Motorsport | Motorrad-WM Sachsenring 2021: Keine Fans, keine Party und nur ein deutscher Fahrer

Keine Zuschauer an der Strecke, Sachsenring-Dauersieger Marc Marquez völlig außer Form. Beim Großen Preis von Deutschland ist am Wochenende fast nichts wie sonst. Die Party fällt aus.

Marc MARQUEZ, SPA auf dem sachsenring
Bildrechte: imago images / eu-images

Tribünen wurden gar nicht erst aufgebaut. Natürlich auch keine Bierstände, es gibt keinen Zeltplatz am Ankerberg, keinen Lärm und schon gar keine Party. Am Sachsenring ist fast nichts so, wie es immer ist.

Keine Zuschauer - Kritik wird laut

Es steht der ungewöhnlichste Große Preis von Deutschland bevor, den es jemals gab. Schon im Mai war wegen der damaligen Coronalage entschieden worden, dass die Fans diesmal beim Motorrad-Spektakel draußen bleiben müssen. Das sorgt für Kritik, denn bei den Spielen der Fußball-EM sind in München schließlich 14.000 Zuschauer dabei. Dass das an der Rennstrecke nicht geht, liegt an "technischen Gründen", erklärte Gerd Ennser, neuer Sportpräsident des Veranstalters ADAC: "In München gibt es Sitzplätze, die gekennzeichnet und beschränkt sind. Der Sachsenring hat allerdings keine festen Tribünen", sagte der 62-Jährige der Bild-Zeitung.

Ein Aufbau hätte "mindestens acht Wochen" gedauert. "Also hätten wir Ende April damit beginnen müssen", so Ennser. Doch da waren die Verhältnisse noch ganz andere. Der Termin ist so gesehen einfach zu früh, am 8. und 15. August werden die Ränge am Red Bull Ring in Spielberg/Österreich voll sein.

Fans sollen zu Hause bleiben

Valentino Rossi, Hiroshi Aoyama und der Amerikaner Hector Barbera steuern ihre Motorräder
Bilder mit vollen Tribünen wird es in diesem Jahr nicht geben. Bildrechte: dpa

Die leere Anlage in Sachsen, die am Rennwochenende gern mehr als 200.000 Menschen bevölkern, wird ein Trauerbild abgeben. Die Zufahrten wurden zwar abgesperrt, aber der Kurs ist so gelegen, dass es dennoch kein Problem ist, hinzugelangen. "Fans werden gebeten, die Trainings und Rennen zu Hause zu verfolgen", appellierte deshalb der ADAC. Es gehe darum, "ein Einschreiten der Ordnungskräfte oder der Polizei gar nicht erst erforderlich zu machen".

Marc Marquez außer Form

Alles ist anders, selbst sportlich. Denn der "King of Sachsenring" hat nach einer langen Pause noch nicht wieder in die Spur gefunden. Dass Marc Marquez, der seit 2010 jedes Rennen auf dem Kurs nahe Hohenstein-Ernstthal gewann, zum elften Mal nacheinander die Nase vorn hat, ist praktisch auszuschließen. "Ich kann mir vorstellen, dass der Sachsenring ihm hilft, die Lücke nach vorne ein bisschen zu schließen", sagte Honda-Testfahrer Stefan Bradl, der nicht mitfahren darf. Der achtmalige Weltmeister Marquez hatte nach einem Oberarmbruch neun Monate pausieren müssen und war zuletzt dreimal in Folge ausgeschieden. Entsprechend zurückhaltend gibt sich der Spanier: "Mal sehen was das Wochenende bringt."

Schrötter einziger deutscher Fahrer

Marcel Schrötter, MotoGP
Marcel Schrötter ist am Sonntag der deutsche Alleinunterhalter. Bildrechte: imago images / HochZwei

Im Vorjahr war der Grand Prix ausgefallen, am Sonntag feiert die MotoGP ihr Comeback - und es gibt vielleicht Abschiedsrunden. Superstar Valentino Rossi will im Sommer entscheiden, ob er 2022 weitermacht - es sieht nicht danach aus. Der "Dottore" verlässt Deutschland vermutlich leise. Aus deutscher Sicht sieht es trübe aus. Einzig Marcel Schrötter ( Vilgertshofen ) ist in der Moto2 am Start. Der 28-Jährige war 2019 beim Heimrennen Dritter geworden, hat in diesem Jahr aber noch keinen Podiumsplatz geholt.

Wenigstens in Sachen Zukunft ist alles ist geregelt. Im Gegensatz zu den vergangenen Jahren, als ein mögliches Aus für das Highlight immer wieder im Raum stand, gibt es eine langfristige Lösung. Mitte Mai verlängerte der ADAC den Vertrag mit Rechteinhaber Dorna bis 2026. Lärm ist garantiert.

sid

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sachsenspiegel | 20. Juni 2021 | 19:00 Uhr

4 Kommentare

Rain Man vor 13 Wochen

Im besten Deutschland aller Zeiten braucht man also acht Wochen, um ein paar lächerliche Tribünen aufzubauen?

Kommen sich die ach so tollen Deutschen nicht langsam selber blöde vor?

Brigitte Schmidt vor 13 Wochen

Na beim Fußball ging's oder geht's doch auch ohne Zuschauer, Hauptsache der Rubel, ach nee der Ball rollt. Oder eben Motorräder.
Für was gibt's denn Fernseher.

Und jetzt mal ehrlich: Ich kann das nicht nachvollziehen. "Fans sollen zu Hause bleiben". Was ist hier nur los?

Zwickauer1 vor 13 Wochen

Schon erstaunlich.
Jahrelang wurde gepredigt das zu wenig Zuschauer da sind und man nicht mehr auf dem Sachsenring fahren will.
Nun sind keine Zuschauer erlaubt und es geht auch.