Diversity-Tag Olympiasiegerin Jamanka lobt Diversität im Bobsport

Im Rahmen des Diversity-Tags in Deutschland war Mariama Jamanka, Olympiasiegerin im Zweierbob 2018, bei "Sport im Osten" zu Gast. Im Gespräch verriet die 30-Jährige, dass der Bobsport in Deutschland bereits diverser ist als andere Sportarten. Defizite der Gleichbehandlung gibt es dennoch.

Portät von Mariama Jamanka
Bildrechte: imago images/Karina Hessland

Jamanka ist gebürtige Berlinerin und somit in einer Stadt aufgewachsen, die in Deutschland besonders für Vielfalt steht, was sie bereits in ihrer Schulzeit geprägt hat. "Wir hatten extrem viele Latinos, Asiaten und andere Kulturen, was einem beibringt tolerant zu sein. Von daher bin ich sehr froh, dass ich diese Möglichkeiten hatte, was mir in meinem Leben sehr viel weiterhalf."

Alltäglicher Rassismus

Für die 30-Jährige gab es dennoch Erfahrungen mit dem alltäglichen Rassismus, wo aus ihrer Sicht viele Menschen mitunter wenig Verständnis aufbringen. Jamanka selbst hatte Diskussionen zu führen, wie sie gern bezeichnet werden möchte bzw. warum sie dieses oder jenes Wort als Beleidigung empfindet. "Ich finde es schwierig, wenn man sagen muss, warum der eine oder andere Begriff für jemanden beleidigend ist. Wenn ich sage, ich möchte so nicht bezeichnet werden, dann sollte das an dieser Stelle auch geklärt sein." Die vermehrt aufkommenden Diskussionen um Diversität findet Jamanka in der heutigen Zeit wichtig, allerdings ist "noch ein langer Weg mit viel Klärungsbedarf" zu bestreiten, wobei verschiedene Meinungen grundsätzlich akzeptiert werden müssen.

"Bobsport ist sehr farbig"

Als Jamanka 2018 in Pyeongchang als erste deutsche dunkelhäutige Frau Olympiasiegerin in einer Wintersportart wurde, war der Medaillengewinn in den Medien ein großes Thema. Für die Sportsoldatin allerdings kam diese Berichterstattung eher überraschend.

M. Jamanka/L. Buckwitz, Zweierbob, Gewinnerinnen der Goldmedaille. Olympia 2018 Pyeongchang
Olympische Spiele 2018: Mariama Jamanka und Anschieberin Lisa Buckwitz holen Gold im Zweierbob Bildrechte: IMAGO

"Es war tatsächlich kein Thema für uns und unser Umfeld. Es war mir zu diesem Zeitpunkt nicht wirklich bewusst. Also mir war lediglich bewusst, dass ich die zweite deutsche Olympiasiegerin im Bobsport seit Sandra Kiriasis war (2006 in Turin, Anm. d. Red.) war. Man muss allerdings sagen, dass der Bobsport als Wintersportart sehr farbig ist. Wenn man sich das Podest bei den olympischen Spielen anschaut, wird man sehen, dass da tatsächlich mehr Dunkelhäutige als Weiße auf dem Treppchen standen und deswegen war das für mich nie so ein großes Thema, wie es in der Öffentlichkeit war. Für mich war es normal. Der Bobsport ist da diverser als andere Sportarten.“

Ost vs. West eher ein Thema

Wesentlich häufiger wird indes im deutschen Bobsport das Ost-West-Thema diskutiert. "Das hat mich etwas überrascht. Das hätte ich nicht gedacht, aber es ist doch so, dass es eher um solche Thematiken geht, als um die Frage dunkelhäutig oder hellhäutig."

Der ungeliebte Monobob - Verbesserung der Kommunikation

Unterschiede der Gleichbehandlung gibt es im Bobsport auch bei den Geschlechtern. Während die Männer im Zweier- und Viererbob unterwegs sind, gibt es bei den Frauen nur den kleinen Schlitten und den Monobob, dessen Einführung in der abgelaufenen Saison bei den Athletinnen nicht gerade für Jubel gesorgt hat. „Das ist von oben herab entschieden worden, leider. Mit den Sportlerinnen wurde das nicht kommuniziert. Im Endeffekt ist es so, man kann jetzt nichts mehr dagegen tun.Ich finde es schade, dass in der Planung und der Installation dieser Sportart nicht mit uns kommuniziert wurde. Wir hatten da nicht wirklich ein Mitspracherecht.“

Aus diesem Grund sieht Jamanka eine Verbesserung der offenen Kommunikation mit dem Verband als einen wichtigen Baustein, um künftig mehr Gleichberechtigung im Bobsport zu erreichen, auch wenn sie weiß, dass es nicht gerade einfach ist "allen gerecht zu werden".

Das komplette Interview gibt es hier im "SpiO-Talk" zu sehen.

Mariama Jamanka 21 min
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2 Kommentare

Cyane vor 3 Wochen

Ich finde es immer wieder interessant, dass man Frau Jamanka immer wieder die Möglichkeit gibt, ihre Abneigung gegen den Monobob auszuleben. Hier wird der Monobob dann auch noch als Indiz für Ungleichbehandlung zwischen Frau und Mann gewertet. Aber ohne auf die Hintergründe der Entscheidung zu schauen. Das finde ich kritisch. Zudem widmen man sich hier im Artikel auch nicht den Vorteilen des Monobobs. Wenn man sich die Startlisten der Monobob-Wettbewerbe anschaut, dann sieht man, dass durch die Einführung des Monobobs auch Sportlerinnen aus Ländern, welche nicht als Bobnationen bekannt sind, den Sport ausüben. Das ist auch ein Beitrag zur Diversität im Bobsport.

Atheist vor 3 Wochen

Wer interessiert sich denn heutzutage noch für Sport?