Doping NADA-Vorstandsmitglied Mortsiefer: Urteil mit Signalwirkung

Am Freitag (15. Januar) wurde der Erfurter Arzt Mark Schmidt wegen seiner Doping-Praktiken zu knapp fünf Jahren Haft, einer Geldstrafe und drei Jahren Berufsverbot verurteilt. MDR-Reporter Peer Vonderwülbecke sprach im SpiO-Talk mit NADA-Vorstandsmitglied Lars Mortsiefer über den Schuldspruch und die Folgen.

SpiO Talk mit Lars Mortsiefer (NADA-Vorstand) 16 min
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Sport im Osten Fr 15.01.2021 13:00Uhr 16:14 min

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Die Operation "Aderlass" war bisher die größte Antidoping-Ermittlung in der Geschichte der deutschen Behörden gewesen. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Mark Schmidt mindestens 23 Athleten mit Blutdoping behandelt hat. Unterstützung erhielt er dabei von vier Helfern, einer wurde ebenfalls zu einer Haftstrafe verurteilt.

"Man kann schon von Menschenversuchen sprechen"

NADA-Vorstandsmitglied Lars Mortsiefer, der gleichzeitig auch Chef-Justiziar ist, sah das "Urteil als Signalwirkung mit weitreichenden Folgen". Wichtig bei einem Vergehen, welches mit gefährlicher Körperverletzung gleichzusetzen sei. "Man kann schon von Menschenversuchen sprechen."

NADA nimmt Kontakt zu Schmidt-Anwälten auf

Im Prozess gab Mark Schmidt nur das zu, was ihm vorher bereits nachgewiesen wurde. Nach Ansicht von Mortsiefer wurden aber auch etliche Informationen über Netzwerke geliefert, die wichtige Erkenntnisse für die zukünftige Anti-Doping-Arbeit brachten. Im Vorfeld hatte Schmidt der NADA sogar Zusammenarbeit angeboten. Mortsiefer würde dazu nicht Nein sagen: "Wir werden sehen, ob er sich jetzt noch daran hält. Er hat bestimmt noch viele spannende Erkenntnisse, die uns in dem Verfahren weiterhelfen können. Wir haben jetzt Kontakt zu seinen Anwälten aufgenommen."

Kronzeugenregelung noch nicht im Gesetz verankert

Einen wichtigen Punkt betraf die Kronzeugenregelung, die im Anti-Dopinggesetz noch nicht vorgesehen ist. Mark Schmidt konnte sie demnach nicht in Anspruch nehmen. Hier gilt es nachzurüsten. "Ich glaube schon, dass die Kronzeugenregelung ein elementares Zeichen setzen kann, auch in der strafrechtlichen Debatte. Diese Regelung bietet einen Ausweg, einen Hoffnungsschimmer, sodass der Beschuldigte nicht viele Jahre ins Gefängnis muss, sondern möglicherweise mit einem blauen Auge davonkommt", so Mortsiefer. Zusammenfassend konnte Lars Mortsiefer konstatieren, "dass das  Anti-Dopinggesetz nach Anlaufschwierigkeiten funktioniert. In den nächsten Jahren soll es noch mehr greifen."

jmd

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 15. Januar 2021 | 13:00 Uhr

2 Kommentare

part vor 39 Wochen

Wer es nicht glaubt, Doping ist schon länger im normalen Alltagsleben angekommen, zumeist unter Führungskräften aber auch bei den Malochern. Aufputschmittel, Beruhigungsmittel oder ab und an eine staubige Nase, die Liste der Mittel ist lang und noch nicht ausgereizt. Todesfälle durch Überarbeitung in aller Welt, die immer mal wieder vorkommen und Geschäftsinteressen im Sport, die zu immer mehr Leistung antreiben, erzeugen dann eben Grundlagenforscher, die sich zu mehr berufen gefühlt aber letztendlich nur ein krankes System bedient haben, denn die Nachfrage nach Doping, das nicht nachweisbar ist, besteht weiterhin weltweit. Dafür aber so hohe Haftstrafen zu verhängen halte ich für übertrieben. Und die Anmeldekraft der Praxis in das Strafverfahren mit einzubeziehen ebenfalls. Die Optimierung von menschlichen Fähigkeiten könnte aber irgendwann hilfreich sein bei der Raumfahrt. Anders betrachtet dagegen ist Doping ein Betrug bei sportlichen Wettbewerben und ein Betrug am eigenen Körper.

Andi79 vor 39 Wochen

5 Jahre Gefängnis 👍🏻 + 3 Jahre Berufsverbot 🤔 = Er darf danach weiter praktizieren 🤯

Der dürfte eigentlich nie wieder als Arzt / Pflegeberufe arbeiten. Egal ob als selbstständiger oder Angestellter.