"SpiO"-Talk Olympiasiegerin Heike Drechsler: "Am Ende ist es Malaikas Weg"

Mit Malaika Mihambo schlägt eine weitere deutsche Spitzen-Leichtathletin ihre Zelte zukünftig in den USA auf. Was dieser Schritt für die Weitsprung-Weltmeisterin bedeutet und welche Konsequenzen er für den hiesigen Leichtathletik-Verband hat, darüber sprachen wir mit der zweifachen Olympiasiegerin Heike Drechsler im "SpiO"-Talk.

Heike Drechsler als Kampfrichterin bei der Leichtathletik EM Berlin 2018
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Seit wenigen Tagen steht fest, dass die amtierende Weitsprung-Weltmeisterin Malaika Mihambo ihren Trainingsschwerpunkt zukünftig in die USA verlegt. Dort wird sie sich in Houston, Texas, den ehemaligen Olympiasiegern Leroy Burrell und Carl Lewis anschließen. Ihre Entscheidung löste hierzulande viel Erstaunen aus und war zugleich eine Hiobsbotschaft für den Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV), der erneut dabei zusehen muss, wie eine weitere Top-Athletin den Weg über den großen Teich wählt.

Heike Drechsler im SpiO-Talk 30 min
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Sport im Osten Do 04.06.2020 14:00Uhr 30:04 min

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"Wenn die Chance da ist, muss man sie nutzen"

Heike Drechsler, selbst zweifache Olympiasiegerin im Weitsprung, kann die Entscheidung Mihambos dennoch nachvollziehen. "Jeder sucht eine große Herausforderung. Wenn die Chance da ist, muss man sie nutzen", sagte die 55-Jährige im "SpiO"-Talk am Donnerstag (4. Juni). Dennoch sei es "schade, dass sie nicht hier bleibt. Ich hoffe einfach, dass es der richtige Plan ist. Am Ende ist es Malaikas Weg."

Dabei sieht Drechsler Mihambos Entscheidung maßgeblich in der Person Carl Lewis begründet. Da sich der neunmalige Olympiasieger auch neben dem Sport in zahlreichen Projekten engagiert, könnte Mihambo auch "darin eine neue Herausforderung suchen." Die Entscheidung sei in jedem Fall ein Risiko, "jeder wird dort genau hingucken, das wird ihr auch bewusst sein", meint Drechsler: "Es kann aber natürlich auch Flügel geben."

Trotz guter Förderung – DLV hat Schwierigkeiten

Mihambo ist nach Mittel- und Langstreckenläuferin Konstanze Klosterhalfen sowie Sprinterin Gina Lückenkemper bereits der dritte deutsche Leichtathletik-Star, der sich in jüngster Zeit einem Trainingsprogramm in den Vereinigten Staaten anschließt. "Die Athleten suchen neue Herausforderungen. Das muss man ihnen auch zugestehen", findet Drechsler. Obwohl der DLV gute Strukturen und Möglichkeiten in der Förderung hat, wird es für den Verband immer schwieriger, die Athleten zu halten: "Aber wenn man jung ist, möchte man auch in die Welt hinaus und etwas erleben."

Im Zuge dessen kritisierte die gebürtige Geraerin auch die geltenden Bedingungen für den Nachwuchs in der Leichtathletik. Der Weg nach oben sei "hart", neben dem Sport müssen sich die Hoffnungsträger der kommenden Jahre gleichzeitig auf Studium oder Arbeit konzentrieren: "Ich bin der Meinung, dass die Leichtathletik komplett unterbezahlt ist. Da müsste es Änderungen geben. Der Zeitaufwand der Athleten sollte auch honoriert werden."

Olympiasiege: "Momente immer abrufbar"

Ob Mihambo zukünftig in die olympischen Fußstapfen Drechslers treten kann, wird sich noch zeigen. Die Goldgewinnerin von Barcelona (1992) und Sydney (2000) selbst, kann sich noch gut an ihre Triumphe erinnern. "Die Erinnerungen sind immer noch präsent. Man fiebert mit, ist voll drin und hat dort viele Emotionen gelassen. Das waren Momente, die hat man im Leben nicht oft. Das ist immer abrufbar."

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 04. Juni 2020 | 17:45 Uhr