Schwimmen | Kurzbahn-EM in Kasan (Russland) Olympiasieger Wellbrock: Vom roten Teppich wieder ins Becken

Drei Monate nach seinem Olympiasieg in Tokio geht der Magdeburger Schwimm-Star Florian Wellbrock wieder auf Medaillenjagd - bei der EM im ungeliebten 25-m-Becken.

Martin Schulz, Florian Wellbrock, Aline Rotter-Focken
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der Olympiasieg von Tokio hat Florian Wellbrocks Leben verändert. Zumindest ein paar Wochen lang. Fotos auf dem Roten Teppich, Auftritte in Fernsehshows, sogar ein Stein auf dem "Walk of Fame": Der Schwimmstar stand plötzlich auch abseits des Beckens im Rampenlicht - und genoss es. Die "sehr willkommene Abwechslung" machte dem 24-Jährigen "wahnsinnig Spaß". Doch vorerst ist Schluss mit Glamour und Glitzer, Wellbrock geht wieder seinem eigentlichen Beruf nach. "Mittlerweile liegen beide Medaillen im Bankschließfach, damit nichts damit passiert", erzählt er im Interview mit dem Sport-Informations-Dienst (SID).

Edelmetall auf der ungeliebten Kurzbahn?

Freiwasser-Gold und Bronze über 1.500 m Freistil sind weggeschlossen, am Dienstag springt Wellbrock in Kasan (Russland) ins 25-m-Becken und hat bei der EM wieder Edelmetall im Visier: "Ich möchte möglichst weit vorne ankommen, das ist mir auf der Kurzbahn noch nie so wirklich gelungen. Wenn ich da eine Medaille holen sollte, wäre ich sehr zufrieden." Im ungeliebten kleinen Becken hat Wellbrock noch einiges nachzuholen, deshalb lässt er die EM ebenso wenig aus wie die WM sechs Wochen später in Abu Dhabi. Auch wenn ihn die vielen Wenden "immer noch aus dem Rhythmus" bringen.

Florian Wellbrock, Schwimmen
Florian Wellbrock Bildrechte: IMAGO / Eibner

"Puzzleteile" fehlen noch

Seine Erfolge feierte er auf der 50-m-Bahn und im Freiwasser. Seit Tokio ist er dort nicht nur Welt- und Europameister, sondern auch Olympiasieger. Aber: "So ganz komplett fühle ich mich noch gar nicht, da fehlt immer noch das eine oder andere Puzzleteil." Olympiasieger im Becken würde er gerne 2024 in Paris werden, "das ist das, was mich im Moment antreibt". Einen EM-Titel im Freiwasser hat er auch noch nicht gewonnen - ebenso wie eine Medaille auf der Kurzbahn.

"Sehenswürdigkeit" in Magdeburg

Auch wenn der Trubel sich nach Ehrungen wie der "Goldenen Henne" gelegt hat - der Triumph in Tokio vor drei Monaten wirkt nach. "Es gibt tief in mir drin eine innere Zufriedenheit, weil ich mir einen Kindheitstraum erfüllt habe", sagt Wellbrock. Etwas, was er Nacht für Nacht spürt: "Ich glaube, dass ich dadurch ein bisschen ruhiger und tiefer schlafe, weil ich einen Haken dran machen konnte." Die Medaillen, die er in Japan gewann, sieht der Magdeburger jetzt zwar nicht mehr jeden Morgen nach dem Aufstehen. Doch stattdessen stolpert er beim Einkaufen oder Schlendern in seiner Heimatstadt quasi über seinen Erfolg. Denn eine Granit-Bronze-Platte ist auf dem "Walk of Fame" des Sports in die Fußgängerzone eingelassen. "Da läuft man jeden Tag selber dran vorbei, die Passanten halten an. Man ist sozusagen eine Sehenswürdigkeit in Magdeburg."

Bernd Berkhahn und Florian Wellbrock
Florian Wellbrock (re.) und Trainer Bernd Berkhahn verewigen sich auf der Magdeburger "Walk of Fame". Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Auch in der virtuellen Welt ist Wellbrock seit seinem Olympiasieg ein Hingucker. "Ich habe vorher schon gemerkt, dass viele Jüngere zu mir aufgesehen haben", erzählt er: "Das ist jetzt noch mal mehr geworden. Ich bekomme täglich auf Instagram Nachrichten, sinngemäß: Florian, ich möchte genauso werden wie du."

sid

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sachsen-Anhalt heute | 01. November 2021 | 19:00 Uhr

0 Kommentare