SpiO-Talk Rodel-Olympiasieger Johannes Ludwig: "Es ist noch ein bisschen surreal"

Für Rennrodler Johannes Ludwig war Peking das Highlight seiner Karriere. Der gebürtige Suhler holte Gold im Einsitzer und Teamwettbewerb. Wie seine Eindrücke beim größten Sport-Event waren und wie es in der Zukunft sportlich weitergeht, verrät der 36-Jährige im SpiO-Talk.

Johannes Ludwig 20 min
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20 min

Das waren die Olympischen Winterspiele des Johannes Ludwig. Er angelte sich im Rennrodel-Einzel und dem Teamwettbewerb Gold. Wir sprachen mit dem Thüringer über die ereignisreichen Tage von Peking.

Di 15.02.2022 16:46Uhr 19:31 min

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Wenige Tage nach seiner Rückkehr kann Ludwig, der nach Einzel-Bronze 2018 im südkoreanischen Pyeongchang, nun drei olympische Medaillen besitzt, sein Glück noch gar nicht richtig fassen. "Es ist noch ein bisschen surreal und eigenartig. Ich glaube, dass ich mir im Nachgang nochmal die Videos anschauen muss, um zu fühlen, was da passiert ist (…) Der allerschönste Moment war der Zieleinlauf im Einzelrennen, als mich meine Teamkollegen, Trainer und Betreuer empfangen haben. Es ist mir bei den Olympischen Spielen vieles Corona-bedingt genommen worden, aber das war für mich das, was herausragend war."

Johannes Ludwig, Rennrodeln
Johannes Ludwig holte zwei Goldmedaillen in Peking Bildrechte: IMAGO / Xinhua

Konnte meine Leistung abrufen

Der Thüringer hatte im Einzelrennen in drei von vier Läufen Bestzeit erzielt. Er stellte zudem den Start- und Bahnrekord auf. Doch von einem perfekten Wettkampf spricht Ludwig dennoch nicht. "Ich glaube, es geht immer besser. Ich sehe auch bei meinen Bahnrekordläufen immer noch kleine Fehler. Für mich ist die größte Genugtuung bei diesem doch sehr speziellen Event, dass ich in diesem Moment meine Leistung, die ich auch über die Saison gebracht habe - und auch unter dem Damoklesschwert, dass ich der Favorit war - umsetzen konnte. Gerade auch, weil ich es in vielen Jahren nicht geschafft habe."

Karriere mit Höhen und Tiefen

Ludwig ist mit nun 36 Jahren an seinem Karriere-Höhepunkt angekommen, doch der Weg dorthin war nicht immer einfach. So hatte der Polizeivollzugsbeamte viele Jahre Probleme, sich für Olympische Spiele oder Weltmeisterschaften zu qualifizieren. Umso größer ist nun die Freude über das Erreichte. "Dass ich das bei Olympischen Spielen quasi für mich aufgeholt habe, ist noch immer ein bisschen verrückt."

"Komischer Abschied aus Peking"

Der zweifache Goldmedaillengewinner wäre gerne noch länger in Peking geblieben, um noch mehr von den Olympischen Spielen sehen zu können. "Aber leider mussten wir das Olympische Dorf fast Hals über Kopf verlassen. Eigentlich habe ich das Team-Staffelrennen auf gepackten Koffern verbracht. Von daher ist es ein etwas komischer Abschied gewesen. Corona-bedingt war es jedoch die Regel. Aber ich hatte ja zwei schöne Schätze im Gepäck."

Rodeln - Johannes Ludwig, Natalie Geisenberger und Tobias Wendl und Tobias Arlt
Johannes Ludwig, Natalie Geisenberger und Tobias Wendl und Tobias Arlt (v.l.n.r) nach dem Triumph im Teamwettbewerb. Bildrechte: IMAGO / SNA

Ludwig lässt WM-Start 2023 in Oberhof offen

Wie es für Ludwig sportlich weitergeht, lässt der Thüringer bewusst noch offen. Über ein mögliches Engagement bei der Heim-WM in Oberhof 2023 (23. bis 29. Januar) im kommenden Januar hält sich der Lokalmatador bedeckt. "Ich bin in den letzten Jahren sehr erfolgreich gerodelt. Es macht mir unwahrscheinlich viel Freude. Und ich kann mir vorstellen, dass eine WM in Oberhof ein ganz tolles Event wird. Hoffentlich dann auch mit Zuschauern. Dann wäre es ein schöner Abschluss meiner Karriere. Aber mir stehen auch sehr viele Wege bei der Bundespolizei offen, die ich jetzt noch ein bisschen sondieren möchte, und dann auch mit meiner Familie in Absprache gehe, wie es denn für mich weitergeht. Und dafür möchte ich mir ganz bewusst noch ein bisschen Zeit geben."

Dieses Thema im Programm: MDR+ | Sport inm Osten | 15. Februar 2022 | 15:30 Uhr

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