 10:14 Uhr

1 Kommentar

M.S. vor 16 Wochen

Und wie genau soll das IOC Athleten bezahlen? Nach Leistung, oder nach Teilnahme? Was ist mit den Kadern, die trainiert haben, sich aber vor Olympia verletzen? Soll das IOC im Vorraus zahlen oder im Nachhinein? Soll ein Olympiasieger aus Deutschland mehr Geld bekommen als ein Geher aus der Mongolei? Fragen über Fragen....Der Weg über die Mitgliedsverbände ist schon richtig, nur müssten die Verbände auch mal richtig weiterreichen und nicht die Masse des Geldes in Funktionäre und Mitarbeiter stecken.