Radsport | Tour de France Radprofi Tony Martin: "Dopingkontrollen scheinen ausgesetzt"

Noch ist die Tour de France nicht abgesagt. Es wäre die zwölfte große Frankreich-Schleife für Tony Martin. Allerdings dürfte ein regulärer Start aufgrund der Coronavirus-Pandemie illusorisch sein. Und es gibt ein weiteres Problem: Der Stillstand im Doping-Kontrollsystem.

Als eine der wenigen sportlichen Großveranstaltungen ist die Tour de France trotz der weltweiten Coronavirus-Pandemie bislang weder abgesagt noch verschoben worden. Es wäre auch für Tony Martin vom niederländischen Team Jumbo-Visma das Saisonhighlight. 2015 hielt er für drei Tage das berühmte "Maillot Jaune", das Gelbe Trikot des Spitzenreiters.

An einen Wettbewerb unter Chancengleichheit ist derzeit aber keineswegs zu denken. Nicht allein, dass die möglichen Peloton-Konkurrenten aufgrund der unterschiedlichen Notfall-, Ausgangs- und Quarantänebestimmungen in ihren jeweiligen Heimatländern keine reguläre Vorbereitung absolvieren können.

Anti-Dopingkontrollsystem steht still

Vor allem das weltweite Anti-Dopingkontrollsystem ist nahezu zum Stillstand gekommen. Zwar seien Kontrollen unangekündigt und es könne jederzeit an der Haustür klingeln, sagte Martin am Mittwoch (8. April) dem MDR im "Sport im Osten"-Talk, bestätigte jedoch, dass er jüngst nicht kontrolliert wurde: "Was wir aber jetzt auch medial mitbekommen haben, scheint es schon so zu sein, dass die Dopingkontrollen jetzt erstmal ausgesetzt sind."

Und mit dieser "sehr geringen" Wahrscheinlichkeit, momentan getest zu werden, "steigen natürlich auch die Probleme und Schwierigkeiten mit potenziellen Dopingsündern", ergänzte der 34-Jährige, der seit Jahren in der Schweiz lebt.

Tony Martin
Seit 2019 fährt der gebürtige Cottbuser, der in Erfurt seine Profikarriere begann, für das niederländische Team Jumbo-Visma. Bildrechte: imago images / Mario Stiehl International

WADA: "Viele Testprogramme weltweit aufgeschoben"

Erst unlängst hatte Witold Banka, Präsident der Welt-Anti-Dopingagentur (WADA), im ZDF zugegeben: "Das ist ein riesiges Problem für uns alle, für die gesamte Anti-Doping-Gemeinschaft und den Sport. Wir müssen alles dafür tun, das schnellstmöglich zu ändern und den Krieg gegen Corona zu gewinnen. Doch die Zeiten sind sehr schwierig, und viele Testprogramme weltweit sind aufgeschoben."

Auch die Geschäftsführerin der "Nationalen Anti-Doping Agentur" (NADA), Andrea Gotzmann, räumte am 22. März im Deutschlandfunk ein: "Derzeit können wir kein normales Doping-Kontrollsystem durchführen. Das ist schon seit zehn Tagen so, dass wir mit dem Aufkommen der Corona-Problematik unser System des Dopingkontrollaufwandes zurückgefahren haben."

Radprofi Tony Martin 1 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Mi 08.04.2020 15:06Uhr 01:14 min

https://www.mdr.de/sport/sport-im-osten/video-398828.html

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Martin: Kontrollen müssen rechtzeitig wieder anlaufen

In Bezug auf seine Sportart, den eh seit jeher von Doping-Skandalen gebeutelten Profi-Radsport, verwies Tony Martin darauf, dass die Kontrollen rechtzeitig wieder anlaufen müssen, ehe die Wettkämpfe wiederaufgenommen werden. "Das kann sich nicht ausschließen, das muss einfach so sein", unterstrich der viermalige Weltmeister im Einzelzeitfahren, und "dann hoffe ich einfach, dass genügend Zeit vorhanden ist, um wirklich auch qualitativ hochwertige Proben nehmen zu können."

Noch datiert der Tour-Start auf dem 27. Juni in Nizza. Die Renn-Organisatoren der ASO um Chef Christian Prudhomme wollen sich nach aktuellem Stand bis 15. Mai Zeit geben, um über eine Verschiebung oder Absage zu entscheiden.

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mhe

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 08. April 2020 | 19:30 Uhr

1 Kommentar

Norbert Franke vor 23 Wochen

Und diese Problematik gilt nicht nur für den Radsport sondern für den Leistungssport allgemein.Zum Glück fällt Olympia aus denn da hätte es mit Sicherheit wieder einige ,,Wunderathleten,, aus Asien und den USA gegeben.

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