Sport | Gewalt Sportsoziologin Rulofs zur Gewalt im Sport: "Das Bewusstsein ist gestiegen"

Am Mittwoch beschäftigte sich der Sportausschuss des Bundestages mit dem Thema Gewalt im Sport. Mit dabei war auch Bettina Rulofs, eine Koryphäe auf diesem sensiblen Gebiet. Wir sprachen mit der Sportsoziologin.

Prof. Bettina Rulofs im Interview 24 min
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Sport im Osten Do 06.05.2021 12:15Uhr 24:05 min

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Gewalt im Sport bleibt ein dringliches Thema. Am Mittwochabend (5. Mai) beschäftigte sich der Sportausschuss des Bundestages in einer öffentlichen Anhörung mit der Problematik. Dabei ging es um körperliche, sexualisierte und psychische Gewalt, die auf Sportler ausgeübt werden. An der Runde nahm auch Bettina Rulofs teil. MDR-Reporter Peer Vorderwülbecke sprach im "SpiO"-Talk mit der Sportsoziologin.

Bettina Rulofs arbeitet seit 2019 an der Bergischen Universität Wuppertal, tätig ist sie in der Fakultät für Human- und Sozialwissenschaften. Zuvor war sie an der Deutschen Sporthochschule Köln beschäftigt. Sie ist eine der Koryphäen, wenn es um das Thema Sport und Gewalt geht.

Unabhängige Anlaufstelle für Opfer von Gewalt im Sport

Bei der Veranstaltung forderte der Verein "Athleten Deutschland" ein unanhängiges Zentrum für "Safe Sport", was unter anderem eine Anlaufstelle für Opfer von Gewalt im Sport sein soll. Das findet die uneingeschränkte Zustimmung von Bettina Rulofs. "Wir können zu dem Themenfeld festhalten, dass sich sowohl in der Sportpolitik sowie bei den Verbänden sehr viel an Aktivitäten entwickelt hat und das Bewusstsein gestiegen ist", sagte sie im Talk und ergänzte: "Wenn sich das oberste Gremium im Land mit dem Thema befasst, ist das ein Zeichen, dass die Bewusstseinsbildung zu dem Thema vorangeschritten ist."

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MDR aktuell 17:45 Uhr Mi 05.05.2021 17:45Uhr 01:27 min

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"Safe Sport"-Studie

2015/16 gehörte Rulofs zu einer Gruppe, die die sogenannte "Safe Sport"-Studie begleitete, welche sich mit obiger Thematik, speziell im Leistungssport, beschäftigte. 1.500 Athletinnen und Athleten wurden befragt, 37 Prozent davon hatten schon einmal eine Form von sexueller Gewalt erlebt. Bei schwerer sexueller Gewalt betraf das elf Prozent. 86 Prozent der Sportler gaben an, schon einmal eine Form von psychischer Gewalt erlebt zu haben. Psychische Formen können unter anderem sein: Beschimpfungen, Demütigungen und Drangsalieren über einen längeren Zeitraum. Auch unangemessen hohe Leistungserwartungen betreffen diese Sparte.

"Auch die Trainerin braucht einen gewissen Schutz"

Gabriele Frehse bei einer Sportveranstaltung
Turntrainerin Gabriele Frehse ist vor kurzem vom Olympiastützpunkt entlassen worden. Bildrechte: imago images/Schreyer

Bettina Rulofs nahm auch Stellung zur Entlassung der Chemnitzer Turntrainerin Gabriele Frehse durch den Olympiastützpunkt. Dabei stützte sie sich auf einen Leitfaden, den sie selbst verfasst hat. Dieser beschäftigt sich mit dem Umgang von Gewalt, aber auch mit dem Verhalten gegenüber Tätern. "Die Chemnitzer Turnerinnen sind an die Medien gegangen. Weil es keine Möglichkeit gibt, dass eine Verständigung im System stattfindet. Da muss man sich fragen, wo ist etwas schief gelaufen, wo haben die Verantwortlichen versagt?", so Rulofs.

Wichtig war ihr aber auch zu betonen, "dass die Trainerin einen gewissen Schutz braucht". Nach Rulofs Meinung war es "nicht angemessen, dass die Verhandlungen mit Namen von Personen in der Öffentlichkeit geführt wurden. Diese Konflikte sollten in einem Raum besprochen werden, wo die Dinge nicht gleich nach außen dringen".

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jmd

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 08. Mai 2021 | 16:00 Uhr

1 Kommentar

nasowasaberauch vor 19 Wochen

Die Weltspitze ist ein schmaler Grat und wer dorthin will, muss Entbehrungen und Schmerzen ab können. Die Sportförderung für den Spitzensport ist ein harter Verteilungskampf für Sportler und Trainer bzw. deren Existenz. Damit schließt sich der Kreis, weil nur der Erfolg, in dem sich die Funktionäre mit sonnen können, zählt für die Mittelvergabe. Dort werden die Bedingungen für den unsauberen Sport geschaffen.