Doping I "Operation Aderlass" Eisschnellläufer Ihle und Beckert nach ARD-Bericht frustriert

Die deutschen Eisschnellläufer Patrick Beckert und Nico Ihle haben frustriert auf die mutmaßliche Beteiligung eines deutschen Eisschnellläufers in den Doping-Skandal um den Erfurter Sportarzt Mark Schmidt reagiert. Die beiden Leistungsträger versicherten zudem, selbst nicht involviert zu sein. Auch Aktivensprecher Moritz Geisreiter forderte, dass Namen so schnell wie möglich genannt werden.

Patrick Beckert (GER) am 09.02.2019 während der Eisschnelllauf World Championships in der Max Aicher Arena.
Patrick Beckert fehlten über 10.000 Meter zwei Tausendstel Sekunden zur Bronzemedaille bei der WM in Inzell im Februar 2019. Bildrechte: imago/Ernst Wukits

"Es ist traurig, dass wahrscheinlich auch Eisschnelllauf betroffen ist. Ich hoffe, dass es nur ein Einzelfall im deutschen  Eisschnelllauf ist", sagte der Erfurter Langstrecken-Spezialist Beckert dem SID. Ähnlich äußerte sich der Chemnitzer Sprinter Ihle, der zudem betonte, den Arzt, das Verfahren und den angeblich überführten Athleten nicht zu kennen: "Ich finde es sehr schade, dass der Eisschnelllauf mit so einem Thema wieder in die Presse gerät. Das ist für all die Athleten unfair, die sauber für ihre Leistung kämpfen."

Beckert: "Ross und Reiter nennen" und diese hart bestrafen

Nico Ihle (GER), nimmt seine Sonnenbrille ab.
Auch der Chemnitzer Nico Ihle hatte bei der WM in Inzell mit Platz vier im Teamsprint eine Medaille knapp verpasst. Bildrechte: imago/Sven Simon

Zugleich hofft das Duo auf eine vollumfängliche Aufklärung. Diese sei wichtig für alle sauberen Sportler. "Doping ist leider schon lange ein Problem im Sport, umso besser, dass man jetzt scheinbar ein ganzes Netzwerk zerschlagen hat", sagte Beckert, der forderte, "Ross und Reiter" zu nennen: "Es gibt viele saubere Sportler, die um ihren verdienten Lohn betrogen werden. Diese muss man auch schützen, deswegen sollte man klare Fakten bringen." Zudem forderte Beckert härtere Strafen für Dopingsünder, etwa durch das Streichen von Verjährungsfristen oder das Verhängen von lebenslangen Sperren.

Dass der mutmaßlich überführte Eisschnellläufer mit ihnen bei den Olympischen Winterspielen 2018 in Pyeongchang gestartet ist, glauben Beckert und Ihle nicht. "Es wird keiner von denen gewesen sein, sondern vorher", sagte Ihle. Beckert meinte: "Ich traue es ehrlich gesagt keinem meiner Weggefährten zu." Die ARD-Dopingredaktion hatte am Sonntag berichtet, dass ein deutscher Eisschnellläufer und Olympia-Teilnehmer wiederholt sein Blut vom Erfurter Netzwerk manipuliert haben lassen soll. Der Name des womöglich betroffenen Eisschnellläufers sei der Nationalen Anti Doping Agentur (NADA) mittlerweile bekannt. Die Deutsche Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG) zeigte sich am Sonntagabend in einem Statement "bestürzt und geschockt zugleich".

Geisreiter: "Es ist ein verdammt naher Einschlag."

Nach dem Bericht der ARD-Sportschau über einen angeblich unter Dopingverdacht stehenden deutschen Eisschnellläufer hat auch Aktivensprecher Moritz Geisreiter gefordert, den Namen zu nennen. "Eigentlich ist es für mich immer etwas Erleichterndes, wenn ein Dopingfall bekannt wird. Aber jetzt ist die eigene Sportart, der eigene Verband betroffen. Es ist ein verdammt naher Einschlag, den ich so nicht erwartet habe. Es ist unfassbar, dass es einer von uns gewagt hat, so etwas zu tun", sagte der 31-Jährige Inzeller am Montag der Deutschen Presse-Agentur. "Ich will jetzt unbedingt den Namen erfahren. Unklar ist ja auch noch, bei welchen Olympischen Spielen er teilgenommen hat", fügte Geisreiter hinzu.

Eisschnelllauf World Championships
Langstreckler Moritz Geisreiter Bildrechte: imago/Richard Wareham

Der Langstreckler hatte nach den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang seine Laufbahn beendet und die Funktion als Aktivensprecher übernommen. "Viele Sportler haben mich seit gestern Abend kontaktiert: Das Feedback ist sehr stark. Die Reaktion ist eine Mischung aus Betroffenheit und Wut", berichtete Geisreiter am Montag.

sid/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 25. März 2019 | 17:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. März 2019, 18:30 Uhr

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24 Kommentare

26.03.2019 18:01 Rennsteiger 24

@22 Rennsteiger
Stell dir mal die Frage : Warum wird gedopt?
1.Ein Staat braucht die Reputation seiner Sportler, um sich noch mehr in den Vordergrund zu spielen (z.B. ehemalige DDR, Russland, China.....). Die Methoden, die Sportler dazu zu bringen sich dopen zu lassen, sind um es ganz deutlich zu sagen kriminell.
2.Ein Sportler trainiert, schindet sich bis zur Erschöpfung (auch wie von dir beschrieben mit einem erheblichen wissenschaftlich, techischen Aufwand) , weiß aber nicht ob das reicht, zur absoluten (Welt)Spitze zu gehören. Beispiele gibts genug. Da gibts nur eins um sein maximales natürliches Level noch weiter zu steigern und das ist nun mal Doping. Krasseste Vertreter dieser Kaste in meinen Augen sind Ulrich, Froome und Armstrong.
Und die Handlanger, die das Doping erst möglich machen, wie der "Arzt" aus EF, handeln aus Profitgier und sind kriminell!
Schon der Gedanke Doping "weich zu spülen", ist suspekt!

26.03.2019 16:36 martin 23

@22 rennsteiger: Sie schreiben: "Einen Karpfen kannst du dopen wie du willst, der wird niemals ein Hecht." - stimmt bisher. Soweit ist Gendoping noch nicht.

Für mich bedeutet "Wettbewerb" aber auch, dass der Leistungsvergleich unter gleichen Bedingungen stattfindet. Wenn eine Partei gegen die Regeln verstößt passt das nicht. Ich glaube nicht, dass die Anstrengungen der (DDR-) Leistungssportler klein geredet werden sollen.

Es gibt ja durchaus eine Debatte der Dopingfreigabe: "Diese Leistung wurde Ihnen präsentiert von xy-Pharma". Das ist aber eine andere Debatte - hier geht es um illegales, kriminelles Verhalten.

26.03.2019 12:55 Rennsteiger 22

@16 Realist " gut gedopt ist halb gewonnen"- Widerspreche ich vehement, Sicher kann Doping das Quäntchen Vorteile gegenüber den Konkurrenten bringen, aber entscheidend bleiben Training bis zur Schmerzgrenze, unterstützt vom sportwissenschaftlichen Know-how, Wille, Fleiß, Talent und ein dem Leistungssport untergeordnetes Umfeld.Deshalb lasse ich mir weder die Erfolge unserer Schwimmer zu DDR-Zeiten noch die Leistungen der Radsportler, welche sich bei der Tour de France quälen, so in Bausch und Bogen kleinreden.
Einen Karpfen kannst du dopen wie du willst, der wird niemals ein Hecht.
Vielleicht sollte man mal über ein etwas liberaleren Umgang mit den Dopingregeln wenigstens nachdenken

26.03.2019 11:47 Hallinho 21

Gedopte ausländische Sportler werden sofort beim Namen genannt . Jetzt wurde wohl ein deutscher Sportler entlarvt, Name streng geheim. Warum das? Hier macht sich auch ein Herr Seppelt ( seine Arbeit in allen Ehren) unglaubwürdig.

26.03.2019 10:26 Rennsteiger 20

Allmählich geht mir die Diskussion um Doping auf die Nerven. Erstens werden wir niemals dieses Problem in den Griff bekommen, weil das entscheidende Dopingmittel unangetastet bleibt: das Geld. Zweitens frage ich mich, warum denn ausgerechnet der Sport als moralische Instanz in unserer Gesellschaft herhalten soll, gibt es da nicht genügend andere " Baustellen"? Und schließlich wurde m. Ea. die ganze Problematik auch dazu missbraucht. politische Grabenkämpfe auszutragen. Gedopt wurde in der DDR, die Russen sowieso und im Westen hat die Stasi Dopingmittel unter die Zahnpasta gemischt. Die Schwarz- Weiß- Malerei geht ja nun schon längst nicht mehr, aber ein Grund mehr, allerhand Heuchelei bei diesem Thema zu vermuten.Den durchweg "sauberen Sport", welcher um Medaillen, Titel und Ruhm betrieben wurde, gab es bereits in der Antike nicht.

26.03.2019 09:44 @23 19

Olympia 2014 : neben Kohle, Beckert, geisreiter und samuel Schwarz waren auch Robert Lehman und alexej baumgärtner dabei.
Aber vielleicht war es auch eine Frau? Sie werden es erfahren. Nur nicht jetzt sofort.

26.03.2019 09:35 @15 18

Ich weiß nicht, was sie da für obskure Sekundärliteratur nutzen. Wahrscheinlich wurden wegen vieler bunter Bildchen die Ergebnislisten gekürzt.
Glauben Sie mir eins: J. Dufter war am Start und wurde über 500 m 29. und über 1000 m 14.
Ob er gedopt war, weiß ich natürlich nicht. Ich war nicht dabei.
Der letzte Satz ist auch nur Vermutung. Wie so vieles bei ihnen.
Wissen ist Macht. Nichts Wissen ist ihr Fach!

26.03.2019 09:19 Essen Gut Alles Gut 17

Ganz einfach... Doping legalisieren... dann gewinnt der beste Doper.
Die dopen dann irgendwann soviel das eine natürliche Auslese anfängt.

26.03.2019 09:09 Realist 16

Keiner will es wahr haben!
Gut gedopt ist halb gewonnen.
Ob das diverse Wintersportarten, Leichtathletik, Radsport, Ballsportarten usw. sind. Der Leistungssport war, ist und wird immer unehrlich bleiben. Jeder will der Erste sein. Das liegt in der Natur des Menschen.

26.03.2019 08:17 na so was 15

"Der Name des betroffenen Eisschnellläufers sei der NADA mittlerweile bekannt. MDR.DE:" Vielleicht kann es die DESG nicht sagen", wer der gedopte Sportler war. Wenn das Wort "kann" durch "darf nicht" ersetzt wird, glaube ich das Ihnen. Zu 8@: Die drei Namen Ihle, Beckert und Geisreiter habe ich dem Buch "Olympia 2018" entnommen. Alle drei sind in den Ergebnislisten der verschiedenen Strecken erwähnt. Diese Ergebnislisten gehen von Platz 1 bis Platz 8 bzw. Platz 10. Ein Eisschnellläufer mit Namen Dufter taucht in den Ergebnislisten nicht auf. Wenn also er es gewesen sein soll, hat das Doping bei ihm außer Spesen nichts gebracht. Oder ist der Herr Dufter bereits vorsorglich aus den Ergebnislisten gestrichen worden ? Der Hinweis der Herren Ihle, Beckert und Geisreiter (jetzt Athletensprecher !), dass es vielleicht bei den Winterspielen 2014, 2010, 2006, 2002 diese Manipulation gab, ist für mich eher unwahrscheinlich.

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