Radsport | Jubiläum Radsport-Legende Gustav Adolf "Täve" Schur begeht 90. Geburtstag

Im Osten wird er geliebt wie kaum ein anderer Sportler. Gustav Adolf Schur gehört zu den erfolgreichsten Radsportlern Deutschlands. Und auch international ist sein Name fest mit der Friedensfahrt verbunden. Am Dienstag (23.02.2021) wird Radsport-Legende "Täve" Schur 90 Jahre alt.

Der runde Geburtstag daheim in Heyrothsberge bei Magdeburg fällt klein aus. Um Schur, den wohl die ganze Radwelt als "Täve" kennt, ist es seit dem Tod seiner Frau Renate im Mai 2020 ruhiger geworden. Der Radsport ist weiter fester Bestandteil seines Lebens, bis heute fährt er regelmäßig. Nach eigenen Angaben möchte er 100 Jahre alt werden und seine Geschichten erzählen. Denn die gehören im Osten Deutschlands längst zum Kulturgut.

Schur prägt goldene Jahre des DDR-Sports

Die Liste der Erfolge ist lang: Zweimal Straßenweltmeister der Amateure, zweimal Sieger der Friedensfahrt, neunmal in Folge DDR-Sportler des Jahres. Und 1990 wurde Schur schließlich zum größten Athleten der DDR-Geschichte gewählt. "Ich bin für die Menschen am Straßenrand gefahren, nicht für Werbeverträge und Kohle", wurde Schur jüngst in der Märkischen Oderzeitung zitiert.

Täve Schur
Am 17. Mai 1955 gewann Schur die Internationale Friedensfahrt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Legende "Täve" Schur im Westen umstritten

Ins Gesamtdeutsche übertrug sich sein Ruhm aber nicht. Während etwa Heike Drechsler, Katharina Witt und Jens Weißflog nach dem Mauerfall auch deutschlandweit verehrt wurden, polarisierte Schur in der Nachwendezeit. Im Westen hielt man ihn für einen ewig Gestrigen, warf ihm Verklärung des DDR-Unrechts vor, stieß sich an seinen Ansichten zum Doping in der DDR, zu Mauerbau und Schießbefehl. So wurde Schur zweimal die Aufnahme in die gesamtdeutsche Sport-Ruhmeshalle verwehrt.

Täve Schur
Täve Schur Bildrechte: IMAGO / opokupix

Schur ließ sich jedoch nicht verbiegen und blieb ein politischer Mensch. Einer, der sowohl Mitglied der DDR-Volkskammer (1958 bis 1990) als auch des deutschen Bundestags (1998 bis 2002 für die PDS) war. Bis heute beantwortet er Briefe und Autogrammwünsche: "Es ist für mich eine moralische Verpflichtung. Ich nehme jede Zuschrift ernst. Zusammenhalt ist eine Eigenart von uns Ex-DDR'lern. Heimat schweißt zusammen."

Bildergalerie Gustav Adolf "Täve" Schur wird 90

Radsportlegende "Täve" Schur
Gustav-Adolf Schur, genannt "Täve", gehört zu den erfolgreichsten Radsportlern Deutschlands - und auch international ist sein Name fest mit der Friedensfahrt verbunden. Bildrechte: dpa
Radsportlegende "Täve" Schur
Gustav-Adolf Schur, genannt "Täve", gehört zu den erfolgreichsten Radsportlern Deutschlands - und auch international ist sein Name fest mit der Friedensfahrt verbunden. Bildrechte: dpa
Volkskammerabgeordneter Hans Modrow (li., GDR/PDS) und Volkskammerabgeordneter Täve Schur (2.v.re., GDR/PDS) anlässlich der konstituierenden Sitzung der Volkskammer in Berlin Ost.
Seine bis dato einzigartige Erfolgsgeschichte untermauerte auch seine Rolle als Sportheld in der DDR. Mehr als 30 Jahre besaß Schur ein Abgeordnetenmandat in der Volkskammer. Später saß er für die PDS als Abgeordneter im Bundestag. Bildrechte: IMAGO / Stana
Gustav-Adolf "Täve" Schur
1989 wählten ihn seine treuen Fans zum "Besten Sportler in 40 Jahren DDR". Bildrechte: MDR/Marco Prosch
Täve Schur
Die Aufnahme in die Hall of Fame des deutschen Sports blieb ihm dagegen bis heute verwehrt. Als Hintergrund gelten unter anderem seine verklärenden Ansichten über das DDR-System sowie des Dopings an Minderjährigen. Bildrechte: dpa
Täve Schur
Am 23. Februar feiert Gustav-Adolf Schur seinen 90. Geburtstag! Herzlichen Glückwunsch, "Täve"! Bildrechte: MDR
Täve Schur
Am 17. Mai 1955 gewann Schur die Internationale Friedensfahrt. Er war damit der erste Deutsche überhaupt, der das Dreiländer-Etappenrennen von Prag über Ost-Berlin nach Warschau gewann. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Gustav Adolf "Täve" Schur war über drei Jahrzehnte hinweg der Vorzeigesportler der Republik.
Bis heute sitzt Schur aktiv auf dem Sattel. In seinem 2020 erschienem Buch "Was mir wichtig ist" schreibt er über sein Leben, seine Erfahrungen und verspricht, hundert Jahre alt zu werden. Bildrechte: MDR/Kristian Walter
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Auch deshalb erzählen sich die Menschen die Geschichten aus Schurs goldenen Jahren. Wie jene von "Täves" Vizeweltmeisterschaft 1960: Vor 200.000 Zuschauern auf dem Sachsenring fuhr Schur als Favorit in einer Spitzengruppe mit seinem Freund Bernhard Eckstein und dem belgischen Sprinter Willy Vandenberghen. Als Eckstein antrat, hielt sich Schur zurück und überließ ihm den Titel.

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red

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 23. Februar 2021 | 19:30 Uhr

16 Kommentare

Dreiecker vor 1 Wochen

Als kleiner Schuljunge bin ich mit meinen Eltern zum Eiskellerberg gegangen als das Radrennen auf dem" Grenzlandring" immer einmal jährlich stattfand. Eine Begeisterung erfasste die Zuschauer wenn die Fahrer den Berg erklommen.Die Rufe "Täve, Täve" waren weithin zu hören. Vielen Dank für diese Erlebnisse und werde hundert Jahre bei guter Gesundheit.

Heimatloser vor 1 Wochen

Täve,für mich ein Mensch mitCharisma!
Nicht eine Zeile in der Magdeburger Volksstimme.Warum nicht?
Weil er ein Streiter für Frieden und Gerrechtigkeit .....Kommunist geblieben ist?
Seine Medaillien finden wir aber an der Fahne der BRD.
Was für eine Schande,wie hier gewertet wird!
Ich bin für eine "Gustav-Adolf-Schurstr."in Magdeburg,oder anderswo!

Heimatloser vor 1 Wochen

Die Kommentare drücken alles aus,was zu sagen ist.
Ich schließe mich ohne Vorbehalt an.
Täve,alles Gute und weiterhin beste Gesundheit.
Es war nichts umsonst,der Kampf ist noch nicht zu Ende!