Ringen | 1. Bundesliga Ringer-Bundesliga 2020? Kribbeln nur in Markneukirchen

Vier Ringer-Ostklubs haben die Chance auf Bundesliga-Wettkämpfe noch in diesem Jahr. Doch nur Aufsteiger Markneukirchen will auf die Matte - und auch das nicht bedingungslos. Abgewunken wird dagegen u.a. in Greiz und Aue.

Nach mehr als fünf Monaten Wettkampf-Zwangspause für die Ringer werden in diesen Tagen die Weichen für die Zukunft der Bundesliga gestellt. Nach dem Ende einer Meldefrist am Freitag (31. Juli 2020) plant der Deutsche Ringer-Bund einen möglichen Start der Saison 2020.

Befragung durch Verband

Das Prozedere ist vermeintlich klar: Den 26 Bundesliga-Klubs wurde durch den Verband freigestellt, ob sie eine Saison 2020 ringen wollen. Mit den Teams, die das wollen, soll eine verkleinerte und verkürzte Saison ausgetragen werden. Diese soll vermutlich Ende Oktober starten. Wer das nicht möchte, bleibt sanktionsfrei, muss also auch nicht absteigen.

Nur ein Ostklub hat gemeldet

So richtig groß scheint die Begeisterung über einen Saisonstart aber nicht zu sein – zumindest im Osten nicht. Von den vier Ostklubs Markneukirchen, Greiz, Aue und Lübtheen will nach MDR-Informationen nur Aufsteiger Germania Markneukirchen noch in diesem Herbst unter Bundesliga-Bedingungen zum Wettkampf in die heimische Halle zurück.

Markneukirchen: Ein "Ja" unter Vorbehalt

"Wir haben heute Morgen unser 'Ja' an den Deutschen Ringer-Bund gesendet", sagt Germania-Vorsitzender Jens Berndt sport-im-osten.de. Trainer Andre Backhaus ergänzt: "Es muss langsam was passieren. Wir müssen wissen, wann wir trainieren und wann wir Wettkämpfe absolvieren können. Die Sportler müssen zurück auf die Matte." Das "Ja" der Vogtländer für den Bundesliga-Start ist nicht ganz bedingungslos: "Wir brauchen etwa 300 Zuschauer in der Halle. Wir können nur Ringen, wenn wir keine Abstandsregeln einhalten müssen. Das haben wir beim Verband auch so hinterlegt", erklärt Berndt. Die Halle wurde in den vergangenen Monaten zwar modernisiert, bei einer Gesamt-Kapazität von rund 400 Zuschauern wäre 1,50-Meter-Abstand mit kostendeckender Zuschauerzahl aber nicht vereinbar.

Danijel Janecic in rot (TuS Adelhausen) gegen Matthias Maasch in blau (SV Wacker Burghausen)
Markneukirchen will nur starten, wenn Zuschauer in die Halle dürfen. Bildrechte: imago images/Beautiful Sports

Wenn die Infektionszahlen mitspielen …

Immerhin: die Vogtländer gehen kein Risiko ein. Wenn Politik oder Gesundheitsamt eine Öffnung der Halle für Zuschauer nicht zulassen, kann der Verein nach Aussagen von Präsident Berndt den Bundesliga-Start wieder abblasen. "Uns wurde zugesichert, dass wir in dem Fall keine Sanktionen zu befürchten haben", sagt Berndt.

Greiz und Aue: "Gesamtsituation zu vakant"

Vermutlich etwa die Hälfte der Bundesliga-Vereine sehen die Situation weniger optimistisch als Markneukirchen – oder auch Witten und Freiburg, die sich für einen Start ausgesprochen haben. Abgesagt haben Spitzenteams wie Adelhausen – oder auch Rotation Greiz und Erzgebirge Aue. "Uns ist das Gesamtpaket zu vakant. Die Situation im Herbst ist von jetzt aus nicht seriös planbar", erklärt der Greizer Präsident Thomas Fähndrich dem MDR.

"Wahl zwischen Pest und Cholera"

Uwe Günther, Bereichsleiter Ringen in Aue sagt: "Unsere Absage hat viele Gründe. Im Wesentlichen geht es aber um eine große Unsicherheit hinsichtlich der Hygieneregeln und Infektionszahlen im Herbst. Wir hatten eine Wahl zwischen Pest und Cholera." Auf Zuschauer wollen weder Greiz (bis zu 900) noch Aue (bis zu 600) verzichten. Hinzu komme, dass eine Einreise- und Startgenehmigung für Sportler aus anderen Ländern unklar sei. Und schließlich wisse niemand, ob der Vollkontaktsport Ringen im Herbst und bei einer eventuellen zweiten Corona-Infektionswelle überhaupt möglich sei.

DRV-Geschäftsführer Dittmann: Entscheidung Anfang August

Beim Ringer-Bund erwartet man etwa 12 bis 14 positive Rückmeldungen zum Bundesliga-Start im Oktober. DRV-Generalsekretär Karl-Martin Dittmann sagte sport-im-osten.de, dass der Verband in der kommenden Woche die Staffelaufteilung und den genauen Modus bekannt geben will. Denkbar ist, dass in zwei Sechser-Staffeln gerungen wird und der Meister dann in Playoffs ermittelt wird.

Aufbruchstimmung in Markneukirchen

In Markneukirchen beobachtet Präsident Berndt, dass allein die Aussicht auf baldiges Bundesliga-Ringen ein Kribbeln bei seinen Sportlern auslöst. "Die Möglichkeit, dass bald wieder Wettkämpfe stattfinden, hat bei uns eine Aufbruchstimmung ausgelöst. Etwa 80 Prozent unserer Sportler sind junge Athleten aus dem U19- oder U23-Bereich, die sonst kaum Wettkämpfe in diesem Jahr gehabt hätten."

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | MDR Aktuell | 31. Juli 2020 | 08:40 Uhr

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