Turnen Dagmar Freitag: "Solch eine Hybris macht mich sprachlos"

Die Vorwürfe gegen die Chemnitzer Turntrainerin Gabriele Frehse sorgen seit Wochen für Aufsehen. Während der Deutsche Turner-Bund nach einer umfangreichen Untersuchung unlängst die Trennung von Frehse forderte, wehrt sich ihr Arbeitgeber vehement gegen die Entlassung. Dagmar Freitag, Sportausschussvorsitzende des Bundestags, bezog klare Stellung in dem Fall.

Dagmar Freitag, Vorsitzende des Bundestags-Sportausschusses 26 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Sport im Osten Mo 25.01.2021 15:00Uhr 26:22 min

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Dagmar Freitag, Vorsitzende des Bundestags-Sportausschusses 26 min
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Im Rahmen einer unabhängigen Untersuchung sprach sich der Deutsche Turner-Bund (DTB) vergangene Woche für die Entlassung Gabriele Frehses am Chemnitzer Turnstützpunkt aus. Der Trainerin wird unter anderem mentale Demütigung, Einschüchterung und die Anordnung zur Einnahme verschreibungspflichtiger Medikamente vorgeworfen.

Freitag begrüßt DTB-Entscheidung

SPD-Politikerin Dagmar Freitag, Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag, zeigte sich vom Ergebnis der DTB-Untersuchung "positiv überrascht". Das Ergebnis stellt "eine sehr selbstkritische Bestandsaufnahme" dar, sagte Freitag im "SpiO"-Talk am Montag (25. Januar): "Nach allem was ich bisher weiß, ist die Untersuchung sehr professionell angelegt worden. Wir sehen erstmalig, dass der Sport nicht versucht, für sich selbst aufzuklären, sondern nach außen geht und sagt, 'wir beauftragen unabhängige Experten'. Das halte ich für den einzig richtigen Weg."

TuS Chemnitz Altendorf wehrt sich gegen die Entlassung

Auch wenn sich der DTB in dem Fall klar positioniert hat – eine mögliche Trennung Frehses liegt in der Verantwortung ihres Arbeitsgebers, dem Olympiastützpunkt Chemnitz beziehungsweise dem TuS Chemnitz-Altendorf. Der wiederum will das Ergebnis der Kommission nicht anerkennen, behält sich rechtliche Schritte vor und schießt mit scharfen Worten gegen den Verband ("Der DTB gibt ein jämmerliches Bild ab").

Stichwort Autorität

Freitag reagierte fassungslos auf die Stellungnahme des Vereins. "Solch eine Hybris macht mich sprachlos. Es liegen Dinge vor uns, die nicht mehr zu bestreiten sind. Das lässt mich zu der Überzeugung kommen, dass dort nicht die richtigen Leute die Verantwortung tragen", erklärte die Politikerin. Gleichzeitig bezog sie klare Stellung bezüglich der Umgangsformen im Leistungssport. "Frau Frehse bezeichnet sich als autoritäre Trainerin. Unter echter Autorität verstehe ich etwas anderes. Eine wirkliche Autorität beweist, dass man solche Verhaltensweisen nicht nötig hat."

"Trainer haben nicht nur die Aufgabe, Erfolg zu produzieren"

Dagmar Freitag, SPD, Mitglied des Bundestages, spricht im Rahmen einer Sitzung vor dem Bundestag in Berlin
Dagmar Freitag ist seit 2009 Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag. Bildrechte: imago images / photothe

Vielmehr gehe es laut Freitag zukünftig darum, standardisierte Umgangsweisen mit Kindern im Bereich Leistungssport zu etablieren. Demnach sollte alles dafür getan werden, junge Menschen auch abseits des sportlichen Ehrgeizes bestmöglich zu betreuen. "Trainer haben nicht nur die Aufgabe, Erfolg zu produzieren. Das scheint in Chemnitz nach allem, was wir wissen, nicht der Fall gewesen zu sein", bekräftige Freitag.  

Thema soll im Sportausschuss diskutiert werden

Auch die Rolle des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) sollte in der Debatte nicht außer Acht gelassen. Die Ankündigung des DOSB, ebenfalls eine Untersuchung zum Thema anzuschieben, begrüßte Freitag. Darüber hinaus kündigte sie an, dass sich auch die Politik mit der Debatte beschäftigen wird: "Auch wir im Sportausschuss werden eine Lösung anfordern und das Thema diskutieren."

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jsc

Dieses Thema im Programm: MDR+ | "SpiO-Talk" | 25. Januar 2021 | 15:00 Uhr

4 Kommentare

MeyerZwo vor 11 Wochen

Es war sicher nicht zu erwarten, dass Frau Freitag die Position von Frau Frehse einnimmt, aber das wirklich nicht einmal der Versuch einer halbwegs differenzierten Betrachtung unternommen wird, macht mich fassungslos. Kein Abwegen der unterschiedlichen Argumente, kein Perspektivenwechsel, alles Fehlanzeige. Der Gipfel ist dann der Vorwurf der Hybris Richtung TuS Altendorf. Ich frage mich, wer sich denn hier Urteile anmaßt, hochmütig Argumente ignoriert und die Machtkarte spielt? Da wären wir wieder im viel zitierten Glashaus und den Steinen...

Vereinsbrille vor 11 Wochen

Sport sollte in erster Linie Spaß machen, aber es geht ja gerade im Leistungssport um viel. Vor allem um Geld. Um Fördergelder z.b., kommen keine ersten Plätze längerfristig, am Besten kurzfristig zustande, besteht die Gefahr, Fördergelder zu kürzen oder zu streichen. Der Druck dadurch immens. Trainer machen Sportler zu Maschinen, Eltern nehmen sowas in Kauf, auch weil in Ihnen selbst Profitgier schlummert, bzw. der Hoffnung besteht das das Kind später große Erfolge feiert, den Namen in die weite Welt trägt. So lange alles mit Spaß und eigenem Ehrgeiz verbunden ist, bitteschön. Aber nicht unter Zwang und für Kinder unmenschlichen Druck.

Gerhard vor 11 Wochen

PS.: Und sicher hat sie auch schon das persönliche Gespräch mit Frau Frese gesucht.