"SpiO"-Talk Bahnrad-Olympiasiegerin Kristina Vogel: "Je schneller man eine Situation akzeptiert, desto schneller kommt man vorwärts"

Als Querschnittsgelähmte zählt die zweifache Bahnrad-Olympiasiegerin Kristina Vogel zur Corona-Risikogruppe. Die derzeitige Krise begreift die hochdekorierte Sportlerin aber auch als Chance - nicht nur im Hinblick auf eine Entschleunigung der Gesellschaft.

Kristina Vogel
Kristina Vogel ist seit einem schweren Trainingsunfall im Juni 2018 querschnittsgelähmt. (Archiv) Bildrechte: imago/Annegret Hilse

Kristina Vogel macht nicht den Eindruck, dass ihr in Krisenzeiten langweilig wird. Gutgelaunt präsentierte sich die 29-Jährige im "SpiO"-Talk am Mittwoch (15. April) und ließ in ihren derzeitigen Alltag blicken. Denn der hält viel Neues bereit. "Ich habe mir eine Küchenmaschine gekauft. Damit mache und teste ich sehr viel", so der ehemalige Bahnrad-Star: "In der Hektik des Alltags in den letzten Jahren hatte ich nicht die Zeit dafür."

SpiO Talk mit Kristina Vogel 25 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

MDR+ Mi 15.04.2020 10:00Uhr 24:41 min

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Vogel: Früh in "Selbstquarantäne verfrachtet"

Wie so viele lebt auch Vogel derzeit in einer durch die Krise hervorgerufenen Zeit der Entschleunigung. Als Querschnittsgelähmte nach ihrem schweren Trainingsunfall im Juni 2018 zählt sie zur Corona-Risikogruppe und muss daher aktuell ganz besonders aufpassen. "Da ich ab der Brust gelähmt bin, habe ich kein Zwerchfell. Dementsprechend auch keine Kraft zum Abhusten", erzählt die zweifache Olympiasiegern. Deshalb habe sie sich auch früh in "Selbstquarantäne verfrachtet".

Nach der Verschiebung der Olympischen Spiele 2020 kann sich die erfahrene Olympionikin gut vorstellen, wie kompliziert sich die Situation für die Athleten darstellt, die sich nun bis zum nächsten Jahr gedulden müssen. "Es ist für Außenstehende schwer nachvollzuziehen. Die Athleten bereiten sich vier Jahre vor", erklärte die mehrfache Weltrekordlerin: "Uns war aber allen klar, dass Olympia dieses Jahr nicht gehalten werden kann."

"Einschränkungen noch monatelang"

Dennoch sieht auch Vogel in der Verschiebung der Spiele eine Chance – besonders für die jüngeren Athleten. Diese können sich schließlich nun ein weiteres Jahr entwickeln und sich gezielt vorbereiten. Dass sich der Trainingsalltag für ihre ehemaligen Kollegen derzeit aber schwierig gestaltet, steht außer Frage. Zwar habe man in Erfurt und Cottbus zwei Olympia-Stützpunkte, an denen eingeschränkt trainiert werden kann, doch der normale Trainingsalltag ist aufgrund der aktuellen Situation meilenweit entfernt.

Damit auch die Bahnrad-Fahrer so schnell wie möglich auf die Strecke zurückkehren können, gilt es nun vor allem, künftige Entscheidungen mit Bedacht zu wählen, so Vogel: "Wir sollten unser Gesundheitssystem nicht überbelasten. Man sollte nach und nach anfangen, die Regelungen zu lockern. Ich glaube aber, dass uns die Corona-Einschränkungen noch monatelang tangieren werden".

Krise als Chance begreifen

Die sechsfache Deutsche Radsportlerin des Jahres weiß genau, wie es sich anfühlt, mit Einschränkungen zu leben. Wie aus allem versucht sie auch aus der Krise das Positive zu ziehen. "Je schneller man eine Situation akzeptiert, desto schneller kommt man vorwärts. Es gibt an jedem Blöden auch etwas Gutes", stellt Vogel ihr Credo zur Krisenbewältigung lachend vor: "Nur zusammen schaffen wir das. Wenn wir nicht zusammenhalten, haben wir eine ganz andere Situation. Man sollte auch mal die Zeit der Entschleunigung genießen."

Es macht den Anschein, als würde der hochdekorierten Radsport-Veteranin auch in Krisenzeiten in jedem Falle nicht langweilig werden. Die Küchenmaschine wird’s freuen.

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jsc

"SpiO"-Talks

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 15. April 2020 | 17:45 Uhr

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